- Gegenstimme - http://www.gegenstimme.net -

Die Krankheit des Nahen Ostens

Posted By Uebersetzer On 17. Oktober 2008 @ 03:16 In Mittlerer & Naher Osten, Israel | 1 Comment

Dass der Nahe Osten krank ist, macht ihn nicht weniger problematisch oder gefährlich für den Westen und die übrige Welt. Trotzdem ist es ganz gut einmal aufgezeigt zu bekommen, worin das große Problem liegt. Und völlig ungewöhnlich ist die Bemerkung, dass die Fehlschläge im Kampf und die Herzen und Seelen im Nahen Osten nicht die Schuld der Amerikaner ist:

Warum der Nahe Osten krank ist

Barry Rubin
[1] Jerusalem Post, 13. Oktober 2008

Wir haben jetzt die perfekte metaphorische Darstellung der politischen Lage im Nahen Osten: In Ägypten braucht ein kleiner Junge mit Mukoviszidose dringend ein bestimmtes Medikament. Unglücklicherweise für ihn wird dieses Medikament nur in Israel produziert und das ägyptische Gesundheitsministerium ist nicht bereit es importieren zu lassen.

Wer nicht begreift, wie typisch diese Geschichte für die Region ist, dem ist es nicht möglich den Nahen Osten zu begreifen.

Erinnern wir uns, dass Ägypten seit über dreißig Jahren Frieden mit Israel Frieden hat und dass seine Regierung trotzdem immer noch viel tut, um den jüdischen Staat zu boykottieren, ganz zu schweigen von dessen Dämonisierung. Durch die Verfolgung einer ständigen Hasst-Israel-Kampagne schürt sie eine Atmosphäre des Hasses und des Extremismus, mit der sie auch der Muslimbruderschaft Munition liefert, die anstrebt Ägypten in einen kriegsorientierten, totalitären, islamistischen Staat zu verwandeln.

Die ägyptischen Medien sind so stark kontrolliert, die Israelphobie so außerordentlich, dass die englischsprachige Kairoer Zeitung Al-Ahram schon als mutig angesehen wurde, weil sie die Anstrengungen der Familie des Jungen, das in Israel erfundene Medikament zu erhalten, überhaupt erwähnte.

Ein Ägypter schrieb kürzlich: „Die Aufnahme in ein staatliches Krankenhaus kostet einen wahrscheinlich das Leben.“ Das war kurz nach einem Skandal, bei dem entdeckt wurde, dass ein hochrangiger Parteipolitiker verdorbene Blutkonserven verkaufte.

Arabische Länder können genau deshalb keine Medikamente entwickeln und Fortschritte im High-tech-Bereich machen, weil sie zu sehr damit beschäftigt sind ihre Ressourcen für Kriege gegen die verschiedensten Fantasie-Feinde Allahs aufzubrauchen.

Vor einigen Jahren erzählte mir ein US-Beamter von Geldern, die ägyptischen Beamten für die Umsetzung eines Programms angeboten wurden, das die Verschmutzung des Roten Meeres angehen sollte. Aber zu dem Projekt gehörte die Zusammenarbeit mit Israel. Dem Beamten wurde gesagt, dass alles, was Israel hilft, inakzeptabel sei, egal, wie viel Gutes es für Ägypten bewirken würde.

In der Verfolgung ihrer Vendetta gegen Israel und den Westen begeht die arabische Welt Selbstmord – das ist nicht nur der individuelle Selbstmord-Terrorist, sondern der Selbstmord ganzer Gesellschaften. Sie bedeutet die tägliche Zurückweisung der Reformen, die diese Gesellschaften brauchen. Langfristig bedeutet das das Risiko, dass die radikalen Islamisten die Macht übernehmen.

Der Rest der Welt, der solches Reden unbegreiflich findet, denkt entweder, es sei bedeutungsloses Geschwätz oder ignoriert es gänzlich. Das Problem muss einfach ansprechbaren Missständen entstammen, Missverständnissen, die ausgeräumt werden können und emotionaler Übertreibung? Unglücklicherweise ist das alles Unsinn.

Wie sieht die wirksame Stimme in der Region aus? Es ist nicht das Konzept „Friedensprozess“, das in Gesprächen mit dem Westen verwendet wird, sondern das Konzept „Widerstand“, das sie im Gespräch untereinander benutzen.

Selbst in den Ländern mit wirklich moderaten Regierungen wagt es keine offizielle oder vom Staat kontrollierte Zeitung (und nur sehr wenige Intellektuelle) zu sagen: Israel ist kein Feind, Amerika ist ein Freund, der wahre Kampf geht darum die Lebensstandards zu heben und die Freiheit zu vertreten. Das ist Ende 2008 so wahr, wie es das 1998, 1988, 1978, 1968 und 1958 war.

