Der Teufel wartet gleich links
So, prüfungstechnsich was weggeschafft, jetzt kann ich wieder ordentliche Artikel schreiben
Bisher habe ich mich ja bezüglich des amerikanischen Wahlkampfes auf diesem Blog weitgehend rausgehalten, da ich eher zu Obama tendiere. Nun werde ich mal versuchen, meine Ansichten dazu zu erläutern:
Ich gebe zu, dass mir die gesamte Medienaufbereitung arg auf den Zeiger geht. Mit großem Bedenken, fast schon Angst, habe ich mir die Rede Obamas in Berlin angeschaut und musste beobachten, wie sich die Journalisten mit Lob übertrafen, wild korpulierten - kurzum: sie haben sämtliche Objektivität über den Haufen geworfen. Allerdings waren sie das kleinere Problem. Viel besorgter habe ich mir die ca. 200 000 Menschen angeschaut, die wie sich Lemminge dort versammelten und das Ganze eher für ein Volksfest hielten. Diesen Eindruck bestätigten die Meinungen der Zuschauer danach. Sie hatten nichts verstanden. Daraufhin bin ich den Bücherladen meines Vertrauens spaziert und habe mir “Hoffnung wagen” von Obama gekauft, ein Buch, das er schon 2006 geschrieben hatte. Verblüffenderweise musste ich zugeben, dass mir seine Ansichten gefielen. “Verblüffenderweise” deshalb, weil er - nach unserem Schema- eher links steht und - ganz ehrlich - mir würde es im Traum nicht einfallen Rot zu wählen. Die Farbe gibts für mich nur auf einer Corvette. Auch das Bild des Messias, das ja ebenfalls bis zum Erbrechen in den Medien hochgepuscht wurde, sah ich in seinem Buch nirgendwo bestätigt. Aber mindestens genauso nervig wie die völlige Kritikfreiheit der Medien gegenüber Obama, finde ich die panischen Aufschreie gegen Links. Ein bisschen mehr Zurückhaltung täte beiden Seiten ganz gut, zumal sich in seinem Buch an keiner Stelle dieser beliebte Hass auf alle Gutverdiener finden lässt, der die deutsche Linke antreibt. Da sich darüber aber unheimlich - auch hitzig - diskutieren lässt, hier nur soviel: Obama ging es in seinem Buch auch darum, wie man den “American Dream” für jeden erreichbar machen kann. Dabei stellte er folgende simple These auf: Aufbau eines allgemeinen Sozialsystems > Erhöhung der Risikobereitschaft, den Schritt in Richtung American Dream zu wagen, was mir persönlich durchaus sinnvoll erscheint.
Allerdings sind das alles Dinge, die einen Nicht-Amerikaner wenig interessieren. Aber mal ehrlich: sollte das Duo McCain/Palin auf die Idee kommen, Russland gegenüber einen Konfrontationskurs zu fahren und die Sache eskaliert: glaubt Ihr ernsthaft daran, dass der Konflikt zwischen Russland und Amerika bleibt? Quatsch!!! Natürlich werden dann Allianzen geschmiedet, wer unterstützt wen? Das Ganze kann sich in Nullkommanichts zu einem Weltkrieg entwickeln. Auf dem heutigen Stand der Technik heißt das: wir sind alle so gut wie tot. Auch wenn es “nur” einen neuen kalten Krieg gäbe, Wohlfühlen ist was anderes. Dann vertrau ich doch lieber auf die diplomatische Mentalität Obamas, die lässt mich deutlich ruhiger schlafen. Andererseits ist es ziemlich egal, wer gewählt wird. Sollte Obama bzw McCain es nicht innerhalb kürzester Zeit schaffen, die drängensten Fragen zu lösen, sind SIE die Buhmänner, denn der Wähler hat kein Gedächtnis.
In diesem Sinne einen schönen Samstag
Euer Jack
Autor: Gegenstimme | Abgelegt unter Russland, Gesellschaft, Germanyland
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