Die Besessenen
In meinem Wohnzimmer steht der Fernseher auf einem Raumteiler, dahinter mein Computer. Das hat den Vorteil, dass ich das Elend nur höre, das reicht meistens. Heute ist Kabbbarrrrrettttt. Das schreibt sich zwar nicht so, anders kann man das aber nicht schreiben und so ist es auch. Auf der Bühne steht irgendeine jodelnde Biotonne, meine Aufmerksamkeit liegt bei 1,8%, die Rede kommt auf Tibet, weder witzig noch irgendwie interessant und dann kommt es, die Biotonne zieht eine Analogie von der Besetzung Tibets zu - richtig - Palästina. Das schmerzt richtig, ich gehe nachsehen und die Biotonne ist - war ja zu erwarten - Volker Pispers. Meine erste, authentische Reaktion ist “Schlag dem Neandertaler die Nase ein”.
Völlig sinnlos, das Problem heisst nicht Pispers, das Problem sind die Leute im Zuschauerraum, die johlen und den Gag gut finden. Den “Gag”, die Existenz des einzigen jüdischen Staates mit der Besetzung Tibets durch das kommunistische China gleichzusetzen, den “Gag”, die arabische Sprachregelung zu übernehmen und nicht einmal in Anführungszeichen zu setzen. Den “Gag”, ein nicht existierendes Land - Palästina - in die Waagschale zu werfen und dadurch die Existenz Israels zu delegitimieren. Sie sitzen unten und lachen, im Gefühl etwas ganz Tolles vollbracht zu haben. Die altgewordenen Achtundsechziger, die als Linke keine Antisemiten sein können und die die politische Korrektheit mit Löffeln gefressen haben, die sich als Antiimperialisten verstehen und die so gerne für unterdrückte Völker eintreten, solange es sich um Araber handelt. Und die als aufrechte Antizionisten das Gleiche von den Juden halten, wie ihre gehassten und verachteten Gegner, die Nazis. Rote und Braune, Deutschland, einig Vaterland. Auch wenn es nur um die Haltung zu Israel geht. Sie sind besessen. Besessen von einem Konflikt, der in seiner Brisanz im Gegensatz zu anderen Konflikten nicht mehr als ein Knallfrosch ist, besessen von den vorgeblichen Rechten eines Volkes, das erst 1964 einen Namen bekam und besessen vor allem von der Schuld der Juden. Der Schuld , zu existieren, der Schuld, das gleiche Recht wie alle anderen Völker zu beanspruchen und der Schuld, seinen Kritikern einen Spiegel vorzuhalten, dabei ein elendes Bild zu zeigen und nicht einmal zu beschlagen. Das Bild, das die Linken, die aufrechten Freunde der Palis, dabei sehen, ist in der Tat unerfreulich. Es zeigt ein jämmerliches Bild, Leute, die nicht gelernt haben, mit ihrer Vergangenheit, ihrer Gegenwart und ihrer Zukunft zurechtzukommen. Leute, die nichts gelernt haben und deren einzige Chance darin besteht, irgendwann in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Es zieht sich eine direkte Linie durch das Verhältnis dieser Deutschen zu den Juden. Von der Selektion an der Rampe in Auschwitz zu der Selektion am Flughafen von Entebbe, vom Traum der Endlösung zum Traum eines “Freien Palästina”. Sie sind besessen, sie sitzen im Zuschauerraum und lachen über die müden Witze einer jodelnden Biotonne, sie gehen für “Palästina” auf die Strasse und boykottieren israelische Orangen. Und sie sind stolz darauf, aus der Geschichte gelernt zu haben. Eben, Besessene!
Dieser Beitrag wurde von tankdriver am Montag, 05. Mai 2008 um 22:29 Uhr veröffentlicht und unter Aus dem Irrenhaus, Antisemitismus, Germanyland, Israel abgelegt. | Sie können ihn per E-Mail versenden und ausdrucken. | Schreiben Sie einen Kommentar oder richten Sie einen Trackback auf Ihrer Website ein.







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Lange nichts mehr von dir gelesen. Willkommen zurück.
… Na gut, so lange ist es doch gar nicht her. Kam mir nur irgendwie so vor.
Mir wie aus der Seele gesprochen- wobei ich vermutlich weniger eloquente, aber noch deutlichere Worte benutzt hätte.
Danke!
Ich stimme Dir zu, allerdings muß man wohl Menschen das Recht zubilligen, neue Völker zu bilden - oder negierst Du das schweizer, das niederländische und das österreichische Volk und sagst (theoretisch ja völlig richtig) es sind alles Deutsche?
Von daher ja: Die Palis sind ein erfundenes Volk, aber da dieses Volk diese Identität übernommen hat und vertritt, muß man dies wohl auch irgendwann akzeptieren, oder nicht?
Israel ist eine Sache des Herzens, denn aus arabischer Sicht hat dieser Staat natürlich gar keine Berechtigung, denn er wurde gegründet gegen den Willen aller Völker in diesem Gebiet unter einer rassistischen unterdrückerischen Kolonialmacht.
@Mir. Hi, im moment ist es der daseinskampf,
der mich nicht zum vielschreiber werden
lässt
@Huwi. Du hast wahrscheinlich recht, da
Israel in diesen tagen geburtstag feiert
und ich vorhabe, dazu noch einiges zu schreiben,
werde ich darauf sicher noch zurückkommen!
@ tankdriver/all
Ich finde dieses “politische” Kabarett auch widerlich.
Aber neulich ist was Lustiges passiert. Da hat das Publikum trocken geschluckt, denn da kam ein junger Mann auf die Bühne und hat “Wer hat uns verraten - Sozialdemokraten” gesungen.
Verteinerte Mienen im Zuschauerraum. Was hab ich gelacht!!! Das war Realsatire vom Feinsten!
http://de.youtube.com/watch?v=Ph-vHNUBUdc