Die Ägypter wurden vor kurzem bei einer Umfrage über ihre Gefühle gegenüber der Al-Qaida befragt; 60% antworteten „positiv“ oder „gemischt“. Die „Positiven“ glauben ohne Zweifel, dass Al-Qaida recht hat und der internationale Terrorismus der beste – vermutlich einzige – Weg ist, sich mit Israel und dem Westen auseinanderzusetzen, egal, welche Konsequenzen das hat. Die „Gemischten“ haben Vorbehalte zu den Methoden, glauben aber, dass die fundamentale Weltsicht der Al-Qaida zutrifft.

Bei seiner Analyse der Umfrage sagte Analytiker Doug Miller, solche Ergebnisse seien „ein weiterer Indikator, dass der US-‚Krieg gegen den Terror’ keine Herzen und Seelen gewinnt“. Doch der Fehler liegt nicht bei Amerika, sondern bei den Herrschern, Journalisten, Klerikern, Lehrern und Intellektuellen in der arabischsprachigen Welt. Die Ergebnisse der Umfrage sind ein weiterer Indikator, dass es der Krieg gegen die Demokratie und die Moderatheit ist, der die Herzen und Seelen gewinnt. Diejenigen, die den Status quo verteidigen, mobilisieren die Massen dafür; sie lenken sie gegen die Teufel aus dem Ausland, statt gegen innenpolitische Unzufriedenheiten. Diejenigen, die die Revolution wollen, hetzen die Massen in blutigen Aufruhr gegen den Status quo auf. Die ersten reiten den Tiger, die zweiten wollen den Tiger auf seine historischen Eigner ansetzen.

Wie können die USA einen Tiger zähmen, den andere trainieren und besitzen, die ihn täglich schlagen und füttern?

Welche Rolle spielt es, wenn wichtige arabische Persönlichkeiten auf diplomatischen Partys oder in Interviews mit westlichen Medien beschwichtigend sprechen, während Zuhause Millionen mit einer völlig anderen Botschaft überschwemmt werden? Selbst wenn die Truppe der Krawatten- und Anzugträger mit den polierten Manieren es ernst meinen: Sie wagen es nicht, ihrem Volk dasselbe zu sagen, was sie leichtgläubigen Ausländern ins Ohr flüstern.

Hier etwas mehr von dem typischeren Gerede – es kommt von Hamas-Parlamentsmitglied Fathi Hammad, ausgesprochen am 7. September im Al Aksa-Fernsehen: „Der anstehende Sieg ist nicht auf Palästina begrenzt. Ihr schafft den Geist für den Sieg aller Araber und Muslime und, so Allah will, selbst auf globaler Ebene. Warum? Weil Allah euch ausgesucht hat das Volk zu bekämpfen, das er am meisten hasst – die Juden.“ (MEMRI)

Heutzutage kann man diese Dinge sogar vor der UNO-Vollversammlung von sich geben, wie der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad es kürzlich machte, zu stürmischem Applaus. Dieses Klatschen übertönte die erschreckende interne Unterdrückung und die wirtschaftlichen Fehlschläge seines Regimes.

Es funktioniert. Auf diese Weise redet der syrische Präsident Baschar Assad zu seinen Untertanen. Und wenn auch der Präsident Ägyptens und der König von Jordanien persönlich solche Rasereien verabscheuen, so zahlen sie doch die Gehälter der Rasenden.

Steht der arabische Sieg an? Nun, nein. Aber diese Art von Gerede hat die Dummen jetzt sechzig Jahre lang auf Linie gehalten. Es ist einfach so nützlich für Herrscher und Revolutionäre.

Die jüngere Generation ist bereits gründlich indoktriniert worden. Doch ihr Sieg wird so groß sein wie der des kleinen Jungen, der (unfreiwillig) seine patriotische und religiöse „Pflicht“ tut, indem er auf das Medikament verzichtet, dase er braucht.

Übersetzung aus dem Englischen: H. Eiteneier / Parallelveröffentlichung mit [2] helplev


Article printed from Gegenstimme: http://www.gegenstimme.net

URL to article: http://www.gegenstimme.net/2008/10/17/die-krankheit-des-nahen-ostens/

URLs in this post:
[1] Jerusalem Post: http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1222017520759&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull
[2] helplev: http://heplev.wordpress.com/2008/10/16/warum-der-nahe-osten-krank-ist/