Gegossenes Blei

Den täglichen Rückblick auf Interessantes und Abstruses aus der internationalen Medienwelt und Blogosphäre in Bezug auf die aktuelle israelische Antiterror-Operation "Gegossenes Blei" gibt's bei Helplev. Lesen!
12. Juni 2008

Zitat der Woche (28)

Wenn jede Kultur das absolute Recht hätte, zu bestimmen, was ein Verbrechen ist und was nicht, ohne Rücksicht auf universale Werte, dann wäre Auschwitz kein Verbrechen mehr. Denn die NS-Kultur hätte demnach das uneinschränkbare Recht gehabt, selber zu bestimmen, wer ihr Feind war und wie sie mit diesem Feind verfahren wollte. Nach dem absoluten Eigenrecht einer Kultur kann es Völkermorde gar nicht geben, sondern nur legitime Vernichtung von Feinden. Nur durch das Beharren auf der universalen Geltung der Menschenrechte sind solche Verbrechen überhaupt als Verbrechen benennbar. Daher die Hilflosigkeit der Linken und das jämmerliche Gestammel angesichts der Genozide, vor allem in Afrika. Keiner dieser Genozide ist vom Kolonialismus verursacht. Dort werden alte Rechnungen beglichen und neue aufgemacht –- in der Sahelzone zwischen den Versklavern und den ewigen Versklavten, anderswo zwischen Nomaden und Ackerbauern, anderswo zwischen den Herrschaftsgewohnten und den Unterworfenen, so etwa in Darfur. Zwar soll es ein Verbrechen sein; aber die Mörder sollen nicht verbrecherisch gehandelt haben. Daher die dümmlichen Versuche, überall nach der Schuld des Westens zu suchen. Ein Sündenbock-Denken der primitivsten Art.

(Prof. Egon Flaig — dem ich nicht in allem zustimmen kann — in einem Interview mit Endstation Rechts)

Via Newsletter der Theo van Gogh Gesellschaft Deutschland

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Bisher gibt es 3 Kommentare zu “Zitat der Woche (28)”

  1. 1 Jürgen (Donnerstag, 12. Juni 2008; 21:15): 

    Ein paar Links dazu:

    1. Yaab schießt die Gegenstimme aus “liberalem” Gutmenschengetümmel

    2. Südafrika: Das Ende der Schonfrist

    3. Boykottiert Durban 2!

  2. 2 tape (Freitag, 13. Juni 2008; 14:41): 

    Noch ein link:

    http://www.lima-wiederladetechnik.de/Afrika/Zimbabwe/Horror-in-Zimbabwe.htm

    Zitate:

    Solange er noch bewaffnet war, geschah ihm nichts - erst als er nachgab!

    Hoffen und Harren, hält manchen zum Narren.

    und

    Bleibt weg

    Diese und ähnliche Geschichten finden seit der 2. Enteignungswelle immer wieder statt. 150.000 % Inflation in einem an sich schon armen Land führen zu solchen Verhältnissen. Wir kennen dies aus unserer eigenen Geschichte! Aber irgend jemand muß Mugabe gewählt haben (auch hier haben wir Deutschen Parallelen) und zu viele Menschen haben ihm wieder ihre Stimme gegeben. Vermutlich wird er durch Repression die Stichwahl für sich entscheiden. Der „Westen“ verhält sich diplomatisch und schaut zu! So werden die Verhältnisse weiter eskalieren. Die Menschen haben nichts mehr zu verlieren!

  3. 3 tape (Freitag, 13. Juni 2008; 17:29): 

    Ein Äthiopier in SA:

