Er hat in seiner Amtszeit viel erreicht und - wie jeder Mensch und jeder Präsident vor ihm (als Beispiel reicht schon sein Vorgänger) - natürlich auch Fehlentscheidungen getroffen. Insgesamt halte ich Präsident Bush für einen der besten Präsidenten der letzten Jahrzehnte, und außerdem für einen sehr sympathischen Mann.
Sein Auftreten nach den Massenmorden am 11. September 2001 trug viel dazu bei, daß die geschockte Nation sich so vergleichsweise schnell erholen konnte. Und danach reagierte er entgegen der Behauptungen seiner Kritiker weder über, noch gab er den Forderungen nach Appeasement gegenüber Terroristen und Verbrechern nach. Stattdessen versuchte er, ein längerfristiges Konzept zu entwickeln, um den Ursachen zu begegnen.
In Erinnerung bleiben wird natürlich vor allem seine “Dummheit”, zig Millionen Menschen in Afghanistan von fanatischen Islamisten und noch einmal so viele im Irak von einem erbarmungslosen Massenmörder befreit zu haben - wobei die Hauptarbeit natürlich von den amerikanischen Soldaten an der Front geleistet wurde. Wenigstens hat Bush im Gegensatz zu anderen nie vergessen, dies so oft auszusprechen, wie es sich auch gehört.
Wie man in einigen Jahren über die Einsätze urteilen wird, liegt leider nicht mehr in seiner Hand. Wie sich die Lage weiter entwickelt, wird in erster Linie von Entscheidungen seines Nachfolgers abhängen. Sein Engagement für Freiheit und Demokratie in der Welt stieß in der Vergangenheit jedenfalls nicht nur bei unverbesserlichen Antiamerikanern, sondern insgesamt in der westlichen Welt bei vielen Menschen auf Unverständnis und Mißtrauen. Warum? In erster Linie doch wohl deshalb, weil man sich hier an diese Werte so sehr gewöhnt hat, daß man sie für selbstverständlich hält. Die dafür gezahlten Kosten in Blut und Geld in der Vergangenheit und der unverändert notwendige Einsatz mindestens in Geld werden entweder nicht gesehen oder bewußt ignoriert. Schlimmer noch: Zunehmend muß man bei manchen Politikern und angesichts von Wahlergebnissen und Umfragen vermuten, daß Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung hierzulande eben schlicht nicht (mehr) zu wirklich wichtigen Werten gezählt werden.
Dazu kommt vor allem in Europa eine gehörige Portion Zynismus: Weil einem selbst das Leid der Menschen in unterdrückten Ländern egal ist (man beschränkt sich auf wohlfeile Sprüche, nur bei allzu drängenden Problemen ruft man die “internationale Gemeinschaft” zum Verschleppen derselben an), muß das auch für andere gelten. Folglich kann der Grund für die Befreiung Iraks und Afghanistans ja gar kein selbstloser sein. Und so ist es schließlich auch: Daß die Kriege gegen die Taliban und gegen Saddam auch handfeste Vorteile für die USA und ihre Verbündeten bringen sollten (und dies noch deutlicher auch getan hätten, hätte man diverse Fehler unterlassen), war nie ein Geheimnis, schließt aber ja das ernsthafte Interesse an der Verbesserung der Lebenssituation der Menschen dort nicht aus. Im Gegenteil war genau dies stets Voraussetzung für eben das gewählte Vorgehen. Aber das haben diejenigen, die Präsident Bush der “Lügen” und der “Scheinheiligkeit” entlarvt zu haben glauben, offenbar bis heute nicht verstanden.
Die Menschen in anderen Ländern, deren Freiheit noch jung oder aber bedroht ist, haben Präsident Bush jedenfalls immer wieder so begeistert und mit offensichtlicher Hoffnung auf Unterstützung durch die USA empfangen, daß es unseren Medien entweder gar keine Meldung wert war oder diese zumindest von belehrenden Kommentaren oder offen zur Schau gestellter Belustigung begleitet werden mußte, über jene “dummen” Menschen, die diesem “dummen” Menschen und seinen “dummen” Ansichten zujubelten.
