Ich muß zugeben, ich habe mich geirrt. Im Juni habe ich an anderer Stelle geschrieben, wieso ein Krieg zwischen Israel und dem Iran bis zum 4. November nicht nur möglich sondern höchstwahrscheinlich ist. Ich lag falsch, doch ich bin mir nicht sicher ob ich ein “zum Glück” oder ein “leider” diesen drei Worten beistellen soll.
Für mich war es eine gemachte Sache.
Während der Iran fleißig weiter Zentrifugen aufstellt passiert nichts. Der Druck aus der Westlichen Welt existiert zwar, wird jedoch von Russland und China fleißig untergraben. Russland will seine Waffengeschäfte nicht verlieren, unterstützt(e) die Nukleare Aufrüstung des Iran gar aktiv und dem Westen nach dessen Unterstützung für Georgien etwas reinwürgen, China kennt keine moralischen Bedenken und ist immer zur Stelle, wenn es geht westliche Nationen in Rohstoffländern zu ersetzen.
Eigentlich hätte ein israelischer Angriff bis gestern erfolgen müssen. Nur so lange war eine klare Unterstützung Israels durch die USA gesichert. Ab jetzt kann der Dubya zwar noch Befehle geben, doch im Prinzip ist er nur noch eine Lame Duck. Zwar erschien John McCain als möglicher verläßlicher Partner, doch war kaum damit zu rechnen, daß er direkt nach seiner Amtseinführung einen israelischen “Angriffskrieg” gegen den Iran unterstützt. Bei Barack Obama ist ja bekanntermaßen nur bedingt Solidarität für Israel zu erwarten.
Die militärischen Vorraussetzungen deuteten ebenfalls auf einen baldigen Angriff hin. Die aus Russland an den Iran gelieferten Tor-M1 Raketen sind Raketen, die zur Punktverteidigung gemacht sind. Dabei gehören sie zu dem modernsten und besten, was auf dem Markt ist. Die Raketen sind nicht nur in der Lage Flugzeuge sondern auch Marschflugkörper und sogar abgeworfene Bomben abzufangen. Je mehr Zeit vergeht, desto versierter werden die Besatzungen sein, desto mehr Batterien sind einsatzbereit, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß weitere Systeme beschafft werden - was Russland sogar anbietet! Neben den hochmodernen Tor-M1 hat der Iran schon 2005 Interesse an S-300 Systemen bekundet, die im Gegensatz zu den vorgenannten Systemen auch weit entfernte Flugzeuge angreifen können und hier gleichfalls als hochgefährlich gelten. Die Wirksamkeit dieses System ist so hoch, daß Israel gezwungen seind wird anzugreifen, bevor die Anlagen einsatzbereit sind. Bislang scheint Russland jedoch noch abzulehnen, wollen wir hoffen daß dem so ist und die öffentliche Verneinung des Verkaufs nicht nur Teil des Waffendeals ist um Angriffe auf nicht einsatzbereite Batterien zu verhindern. Die Lieferung wird jedoch auch nicht ausgeschlossen:
Russian President Dmitry Medvedev expressed openness to closer relations with the US in September. The two countries were in a war of words over Moscow’s intervention in the Georgian conflict in August.
“Back Georgia and Ukraine for NATO membership and you’ll see the S-300 to Iran. It is a very powerful bargaining chip and a major deterrent to US actions in the region. Moscow is playing very strategically on America’s obsession with Iran,” he said in late August.
Nach anderen Quellen ist eine Lieferung allerdings sehr wohl auch ohne solche Vorbedingungen zu erwarten oder bereits erfolgt.
Israel übt seit geraumer Zeit Angriffe auf die Atomanlagen, dabei wurden auch schon israelische Jets vor Gibraltar und Kreta gesehen. Dies zeigt, daß die IDF Angriffe auf große Distanzen mit Luftbetankungen üben. Gerade vor wenigen Wochen hat der scheidende US-Präsident noch die Lieferung von 1000 GBU-39, bunkerbrechenden Bomben genehmigt (2). Allerdings sind die iranischen Atomanlagen so weit unterirdisch und wohl so gut gesichert, daß der Einsatz von taktischen Nuklearwaffen zu erwarten ist. Die Anlage in Natans ist so groß, daß sie mit einzelnen konventionellen Bunkerbustern überhaupt nicht zerstört werden kann. Durch gepanzerte Trennwände wird der Großteil der dort aufzustellenden 54.000 Zentrifugen bei einzelnen Treffen völlig unbehelligt bleiben, zumal die Spengwirkung verglichen mit “normalen” Bomben eher klein ist. Schließlich können Bunkerbuster überhaupt nicht die gleiche Menge Sprengstoff enthalten, da sie mit zusätzlichen (Verzögerungs-)Zündern und einer deutlich robusteren Hülle gebaut werden. Es wird daher bei den größeren Anlagen, die ja nicht nur unterirdisch, sondern auch über Meterdicke Betonwände und Schotten verfügen kaum ein Weg an dem Einsatz von nuklearen Waffen vorbeiführen.
