Warum nicht historisch bewährte Bündnisse aufgreifen und die alten Freundschaften aus den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder reaktivieren?, scheinen sich Teile der deutschen Linken zu fragen. Für den “Frieden”, wie ihn die Linken verstehen, müssen schließlich alle sachdienlichen Mittel und Kooperationen genutzt werden, oder?
Und so schaut es dann aus, wenn die sog. “antifaschistischen”* Friedenskämpfer gemeinsam mit ihren Gesinnungsgenossen losgelassen werden:
Ausschreitungen bei Demonstration für Frieden
Kassel. Bei einer Demonstration gegen den Krieg im Gaza ist es am Samstagvormittag zu Ausschreitungen in der Kasseler Innenstadt gekommen. Mehrere Demonstranten legten sich mit Personen an, die einen Pro-Israel-Stand an der Königsstraße aufgebaut hatten. Zum Teil kam es zu Handgreiflichkeiten, Plakate wurden von dem Israel-Stand heruntergerissen. “Ihr seid Kindermörder”, riefen die Demonstranten. […]
Bei der Kundgebung vor dem Kasseler Rathaus versuchten Teilnehmer, eine israelische Fahne zu verbrennen. […]
Das Friedensforum hatte zu der Demonstration, an der rund 1000 Menschen teilgenommen haben, aufgerufen.
Aus einer anderen Quelle erfahren wir ergänzend noch folgendes:
Die Angreifer wurden von den Demonstranten mit Sprechchören unterstützt.
Dass die hessische Polizei aus den Fehlern ihrer Duisburger Kollegen etwas gelernt haben könnte, ist eine zwar berechtigte, aber letzlich doch naive Erwartung:
Die nur mit wenigen Kräften vor Ort präsente Polizei hatte Mühe, die Situation zu beruhigen und den Zug von mehreren hundert Demonstranten weiterzuleiten.
Ich mein’, es ist doch klar: wenn das “Friedensforum” eine friedliche Demo ankündigt, bei der erwartungsgemäß nur friedliebende, pazifistisch sozialisierte Menschen teilnehmen — wer kann da schließlich auch im Vorfeld auf die irrige Idee kommen, dass sich da eine Menge gewaltbereiter Israel- und Judenhasser einschleichen könnte? Aus den Medien weiß die Polizeiführung doch, dass sämtliche Anti-Israel-Kundgebungen bisher friedlich verliefen. (In dem Zusammenhang erinnern wir uns an das, was Pispers so vortrefflich dem Journalismus attestierte.)
Gut, immerhin haben Pfarrer Harald Fischer und Peter Strutynski vom Kasseler Fiedensforum am Ende verhindert, dass die an der Demo teilnehmenden anti-antisemitischen Antizionisten vor dem Kasseler Rathaus die israelische Fahne abfackelten. Doch gerade Pfarrer sollten eigentlich wissen, dass man die Geister, die man rief, nur äusserst schwer wieder loswird. Nicht umsonst warnt Christus durch den Apostel Paulus seine Gemeinde: “Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?” — Wobei mir durchaus klar ist, dass dort, wo “Pfarrer” draufsteht, noch lange kein gläubiger Christ drin sein muss …
Dass die deutsche, links initiierte sog. “Friedensbewegung” nicht mal das Etikett wert ist, mit dem sie sich schmückt, ist nichts Neues. Diese “Friedensbewegung” ist genauso friedlich wie ihre geistigen Wurzeln, die sich im Warschauer Pakt militärisch und politisch manifestierten. Und dass die linken Strukturen heutzutage genauso große Antisemiten, Juden- und Israelhasser beherbergen wie die Alt- und Neonazis, ist auch kein Geheimnis mehr. Ob extrem rechts oder extrem links, die Gesinnung beider Ränder überschneidet sich an weit mehr als nur marginalen Punkten.
Siehe dazu auch Wadinet:
Deutscher Frieden
Dank der Initiative des Deutschen Friedensrates dürfen nun höchstricherlich erlaubt Symbole der Hamas, einer Organisation, die auf der EU-Terrorliste steht (anders als die Hizbollah), auf einer Gaza-Demonstration in Berlin gezeigt werden. So sieht sie aus die deutsche “Friedensbewegung” heute, die noch jeden heiligen Krieger, eben auch vor Gericht, unterstützt, solange er nur gegen Israel, die USA und andere Juden kämpft.
Rinker oder lechter oder islamischer “Frieden” — für die Freiheit der Menschen ist jede dieser Varianten gleichermaßen bedrohlich. Und einen echten Frieden zu bieten, sind alle drei Gesinnungsgeschwister nicht in der Lage.
Nachtrag: Siehe auch “Steinwürfe bei Berliner Demonstration gegen Israel”
* Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus. (Ignazio Silone)