Auch sie hat ihr Saudi-Barbarien. Schön für sie ist, dass es geographisch näher liegt, so dass sie täglich mit dem Fahrrad dorthin kommt, um sich ein eindrückliches Bild von der verheerenden Situation der Frauen in diesem Land zu machen.
Auf abgeordnetenwatch.de möchte Ingrid H. von der BRD-Empörtenbeauftragen folgendes wissen:
Sehr geehrte Frau Roth,
was mir bei Ihnen auffällt ist, daß Sie immer sehr gestelzt die Endung “innen” verwenden. […]
Stolz reden Sie von “Demokraten und Demokratinnen”. Als Frau würde mir auch die allgemeine Beschreibung Demokraten reichen. Ich frage Sie, was wollen Sie damit bezwecken? Brauchen wir als Frauen diese Wortschöpfung überhaupt?
Großartig die Antwort, die übrigens im Gegensatz zu den meisten anderen gar nicht lange auf sich warten ließ:
Sehr geehrte Frau H.,
bewusst versuche ich, weibliche Formen in der Sprache mit einzubeziehen […] Es ist Teil des Bemühens, zu einer geschlechtergerechten Sprache zu kommen – ein Anliegen, das ich mit vielen Frauen und Männern teile. Denn Sprache ist nicht etwas Neutrales. Sie ist auch nicht einfach der Hort der Vernunft. In ihr spiegeln und verfestigen sich auch Vorurteile und diskriminierende Rollenbilder.
Wenn ich zum Beispiel in einer Versammlung die anwesenden Männer und Frauen nur mit “Liebe Freunde” ansprechen würde, wäre damit die männliche Anredeform als die allgemeine, auch für die Frauen gültige Anredeform gesetzt. Wenn man aber bedenkt, dass der öffentliche Bereich lange Zeit tatsächlich als “Männersache” behandelt wurde, während Frauen in den Bereich des Privaten, des Haushaltes und der Familie abgedrängt wurden, dann sieht man, wie sehr die rein männliche Anredeform traditionellen patriarchalischen Rollenbildern entspricht. Deshalb benutze ich sehr bewusst die weibliche Anredeform in vielen Reden, also: “liebe Freundinnen und Freunde” - und zeige damit, dass Frauen ausdrücklich Teil des öffentlichen Bereichs sind.
Ich habe einmal ein Rätsel gehört, das sehr deutlich macht, worum es hier geht: Vater und Sohn haben einen schweren Autounfall. Der Vater stirbt, der Sohn überlebt und muss operiert werden. Doch als er ins Krankenhaus kommt, reagiert der behandelnde Chirurg bestürzt: “Ich kann ihn nicht operieren, es ist mein Sohn.” - Wie geht das zusammen? Ist der tote Vater als Chirurg wieder auferstanden. Oder handelt es sich um eine verdeckte Vaterschaft? Nein, des Rätsels Lösung lautet: Der Chirurg ist eigentlich eine Chirurgin – eine Berufsbezeichnung, die bis vor wenigen Jahren noch kaum in Gebrauch war - es ist die Mutter des verletzten Jungen, er ist ihr Sohn.
[…] Von wirklicher Geschlechtergerechtigkeit sind wir allerdings noch weit entfernt – nicht nur in der Sprache, sondern in der ganzen Berufs- und Lebenswelt. In Deutschland verdienen Frauen durchschnittlich 25 % weniger als Männer. Deutschland liegt damit ganz hinten im EU-Vergleich. Und in den Vorständen der großen Unternehmen gibt es immer noch so gut wie keine Frauen. Die Wirtschaft tut hier viel zu wenig. Der Kampf für eine geschlechtergerechte Gesellschaft ist also lange nicht zu Ende – genauso wenig wie der Einsatz für eine geschlechtergerechte Sprache.
