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Stories aus der Zukunft
Posted By Yaab On 8. März 2008 @ 14:16 In Realsatire | 7 Comments
Heute: Rasche Aufklärung
Trailer: Ein Geschäftsmann kommt von einem Arbeitsessen und läuft auf dem Gehsteig der Sultan-Fathi-Straße in Richtung Taxistand. Aus der Dunkelheit tauchen plötzlich acht junge Männer auf. Sie schlagen ihn nieder und plündern seine Taschen. Dann sticht einer von ihnen mehrfach auf ihn ein. Die Jugendlichen rennen davon. Der Mann richtet sich wieder auf und fasst sich an die Brust, aus der dunkelrotes Blut quillt. Taumelnd schleppt er sich weiter, doch vor dem Seder-Süper-Marketi bricht er zusammen. Mit letzer Kraft richtet er sich noch einmal auf; schreibt mit dem blutverschmierten Finger der rechten Hand drei Buchstaben an die Schaufensterscheibe, dann sackt er endgültig zusammen.
Zwei Kriminaler stehen vor der Leiche und untersuchen den Fall.
Kommissar Krüminoglu: “Na, mein Bruder. Was meinst du?”
Assistent Müsliman: “Gut gekleidet, würde ich sagen. Klamotten sehen teuer aus.”
“Hey, Alder! Wo guckst du? Ist schäbig, der Typ. Jacke, Hose - alles voll mit diesen scheißendreck rote Fleck. Völlig verwahrlost.”
“Okay. Viele Flecken, ja. Sogar noch feucht. Sagen wir: verwahrlost. Was war in seinen Taschen?”
“Nichts. Außer einer alten Kreditkarte der Deutschen Bank hatte er nichts dabei.”
“Die gibt’s doch schon ganz lange nicht mehr.”
“Sag ich doch: abgebrannt und verwahrlost. Ein Penner.”
“Ein deutscher Penner. Mit leeren Taschen.”
“Kombiniere: Also kein Raubmord.”
“Unser einziger Hinweis ist das, was er da hingeschmiert hat.”
“‘ARA’ - was könnte das wohl bedeuten?”
“Vielleicht meinte er ‘ARAL’, die Tankstelle um die Ecke?”
“Was will ein Penner dann an der Tankstelle?”
“Sein Feuerzeug auffüllen lassen?”
“Er hatte doch gar keins.”
“Dann war es ein Schnüffler, der sich ein bisschen Benzin erbetteln wollte?”
“Aha. Also ein Drogensüchtiger!”
“Ein drogensüchtiger deutscher Penner.”
“Schau, das zweite ‘R’ sieht aus wie ein ‘I’ mit einem verrutschten ‘E’.”
“Na so was!”
“Vielleicht wollte er ‘ARIER’ schreiben?”
“ARIER! Mensch, das ist die Lösung.”
“Also ein Nazi?”
“Korrekt. Ein krass verwahrloster deutscher drogensüchtiger Penner-Nazi.”
Auf der anderen Straßenseite stehen ein paar Jugendliche und schauen den Kriminalern bei der Arbeit zu. Einige von ihnen keuchen, als wären sie vor kurzem viel gerannt.
“He, Jungs! Kommt mal rüber!”
Verlegen grinsend schiebt sich Bande näher.
“Wart ihr das?”
Sami: “Aber Effendi! Ich schwöre bei Koran, wir haben nix gemacht.”
Alle lachen.
“Habt ihr was gesehen?”
Abdullah: “Es war ein Deutscher. Er stach zu, dann ist er hingefallen und wir sind fortgerannt.”
“Würdet ihr ihn wiedererkennen?”
“Aber Effendi! Wir hatten solche Angst, haben gar nicht richtig hingeschaut. Sind einfach nur gerannt. Und diese Deutschen sehen doch alle gleich aus.”
“Stimmt auch wieder.”
“Wir wissen nur: er hatte glatte schwarze Haare und Sommersprossen.”
Sami spielt mit einer Brieftasche. Wirft sie hoch und fängt sie wieder auf.
“Was hast du das? Gib her!”
Krüminoglu öffnet die Brieftasche. “Ein schöner Batzen Kohle. Wo hast du das her?”
“Gefunden, Effendi.”
Krüminoglu nimmt ein paar Scheine aus der Brieftasche und steckt sie in die Tasche. Sami will protestieren, doch die anderen halten ihn zurück.
Krüminoglu: “So wird die Polizei bezahlt.” Er gibt ihm die Brieftasche zurück.
Plötzlich bewegt sich der Mann wieder.
Abdullah: “He, Effendi, er lebt ja noch!”
“Inschallah! Er lebt noch? Da müssen wir ja einen Krankenwagen rufen.”
“Ihr wisst, was ihr zu tun habt?”
Krüminoglu und Müsliman wenden sich ab und nesteln an einem Handy herum.
“Weißt du die Nummer für den deutschen Krankenwagen?”
“Nö. Ruf doch mal die Polizei an.”
“Du Depp, wir sind hier die Polizei!”
“Ei, Scheiss. Glatt vergessen.”
In der Zwischenzeit beugt sich Abdullah über den Deutschen und sticht ihm dreimal ins Herz.
“Effendi, nun rührt er sich nicht mehr.”
Krüminoglu und Müsliman drehen sich wieder um.
“Saubere Arbeit, Jungs. Dann können wir uns den Anruf ja sparen.”
Pressekonferenz:
Krüminoglu: “Vor einer Stunde wurde eine unbekannte männliche Leiche vor dem Seder-Süper-Marketi gefunden. Der unbekannte Täter ist flüchtig.”
Müsliman: “Nach Zeugenaussagen handelt es sich um einen Deutschen mit glatten schwarzen Haaren und Sommersprossen.”
Krüminoglu: “Das Opfer ist ein mittelloser deutschstämmiger Mann aus der Drogenszene, ein Penner, außerdem ein Nazi.”
Journalist 1: “Wo werden Sie zuerst nach dem Täter fahnden?”
Müsliman: “Fahnden? Ja, guter Mann, haben Sie denn nicht gehört, dass der Täter unbekannt ist? Welchen Sinn soll das haben, nach einem Unbekannten zu fahnden?”
Journalist 2: “Woher wissen Sie, dass der Mörder ein Deutscher ist?”
“Es gibt Augenzeugen.”
Journalist 1: “Wurden die Personalien der Augenzeugen aufgenommen?”
“Wozu? Sie würden den Täter eh nicht wiedererkennen.”
Journalist 3: “Sind die Augenzeugen möglicherweise in den Fall verwickelt?”
“Pass auf, was du sagst, du stinkende deutsche Kartoffel.”
Krüminoglu geht drohend auf den Journalisten zu. “Sind das nicht Sommersprossen, was du da im Gesicht hast?” Der Journalist weicht zurück, schaut ängstlich zu Boden.
Müsliman: “So, Leute! Der Fall ist abgeschlossen! Die Pressekonferenz ist beendet.”
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