Nun ist auch noch bekannt geworden, daß die US den Israelis gerade Upgrades für ihre Patriot-Batterien verkauft haben, die gerade von 100 US-Technikern installiert werden. Auch haben die Amerikaner ein so hochmodernes Raketen-Frühwarnradar in Israel installiert, daß sie es mit eigenen Soldaten betreiben um auch den Israelis den Zugriff auf die Technologie zu verweigern.
Warum ist der Angriff nun nicht erfolgt? Die Gründe dürften wohl sowohl in Israel als auch den USA liegen. Zum einen hat Israel eine Regierungskrise. Meines Wissens ist Ehud Olmert noch Ministerpräsident, doch das Ersetzen seiner Person ist bereits eine abgemachte Sache. Doch dafür wird erst noch eine Neuwahl des Parlaments notwendig sein, da sich Zipi Livni ja geweigert hat, mit der Partei der orthodoxen Juden zusammenzuarbeiten, diese hatten zuviele Konzessionen verlangt. Ehud Olmert wird nach seinem Debakel im Libanon wohl kaum als wohl nur noch als “geschäftsführend” zu bezeichnender Ministerpräsident einen Militärschlag im Iran anordnen - erst recht nicht, sollte dieser wirklich mit Atomwaffen erfolgen.
Doch auch aus den USA gab es kein Grünes Licht, wie ich nun gelesen habe:
On September 25, The Guardian claimed that Tel Aviv had long been dead serious about obliterating Iranian nuclear facilities but received the cold shoulder by President George W. Bush in May.
According to the report, Bush told Israeli Prime Minister Ehud Olmert in a one-on-one meeting on May 14 that he would not agree with plans to launch air strikes against Iran as long as he is in the White House.
The British daily cited senior European diplomats - working for a European head of government - who were let in on the highly-sensitive conversations between Bush and Olmert.
The sources claimed that President Bush was concerned that an Iranian retaliation would include a wave of attacks on US forces stationed in the Middle East.
Wenn die Neuwahl in Israel im Februar oder März stattgefunden hat, wird wohl entweder Likud oder Kadima die Regierung stellen. Beiden Parteien ist es absolut zuzutrauen, daß sie den notwendigen Schritt zur Sicherung Israels unternehmen, zumal es dringend notwendig erscheint. Schon mit den bestehenden Zentrifugen ist die Gewinnung von genug U-235 für rund 4 Fissionsbomben möglich. Ist Natans erst einmal ausgebaut, wird jährig genug waffenfähiges Uran für 30 Bomben hergestellt werden können.
Dies bedenkt nur die bekannten Daten:
Stellt man in Rechnung, dass Iran in den vergangenen Jahren immer nur das zugegeben hat, was inzwischen - üblicherweise durch eine iranische Widerstandsgruppe - ohnehin bekannt geworden war, dann muss man schon ein unverbesserlicher Optimist sein, um den derzeitigen Stand der Erkenntnis über das iranische Nuklearprogramm für vollständig zu halten. So geht der deutsche Nachrichtendienst derzeit von zusätzlichen 20 geheim gehaltenen Anlagen aus, von denen es teilweise auch verifizierte Satellitenaufnahmen gibt. Amerikanische Geheimdienste halten diese Zahl für weit untertrieben. Die militärischen Planungen der USA, die auch jede dubiose Anlage als potenzielles Angriffsziel ins Kalkül ziehen müssen, umfassen ungefähr 300 Objekte.
Für grosse Zweifel an der ausschliesslich zivilen Ausrichtung seines Nuklearprogramms hat Iran selbst gesorgt. Besonderes Misstrauen erregen in diesem Zusammenhang die Vorgänge innerhalb eines grossen Munitionswerks in Lavisan-Shian. Vor einigen Jahren ergab sich aus der Analyse von Satellitenaufnahmen, dass sich innerhalb der Gesamtanlage von Lavisan ein schwerbewachter befestigter Teil befand, dessen Signaturen für die Experten eindeutig waren: Hier wurde Uran angereichert. Nachdem eine iranische Widerstandsgruppe die dubiosen Anreicherungsarbeiten in Lavisan bekanntgemacht hatte, reagierte Iran. Als sieben Monate später erneut Satellitenaufnahmen von Lavisan gemacht wurden, war an der Stelle der unterirdischen Anlagen - nichts. Der besonders gesicherte Teil der Gesamtanlage war rückstandsfrei abgetragen worden.
Bedenkt man allerdings, daß der Iran schon Mitte der 90er genug Komponenten für 500 Zentrifugen von dem pakistanischen Atomschmuggler Khan gekauft hat, hat das Mullahregime heute bereits genug Material für mehrere Sprengköpfe. Dazu kommt der Schwerwasserreaktor in Arak, der wohl ab etwa 2010 in Betrieb sein wird und genug Pu für 1-2 Fusionssprengköpfe jährlich herstellen kann. Der bereits laufende Leichtwasserreaktor in Bushehr kann sogar genug Material für 30 bis 40 Sprengköpfe herstellen, wird jedoch noch von der IAEO überwacht, was nach einem Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag hinfällig wäre.
Siehe dazu auch Operation Zeitgewinn - einmal mehr ein hervorragender Artikel in der nzz.