Eine unerhörte Begebenheit in einem deutschen Amte
Es ist 19 Uhr abends und das Klopapier ist alle. Die Liegenschaftsbeauftragte Frau Dr. Mayer-Schwürbler ist empört. Sie schreibt eine E-Mail an den Inneren Dienst:
Liebe Frau Rüttler, lieber Herr Schaboltzky,
ich hatte es bereits in der PG-Runde angesprochen, heute muss ich nun doch noch mal bitten dringend Abhilfe zu schaffen:
Toilette 3.234
seit ca. 11:00 kein Handtuch (Toilettenpapier wird als Handtuch benutzt),
19:00 kein ToilettenpapierDas geht so nicht, bitte Ordnung auch in diesem Bereich muss sein.
Schönen Abend
U. Mayer-Schwürbler
Der Innere Dienst jedoch fühlt sich nicht zuständig und leitet die E-Mail weiter an den Abteilungsleiter Beschaffung, Herrn Moggelkurt, der die Oberaufsicht über die Putzfrauen hat. Doch der hat auch kein Klopapier mehr und kann überhaupt die ganze Aufregung nicht so recht verstehen. Deshalb antwortet er am anderen Tag:
Guten Morgen, Frau Dr. Mayer-Schwürbler,die Arbeitskräfte der Reinigungsfirma gehen jeden Morgen durch die Toilettenräume, allerdings vor 11.00 Uhr. Dabei wird u.a. durch Sichtkontrolle nachgesehen, ob das Handtuch noch im Handtuchspender sichtbar ist. Sofern das nicht der Fall ist, wird eine neue Handtuchrolle eingelegt.
In jedem Toilettenraum sind mehrere Toilettenpapierrollen als Reserve hinterlegt. Dieser Vorrat wird auch täglich ergänzt. (Wenn der im Laufe eines Tages dann verschwindet, haben sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit Kolleginnen aus dem näheren Umfeld dieses Toilettenraumes bedient)
Die tägliche Nutzbarkeit der Toiletten ist damit generell gewährleistet.
Vielleicht sollten Sie an geeigneter Stelle einen Antrag stellen, dass die Handtuchspender gegen Behälter für Papierhandtücher ausgetauscht werden, diese sind leichter handhabbar.
M.f.G.
Moggelkurt
So geht das ABER NICHT! Frau Dr. Mayer-Schwürbler, deren Empörung kein bisschen nachgelassen hat, schickt eine E-Mail zur Information an ALLE:
So sieht das Ergebnis einer Bitte bei Herrn Moggelkurt aus.
Mit freundlichen Grüßen
Ulla Mayer-Schwürbler
Namen der Personen geändert
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Das abzulegen unter “Die Anstalt” geht durch, aber unter “Humor”?
Solches ist absolutester Durchschnitt in Behörden und Institutionen des öffentlichen Dienstes, in meiner Institution nannten wir das “nizu” - nicht zuständig.
Den oben geschilderten Fall nennt man amtsdeutsch einen “Vorgang”. Für ihn wird eine Akte angelegt, mit Aktenzeichen.
Und was die Papierhandtücher anging, so wollte einer unserer Geschäftsführer (wir hatten zwei, einen von der CDU und einen von der SPD benannten), um zu sparen dünnere Papierhandtücher beschaffen lassen. Nicht in den Sinn war ihm dabei gekommen, daß die Kollegen/Kolleginnen sich dann nicht eines Handtuchs, sondern zweier bedienen würden, wobei zwei dünne Handtücher teurer wären als ein dickeres.
Gudrun, ich kann da heute lachen drüber. Wie auch über die Geschichte mit der verschwundenen Akte. Bei einer Behörde, für die ich einmal gearbeitet habe, war eines Tages eine (ziemlich unwichtige) Akte verschwunden. Die betroffene Abteilung schickte einen Suchvermerk an alle Abteilungen des Hauses, mit der Bitte um Rückantwort, ob sich die Akte vielleicht dorthin verirrt hatte. Die Sachbearbeiterin machte Kopien von den Suchvermerken und legte dafür eine neue Akte an. Weil es ein großes Haus war mit vielen Abteilungen und weil die Kollegen (wie ich hoffe) sehr sorgfältig nach der verschwundenen Akte gefahndet hatten, dauerte es ein halbes Jahr, bis alle Antworten auf den Suchvermerk eingetroffen waren. Mit negativem Bescheid übrigens. Für diese Rückläufe wurde eine neue Akte angelegt. Die verschollene fand sich viel später wieder ein, als der zuständige Sachbearbeiter sein Büro aufräumte; sie lag ganz unten in einem Stapel unbearbeiteter Papiere.
Einer der ersten Fachausdrücke, die ich in dieser Anstalt lernte, war z.d.A. - zu den Akten. Ich kannte diesen Begriff nicht, und weil der Kollege, der mir das erklärte, etwas nuschelte, verstand ich: Zu den Nackten.
z.d.A. und dann gibt’s noch PPK, das heißt “in den Papierkorb”. Weiterhin ist es wichtig, wer mit welcher Füller- oder Kugelschreiberfarbe schreibt und zeichnet. Da haste Pech, wenn Du gern mit der Farbe X schreibst, das aber gerade die Farbe der Geschäftsführung oder des Verwaltungsleiters ist. Dann darfst Du nirgends mehr so schreiben, auch nicht auf Deinen kleinen Schmierzettelchen in Deinem eigenen Büro - man könnte es für eine Kostbarkeit der Geschäftsführung halten.
Als ich in meinem Laden anfing, hatte ich den Auftrag, einen Aktenplan anzulegen, der für die ganze Abteilung gültig sein sollte. Bis dahin führte jedes Referat, bestehend aus Referent, Sachbearbeiterin, Schreibkraft, seine Akten nach eigenem Gutdünken.
Ich hatte also Zahlenkolonnen anzulegen, 1., 2., 3. usw.; 1.1., 1.2., 1.3. usw., 1.1.1., 1.1.2., 1.1.3. usw.
Ich habe schon lange nicht mehr solch einen Schwachsinn gesehen. In welche Akte muß das? Also, in 1.1.2.2.3.1. usw.
Was in der Akte zu sein hatte, stand in dem Aktenplan, der neben dem Regal hing. Nur waren niemals, NIE, die Vorgänge drin, die da hinein gehörten, ganz einfach, weil die meisten nicht erkennen konnten, wohin das Blatt gehörte, das sie ablegen wollten. Nach etwa einem Jahr wurde wieder so gearbeitet wie bisher.
Einmal haben wir alle den Aktenkeller aufgeräumt, weil wirklich kein Platz war. Da keiner Lust dazu hatte, spendierte der Abteilungsleiter ‘ne Bowle, aber hallo!
Wir mußten mit kleinen Klebepunkten die Akten zeichnen, also “rot” = kann weg, “grün” = muß bleiben usw. manche vorgänge mußte man zehn Jahre aufheben, anderes war Müll. nach’ner Weile beklebten wir die Akten nach ästhetischen Gesichtspunkten: hier fehlt noch ein bißchen “rot”, da kann noch “grün” hin. Es ist wirklich wahr!
Einige machten sich Sorgen: wenn das mal rauskommt! Niemals, NIE, hat einer eine Akte vermißt, die eigentlich hätte aufgehoben werden müssen.
Ich könnte stundenlang erzählen, wie überflüssig dieser Art Institutionen sind. Man sollte sie ersatzlos abschaffen.
Du hast mich zum Lachen gebracht. Danke.