Einer meiner vielen Lieblings-Cartoons aus der Satire-Zeitschrift Simplicissimus karikiert eine junge Dame, die an der damals schon weit verbreiteten Magersucht litt. Die besagte Dame ist bereits so stark abgemagert, dass sich ihr Busen verflüchtigt hat und wie ein Negativabdruck seiner selbst auf ihrem Rücken erscheint; dort, wo bei anderen Damen für gewöhnlich die Schulterblätter sitzen. Über dieses unheimliche Phänomen zeigt sich nicht nur der untersuchende Arzt bass erstaunt, sondern auch die junge Dame selbst: Da also waren ihre beiden, die sie schon lange vermisst hatte! Das Bild trägt den schönen Titel „Busenflucht“.

Im Gegensatz zu Patientin und Doktor zeigen sich unsere Freunde von der Linken weder erstaunt über eine Flucht, von der sie betroffen sind, noch vermissen sie das, was ihnen abhanden kam. Es ist nicht der Busen, der ihnen fehlt und zu seinem Negativ umschlug, sondern der Geist.
Der Geist sei links, tönte es noch in der 1970er Jahren und mancher mag diese These unbesehen geglaubt haben. Vermeintliche Geistesriesen wie Günter Grass und Martin Walser schienen diese Behauptung zu stützen: Romanschriftsteller, die andernorts als das gelten, was sie de facto sind, nämlich die Verfasser von mehr oder minder unterhaltsamer Belletristik, mussten bei uns als „Intellektuelle“ herhalten, die befugt waren, dem staunenden Volke die Welt und das Menschsein zu erklären.
Ihre Erklärungen waren äußerst schlicht. Die Protagonisten dieser linken Geisteskultur wurden vom Ausgang des Zweiten Weltkriegs geprägt, den sie als junge Leute im Volkssturm oder als Möchtegern-SS-Lehrbuben erlebten. So lernten sie ihre Lektion und die ist simpel genug: Krieg ist immer von Übel, der Mensch ist schlecht, noch schlechter als alle anderen ist der Deutsche, weil immer in Versuchung, ein Nazi zu sein, der Fremde dagegen ist immer gut und am besten wäre es, wenn Deutschland verschwände.
Bei diesen Leuten reimt sich alles auf 33/45 und die ständigen Kehrverse „Nie wieder Krieg!“ und „Ein neues Auschwitz muss verhindert werden!“. Überall verorten sie in stupende ausdauernder Wiederholung ‚braune Kacke’ wie ein verlogener Koprophiler, der sich von Kot magisch angezogen fühlt, um sich darin zu suhlen, um anschließend empört aufzuschreien.
Ein neues Auschwitz wurde ihnen nicht beschert, weshalb sie sich selber eines schufen, wenngleich auch nur ein virtuelles. Mit der Farbe Braun malen sie ihre politischen Gegner an und schon ist jeder rechts von der SPD ein „Nazi“. Das Leben ist besonders einfach, wenn man nicht mehr denken muss, Genossen.
Das ist kein Geist, das ist sein Negativ, das sind linke Reflexe, das ist Anti-Geist.
Der Nazi, lieber Leser, das bin ich, das bist Du und das neue neue Auschwitz der Linken ist die Islamkritik. Muslims sind arme unterdrückte Menschen, die der linke Anti-Geist befreien muss, auch wenn ihm nicht klar ist, wovon eigentlich. Da hilft es auch nicht, wenn Günter Walraff , einstmalen einer ihrer liebsten Protogonisten nach der Lektüre des „Korans“ entsetzt ausruft: „Das ist ein Buch, bei dessen Lektüre einem Angst und Bange wird!“ Lesen und denken tut der linke Freund schon lange nicht mehr, denn das könnte sein Weltbild gefährden.
Und weil er nicht denkt, nicht mehr denken will oder nicht mehr denken kann, schreitet er zur Tat. Er nennt sich „Antifaschist“ und kämpft gegen alles, was er in seinem Anti-Geist für „faschistisch“ hält und das sind bei Bedarf alle anderen außer ihm. Weil er selbst „antifaschistisch“ ist, befindet er sich erstens immer im Recht und zweitens ist er in der Wahl seiner Mittel vollständig frei. Er darf Gewalt gegen Sachen und Menschen ausüben, er darf Gesetze brechen, er darf Gegner diffamieren, er darf beißen, kratzen, spucken und töten, denn er ist ja der Gute und damit ist alles, was er tut, automatisch ebenfalls gut.
Und als Guter kämpft er nicht nur für die gerechte Sache, sondern er befreit auch noch die Armen und Unterdrückten in diesem Lande. Dazu gehören die Nachfahren eines Karawanenräubers, der vor etwa 1500 Jahren gelebt hat, wie zum Beispiel etwa jener Kölner Straßenräuber, der neulich bei Ausübung seiner Tätigkeit ums Leben kam. Doch zum Hassobjekt der anti-geistigen Linken wurde der zum Ausrauben Erkorene, just deswegen weil er sich gegen das Ausgeraubt-Werden erfolgreich zur Wehr setzte. Es handelt sich um den Bub von Spätaussiedlern aus Kasachstan, also in der Diktion der Linken ein Deutscher, ergo der geborene Nazi. Was hat so einer sich zu wehren gegen einen armen und unterdrückten Straßenräuber, der nichts anderes wollte als seine kargen Lohnersatzleistungen etwas aufzubessern? Ist es denn nicht Pflicht eines jeden Scheiß-Deutschen, sich ausrauben zu lassen, weil er die Schuld von 33/45 in sich trägt und für Auschwitz mitverantwortlich ist? Und diese Schuld wie ein Kainsmal von Geburt an auf der Stirne trägt?
Das ist die Sicht des linken Anti-Geistes. Wir nehmen uns die Freiheit, es anders zu sehen. Der Name des jungen wackeren Russendeutschen ist mir nicht bekannt – nennen wir ihn einfach Michael, denn das ist der treffenste Namen für einen, der sich zu wehren weiß. Michael zeigte nicht nur Zivilcourage, sondern er hat auch ein Verbrechen verhindert, edn Raub – eine Tat, zu der jeder Deutsche per Grundgesetz aufgerufen ist. Er hat Gegenwehr geleistet, wie es jedem gebührt, der von einem Verbrecher angegriffen wird. Und er hat sich, als der Angreifer kampfunfähig am Boden lag, geradezu polizeivorschriftenmäßig korrekt verhalten. Statt den Hirnschädel des Gegners mit gezielten Fußtritten zu zertrümmern, wie es die Unterdrückten und Armen zu tun pflegen, hat er diesen in eine stabile Seitenlage gebracht und den Notarzt alarmiert. Und er blieb am Ort des Geschehens, bis dieser eintraf.
Diesen Michael überziehen unsere linken Freunde mit Hass. Er hätte einen Orden verdient.