Nun, wo sich seine zweite Amtszeit dem Ende zuneigt, muß ich aber auch zugeben, daß ich mir nach der Riesenfreude über seine Wiederwahl mehr erhofft hatte. Natürlich mußte sich Bush in den letzten Jahren mit einem demokratisch geführten Kongress herumschlagen, jedoch wurden die Zeiten republikanischer Kontrolle auch keineswegs optimal genutzt. So oder so sind diverse (nicht nur außenpolitische) Dinge liegen geblieben. Das ist an sich normal und wäre nicht allzu tragisch, wenn nicht die Gefahr bestünde, dass die USA in den nächsten vier Jahren von einem Barack Obama regiert werden. Man muß sich schon bald fragen, ob da vier (und möglicherweise dann acht) Jahre unter einem Präsidenten John Kerry nicht insgesamt besser gewesen wären.
Sollte es zur Wahl Obamas kommen, hier wenigstens ein amüsanter Gedanke: Sie ahnen es wahrscheinlich selbst nicht, aber dieser Ausgang würde wohl ganze Berufskreise in eine ausgewachsene Sinnkrise stürzen. All die Schreiberlinge, untalentierten Komiker und Schicki-Micki-Stars, die sich derzeit mehr oder weniger lautstark eine “Wende” in der amerikanischen Politik wünschen, würden plötzlich ihr Hauptthema verlieren, mit dem sie bisher ihre Zeilen und Seiten füllen, von wichtigen, aber mit ihrem Weltbild inkompatiblen anderen Themen ablenken, ihre dümmlichen Witze reißen und in Talkshows ihrer Entrüstung Ausdruck geben konnten (bevor sie - im Falle der Stars - wieder in ihre Limousinen oder Privatjets steigen und zurück in den Luxus gebracht werden, den sie ohne die gerade noch gescholtene amerikanische Gesellschaft niemals haben könnten und den sie entgegen ihrer Beteuerungen auch nicht aufgeben würden, selbst wenn ihr Wunschkandidat verlieren sollte). Eine Weile könnten sie alle noch so weiter machen, aber dann? Kritik an ihrem Obama - unmöglich! Vielleicht würden auch sie sich dann bald den “Cowboy” zurückwünschen, über den man so ausgiebig und völlig ungefährlich herziehen konnte.
Tatsächlich hat es Präsident Bush leider versäumt, der dauerhaft sehr unfairen Berichterstattung weiter Teile der amerikanischen Massenmedien etwas wirkungsvolles entgegenzusetzen. Damit sind natürlich nicht etwa politische Maßnahmen gegenüber der Presse gemeint (unsägliche Vorhaben wie die “Fairness Doctrine” entstammen linker Denkweise), aber er hätte deutlich intensiver, nicht nur im Wahlkampf, versuchen sollen, den Menschen mittels alternativer Kommunikationsmittel seine Politik und deren Gründe zu veranschaulichen und die verzerrende Berichterstattung der MSM zu entlarven. Multipliziert wird das geschilderte Versäumnis dadurch, daß viele ausländische Medien eben all die (tatsächlichen oder auch nur erfundenen bzw. aufgebauschten) “Enthüllungen” übernehmen, welche die amerikanischen Journalisten in die Welt setzen.
Zaghafte Versuche, dem offensiver zu begegnen, haben wir unlängst vom Wahlkampf McCains gesehen, das aber auch erst, als die persönlichen Angriffe gegen Sarah Palin endgültig unerträglich wurden. Eines dürfte jedoch feststehen: Gewinnt McCain doch noch (hoffentlich!), dann wäre er gut beraten, sich anders als Präsident Bush und offensiver gegenüber dieser Art von Journalismus zu verhalten. Denn daß er nicht mit mehr Ausgewogenheit rechnen dürfte, zumal das politisch korrekte Establishment daheim und in der Welt in all ihren dummen Sprüchen und Schuldzuweisungen schlicht den Namen Bush gegen McCain austauschen würde, deutet sich ja längst an.
Abschließend: Es ist Präsident Bush von ganzem Herzen zu gönnen, sich von dem unvorstellbaren Streß und Ärger seiner zwei Amtszeiten endlich ausruhen und hoffentlich noch ein schönes und langes Leben mit seiner sympathischen Frau verbringen zu können. Die vergangenen Jahre haben ihn nämlich deutlich sichtbar altern lassen. Für uns wenigen Fans, die Präsident Bush in Deutschland unverschämterweise immer noch hat, bleibt die Hoffnung auf die amerikanischen Wähler, die es ja schon mehr als einmal gewagt haben, anders abzustimmen, als dies die Medien mit all ihren Umfragen prognostizierten.