M.M.: Herr Beck, Sie sind mein erster Interviewpartner, der gleichzeitig auf zwei Stühlen vor mir sitzt. Ich kann es mir daher nicht verkneifen, mich bei Ihnen für Ihr zahlreiches Erscheinen zu bedanken.
Beck: Keine Ursache.
M.M.: Ich kann es noch gar nicht richtig fassen. Sie sind tatsächlich hier!
Beck: Was ist daran so ungewöhnlich?
M.M.: Ich weiß absolut nix über Sie!
Beck: Warum haben Sie mich dann hierhin bestellt?
M.M.: Ich wurde gezwungen.
Beck: Von wem?
M.M.: Von der kreativen Ader meines Schöpfers. Mein Schöpfer wirft mich gerne ins kalte Wasser.
Beck: Aha. Und wer ist das, wenn ich fragen darf?
M.M.: Kennen Sie eh nicht. Außerdem ist dies mein Interview. Hier stelle ich die Fragen.
Beck: Nun denn, wollen wir anfangen?
M.M.: Was soll das bringen? Ich bin völlig unvorbereitet. Aber gut, lassen wir es auf einen Versuch ankommen. Herr Beck, woher kennt man Sie?
Beck: Na, raten Sie doch mal!
M.M.: Sind Sie ein berühmter Perlentaucher?
Beck: Nein.
M.M.: Ex-Kugelstoßer aus der DDR? Vom Gewicht her könnt’s passen.
Beck: Nein.
M.M.: Organisieren Sie Swinger-Partys in der Eifel?
Beck: Lustig, aber falsch. Zumindest nicht hauptberuflich.
M.M.: Ok, ich gebe auf. Ist ja auch nicht wichtig. Unsere Leser werden schon wissen, mit wem sie es zu tun haben.
Beck: Das denke ich allerdings auch.
M.M.: Was sollen wir also noch länger ‘Wer bin ich?’ spielen?
Beck: Was bin ich.
M.M.: Ich weiß es eben nicht! Die Speckigen sind immer ganz schwer einzuordnen. Schwer beeindruckt bin ich jedoch von Ihren Deutschkenntnissen. Wie lange leben Sie schon in Deutschland?
Beck: Mein ganzes Leben.
M.M.: Verstehe. Erste Generation einer türkischen Gastarbeiterfamilie?
Beck: Wie kommen Sie darauf? Beck ist doch kein türkischer Name.
M.M.: Nein, aber Kurt schon. Kurt hat viele Bedeutungen. Tausendfüßler, Wurm, Made, Bandwurm, Wechselkurs …-
Beck: Glauben Sie mir bitte: An mir ist nichts Ausländisches, geschweige denn Türkisches. Ich bin Deutscher, aufgewachsen in einem deutschen Haushalt, Herr Meynstream. Rheinland-Pfalz!
M.M.: Hm, kommt mir da ein Hauch von nationalsozialistischem Mundgeruch entgegen? Sind Sie etwa ein brauner Blogger?
Beck: Also, das verbitte ich mir!
M.M.: Was?
Beck: Mich hier in aller Öffentlichkeit zu beleidigen. Das verbitte ich mir!
M.M.: Was kann ich dafür, dass Sie von Ihren Eltern auf den Namen Bandwurm getauft wurden? Ich würde mich ja auch lieber mit Ihnen über Musik oder über die Wahlen in den USA unterhalten, aber so ein Name bleibt nunmal nicht unbemerkt. Ihr Türken habt’s ja nicht besonders leicht in Deutschland. Sind Sie als Kind deswegen oft gehänselt worden?
Beck: Natürlich nicht!
M.M.: Gegretelt? Verzeihung, das war jetzt albern. Ist Ihnen auch so langweilig?
Beck: Es gruselt mich eher. Wir sollten hier abbrechen. Dieses Interview rechnet sich nicht für mich.
M.M.: Verstehe. Es muss sich für Sie rechnen. Sie sind also ein Freund von Zahlen, quasi ein mathematisch orientierter Nazi-Türke. Welch einsames Los! Da würde ich Ihnen doch gerne mal schnell off-topic und off-the-record eine Frage stellen: Wie kriege ich meine Millionen unbeschadet am Finanzamt vorbei? Bitte, beraten Sie mich frei von der Leber weg!
Beck: Sie fragen ausgerechnet mich, wie sie das Finanzamt bescheißen können? Das nenne ich Chuzpe!
M.M.: Ach, lassen wir doch bitte diese türkischen Kraftausdrücke in den Ruhrpott-Ghettos, wo sie hingehören. Nochmal: Wie bescheiße ich risikolos das Finanzamt? Plaudern Sie ruhig aus dem Nähkästchen, Kurt.
Beck: Wenn es um Steuerbetrug geht …-
M.M.: Oder muss es Kürt heißen?
Beck: … sind Sie bei mir an der falschen Stelle.
M.M.: Damit kennen Sie sich nicht aus?
Beck: Oh doch! Allzu gut sogar. Und ich sage Ihnen eines: Diese reine Gier nach Geld muss in unserer Gesellschaft eingedämmt werden!
M.M.: Sie meinen die Regierung?
Beck: Ich sagte klar und deutlich …-
M.M.: Gar perfekt deutschlich!
Beck: … Gesellschaft!
M.M.: Ja, aber Sie spielten damit auf den Staat an. Den gierigen, nimmersatten Staat, nicht wahr?
Beck: Weit gefehlt!
M.M.: Ich verstehe gar nichts mehr. Wer sind Sie?
Beck: No friend of yours, um es mal in Ihrer Sprache auszudrücken.
M.M.: Jetzt gruselt’s mich auch.
Beck: Das glaube ich. Und nun werde ich mich von Ihnen ganz weit entfernen.
M.M.: Ok. Tschüss, Kürt! Take it üsy.