    http://afrika.kaywa.ch/p10.html

    Ich komme aus der Stadt Dera Dawa in Ostäthiopien. Ich bin ein Oromo. Zahlenmässig sind wir das grösste Volk Äthiopiens, doch wir werden von der Regierung unterdrückt und kämpfen deshalb für einen unabhängigen Oromo-Staat. Mein Vater wurde bereits 1994 ins Gefängnis geworfen- wir wissen nicht einmal, ob er überhaupt noch am Leben ist. Mein Bruder ist Mitglied der Oromo-Befreiungsfront, auch er wird immer wieder verhaftet. Es ist besser für ihn, dass wir nicht in Kontakt bleiben, auch wenn es uns das Herz zerreisst: doch wir setzen ihn jedes Mal einem zu grossen Risiko aus, wenn wir ihm eine Nachricht übermitteln lassen. Als ich 17 war, sind wir nach Kenya geflüchtet, ich, der Bruder und die Mutter. Ich konnte dort die High School absolvieren, ich war gut und hätte gerne weiter studiert: mein Traum war es, Buchhalter zu werden. Aber wie das nötige Geld auftreiben? Wir waren in Kenya nicht willkommen. Ich hatte mir das Leben dort einfacher vorgestellt. Unser Gesicht verrät uns: wir sind Fremde, die Leute sind unfreundlich, niemand will uns Arbeit geben, die Polizei schikaniert uns. Da nützt es auch nichts, wenn du Uno-Papiere hast, die dich als Flüchtling ausweisen. «Das ist kein richtiger Ausweis», sagen die Polizisten. Wenn du Glück hast, werfen sie deine Papiere nur in den Strassengraben. Wenn du Pech hast, zerreissen sie deinen Ausweis in kleine Stücke. Mutter und Bruder haben nach ein paar Jahren beschlossen, in die Heimat zurückzukehren. Ich blieb nur so lange dort, bis auch ich zum ersten Mal verhaftet wurde. Man hat mich geschlagen und mir angedroht, die nächste Haftstrafe würde ich nicht überleben. Da hab ich Äthiopien den Rücken zugekehrt.

    Seit Juli 2005 bin ich in Südafrika. Zuerst war ich im Raum Johannesburg, in der Township Secunda. Ein Landsmann liess mich in seinem Laden arbeiten. Er war dann so zufrieden mit mir, dass er mir anbot, in einer Township in Port Elizabeth eine Filiale für ihn zu führen. Nach einem Jahr hatte ich genug Geld zur Seite gelegt, um meinen eigenen Laden zu eröffnen. Den haben sie mir dann verbrannt, die Lokalbevölkerung hasst uns Äthiopier und Somalier, weil wir geschäftstüchtig sind. Ich habe alles verloren und bin in die Westkap-Provinz geflohen, nach Paarl, das war 2007. Ich hatte gehört, dass der Fremdenhass im Raum Kapstadt nicht so gross sei, wie anderswo in Südafrika. Wieder haben mir Landsleute geholfen, wieder habe ich zuerst einen Laden geführt, Geld zur Seite gelegt und dann ein eigenes Geschäft eröffnet, diesmal zusammen mit einem Freund. Das war vor ein paar Monaten: wir waren erst am Anfang, wir investierten den ganzen Profit, um das Angebot vergrössern zu können, wir sagten uns, dass wir später sparen könnten. Jetzt ist alles futsch. Sie kamen in der Nacht, sie hatten Steine und Messer, sie schrieen: «Makwerekwere raus!». Ich versuchte, zu retten, was ich konnte. Aber am Ende gelang es mir nur, mein Leben zu retten, weil ein Nachbar im Auto vorbei fuhr und mich einsteigen liess. Als ich ein paar Stunden später mit der Polizei zurück kam, war nichts mehr übrig von unserem Laden. Nichts.

    Was soll ich sagen? Vielleicht ist es meine Chance, vielleicht wird mein Leben nun eine ganz neue Wendung nehmen. Jetzt bin ich hier in Soetwater. Ich friere, ich schaue aufs Meer. Ich frage mich, was nun werden soll. Hier bekomme ich zu essen, ich schlafe in einem Zelt, soll das nun mein Leben sein? Das Lager verlassen kann ich nicht, es ist zu gefährlich, sobald wir draussen sind, werden wir von den Einheimischen angepöbelt. Die haben kein Mitleid, die wollen, dass wir verschwinden. Am liebsten sähen sie uns alle tot.

    Ich möchte mein Leben leben können wie ein Mann. Dazu braucht man eine Familie, Kinder, Zukunftspläne. Aber ich stehe hier in Südafrika, nach drei Jahren, wieder ganz am Anfang. Meine ganze Arbeit, mein Einsatz - alles umsonst. Südafrika ist für mich erledigt. Sollen die mit ihren Problemen selber fertig werden, ich will nur noch fort. Nach Äthiopien zurück kann ich nicht, dort ist mein Leben in Gefahr. In ganz Afrika gibt es keine Sicherheit für normale Menschen, die einfach anständig leben und arbeiten wollen. Die südafrikanische Regierung sollte nun wenigstens dafür sorgen, dass die Uno uns dabei hilft, in einem friedlichen Land Aufnahme zu finden. Aber die Politiker, die hierher kommen, machen sich nur wichtig, halten Versammlungen ab, sprechen mit der Presse. Was wir möchten, was wir nötig hätten, hat uns noch keiner von denen gefragt.

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