Mit freundlichen Grüßen
Claudia Roth
Nur zwei kurze Anmerkungen dazu:
1. Sprache sei nicht einfach der Hort der Vernunft, meint Frau Roth. Recht hat sie. Gerade die feministische oder “geschlechtergerechte Sprache” ist ein klassisches Beispiel für eine vernunftbefreite Sprache. In ihr spiegeln und verfestigen sich nämlich extremistisch-ideologische Ansichten, Vorurteile und diskriminierende Rollenbilder. So warten wir beispielsweise nachwievor vergeblich auf politisch-korrekte, “geschlechtergerechte” Bezeichnungen wie “Möder und Mörderin”, “Verbrecher und Verbrecherin”, “Täter und Täterin” (z.B. im Strafgesetzbuch) etc.
Aber — Fehlanzeige. Negativ belegte Bezeichnungen bleiben bei der feminstischen Ideologie in aller Regel der Männlichkeit vorbehalten, wohingegen sich die heere Weiblichkeit nahezu ausschließlich neutrale und positiv belegte Begriffe einverleibt.
Weshalb sich unterdrückt, benachteiligt und ungleich behandelt fühlende Feministinnen übrigens so schwer tun mit einer “Verbrecherin”, ist an dieser Stelle exemplarisch nachzulesen.
Dass feministische Sprache geradezu das Gegenteil eines Hortes der Vernunft ist, wird hier sehr schön verdeutlicht. Dass wir es dabei auch mit einem Kunstprodukt extremistischer Feminazis zu tun haben, wird ebenfalls deutlich. Ein Beispiel:
Die vermeintliche Notwendigkeit einer “Feminisierung” der deutschen Sprache wird mit scheinwissenschaftlicher Rhetorik behauptet. So beispielsweise plädiert Luise F. Pusch für den Ersatz der “Maskulina” durch “Feminina”, indem sie ein herbeiphantasiertes “Strukturgesetz” bemüht, wonach “das schöne lange Femininum” eine “Grundform” sei, “das kurze, quasi abgehackte Maskulinum” dagegen eine “Schwundform” darstelle.(3)
Auch biologistische Begründungen müssen für diese These herhalten. Der Mann, so Luise Pusch, sei als das sekundäre Geschlecht, als eine Abweichung des weiblichen Bauplans zu betrachten und verdiene daher eine sprachliche Benachteiligung.(4) Die wahren Beweggründe für die geplante “Feminisierung” der Sprache indes, spiegelt das sogenannte “Gerechtigkeits-Argument” wider. Die Sprache, so die Autorin, solle dazu beitragen, eine Art von “kompensatorischer Gerechtigkeit” zu befördern:
Es besteht kein Zweifel daran, daß die Frau sprachlich (natürlich auch in jeder anderen Hinsicht) extrem benachteiligt ist. Was ihr zusteht und was sie braucht, ist nicht Gleich- sondern Besserbehandlung, kompensatorische Gerechtigkeit, (…). Es wird ihm (erg.: “dem Mann”) guttun, es im eigenen Gemüt zu erleben, wie es sich anfühlt, mitgemeint zu sein, sprachlich dem anderen Geschlecht zugezählt zu werden, diesen ständigen Identitätsverlust hinzunehmen.(5)
Dieses Zitat drückt es klar und deutlich aus: die von Pusch anvisierte “Feminisierung” der Sprache beruht allein auf der Absicht, Rache am männlichen Geschlecht zu üben. Aber: sollen wir deshalb fortan das Schreiben und Sprechen als Racheakte betreiben?
(Die Quellenhinweise sind im Original nachzulesen)
2. Zum sog. “Rätsel” der C. R., das man eher ins Reich der Märchen verordnen kann: In keiner Berichterstattung zu keiner Zeit wäre eine solch unsinnige Meldung gedruckt oder sonstwie berichtet worden. Dieses an den Haaren herbeigezogene “Beispiel” dient allein dazu, den ebenfalls an den Haaren herbeigezogenen feministischen Sprachgebrauch zu stützen (was aber nicht funktioniert).
Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Der gesunde Menschenverstand weiß Aussagen wie die der Frau Roth sowieso richtig einzuordnen.