Nun heißt es endgültig Abschied nehmen von George W. Bush als Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Es wurde hier (1|2) und in anderen Enklaven der Vernunft, die man im Internet noch findet, schon wiederholt geschrieben. Trotzdem, noch einmal:
George W. Bush war ein großer Präsident und Staatsmann. Acht Jahre lang hat er seiner Nation gut gedient, sie durch schwere Zeiten geführt und würdig vertreten. Er ist in der Zeit unter dem immensen Streß sichtbar gealtert, aber er ist sich und seinen Überzeugungen, für die er zwei Mal gewählt wurde, treu geblieben, und er hat sich von allen noch so unverschämten und niederträchtigen Angriffen im In- und Ausland nicht aus der Ruhe bringen lassen. Sein Auftreten war stets sympathisch, höflich, korrekt und des wichtigsten und schwierigsten Amtes der Welt angemessen.
Daß die USA und er selbst gemäß den so gerne zitierten Umfragen derart unbeliebt sind, liegt, das kann man gar nicht abstreiten, natürlich immer auch an den handelnden Personen, folglich trägt vor allem die Art, wie er seine Politik verkaufte, daran eine gewisse Mitschuld. Tatsächlich hätte vor allem in den letzten Jahren seine Entscheidungen offensiver verteidigen müssen (ob das etwas an deren Ansehen geändert hätte, sei dahingestellt). Ferner gibt es, dies soll ebenfalls gar nicht bezweifelt werden, nicht wenige Entscheidungen, die er anders hätte treffen sollen oder gar müssen. Und: Es gab während seiner Amtszeit auch Dinge, die vielleicht (mindestens nach Meinung seiner Regierung) im Interesse seines Landes lagen, aber nicht in jenem anderer Länder, auch nicht Deutschlands. Daß dies dann in den nachteilig betroffenen Ländern auf Kritik und Diskussion stoßen wird und sollte, versteht sich von selbst.
Zu einem großen Teil sind die Ursachen der hinlänglich bekannten (vorsichtig ausgedrückt) Antipathie gegen George W. Bush und die USA aber nicht bei ihm selbst oder seinem Land zu suchen, sondern bei denjenigen Betrachtern, die eben diese negativen Ansichten haben. Mit anderen Worten: Es war ja nicht seine Schuld, daß die Menschen in Europa und anderswo entweder aufgrund ohnehin antiamerikanischer Einstellung nicht verstehen wollten oder aber wegen der durchweg katastrophalen Berichterstattung der Massenmedien überhaupt nicht verstehen konnten, warum die Befreiung Iraks wenn schon nicht als solche richtig, so doch jedenfalls nun wirklich nie ein “Krieg für Öl” einer “kriegerischen” Weltmacht war. Präsident Bush konnte auch nichts dafür, daß die meisten Leute sich vor 2003 für den Irak kaum interessiert hatten und deshalb nicht wissen konnten (oder einfach nicht wahrhaben wollten), daß Saddam ein Massenmörder mit hunderttausenden Opfern war, der seine eigene Bevölkerung folterte und sehr wohl sogar bereits Massenvernichtungswaffen gegen selbige eingesetzt hatte, und daß seine Ersetzung mit einer demokratischen Regierung jenseits aller Diskussionen über die “wahren” Gründe des Irakkrieges und der Fragestellung, ob das Ganze die Kosten in Blut und Geld wert sei, jedenfalls an sich positiv wäre.
Auch konnte der amerikanische Präsident die Menschen schließlich nicht zwingen, sich einmal zu informieren, wie viele bewaffnete Konflikte ohne amerikanische Beteiligung, aber mit viel mehr Opfern es auf der Welt gibt, gegen die Lichterketten wohl sehr viel angebrachter gewesen wären (auch wenn die natürlich ohnehin nichts bringen). Er konnte auch nicht die Journalisten zwingen, in jene betroffenen Länder zu reisen und dort von dem Leid der Menschen zu berichten und die Kriegsverbrechen zu untersuchen, die ununterbrochen und systematisch geschehen. Er konnte ferner die Medien und die Bevölkerung nicht zwingen, sich einmal über die Art der Kriegsführung anderer Länder zu informieren und dem den Aufwand und die Kosten gegenüberzustellen, welche die amerikanischen Streitkräfte einsetzen, um Zivilisten zu schützen. Und auch zu der Erkenntnis, daß in Afghanisten und im Irak in relativ kurzer Zeit und mit - zumindest bei regulären Kampfhandlungen - relativ wenigen Opfern auf allen Seiten (wohlgemerkt: jedes Opfer ist natürlich eines zu viel) erstaunlich viel erreicht wurde, konnte er niemanden zwingen. Auch die Erfolge beim Wiederaufbau der von Saddam und den Taliban ruinierten Länder konnte er nur erwähnen, aber wenn die Menschen seine Reden nicht hören wollen und es ohnehin besser “wissen”, anstatt den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen selbst zu überprüfen (das Internet läßt es zu), ist das kaum seine Schuld. Selbiges gilt für die simple, aber doch immer wieder in blendender Naivität bestrittene Tatsache, daß es den Islamismus und daraus entstehenden Terrorismus schon lange vor seinem Amtsantritt gab.
Zusammengefaßt: Die Unwissenheit, Ignoranz und Faulheit sowie teilweise die ideologische Voreingenommenheit vieler Journalisten und (unter anderem als Folge dessen) die Tatsache, daß die meisten Menschen sich nur mit den Handlungen der USA beschäftigen, diese aber kaum jemals in einen Kontext stellen und sie deshalb oftmals in so unrealistischer, überzogener oder naiver Weise kritisieren, kann man nicht dem amerikanischen Präsidenten anlasten. Wohlgemerkt: Das Thema “bewaffnete Konflikte” ist bei allem Gesagten nur eines der besonders kontroversen Beispiele, denn bei anderen Themen läuft es ja ähnlich.
Und was die Unbeliebtheit außerhalb der westlich-freiheitlich geprägten Welt angeht: Natürlich hassen die Diktatoren und sonstigen Schurken dieser Welt die USA. Ob sie nun dem Islamismus, dem Sozialismus oder einer anderen Ideologie angehören - kein Land der Welt steht so eindeutig für jene Werte, die jedes totalitäre System bekämpfen muß, weil sie ihm gefährlich sind. Der Haß der Tyrannen entsteht aber vor allem aus dem Wissen, daß die USA diese Werte - im Gegensatz beispielsweise zu Europa - auch anderswo in der Welt durchsetzen oder verteidigen können, wenn sie es denn wollen. In der Tat waren und sind die USA die einzigen, die (im Rahmen ihrer auch nicht unbegrenzten Möglichkeiten) für Stabilität in der Welt sorgen und verhindern können, daß jeder Diktator nach eigenem Gutdünken Krieg gegen seine eigene Bevölkerung oder gegen andere Länder führen kann. Es versteht sich nun von selbst, daß jene Diktatoren und in der Folge auch die von ihnen durch staatlich kontrollierte Medien und Bildungssysteme manipulierten Massen einen Präsidenten um so mehr hassen, wenn er auch tatsächlich erwiesenermaßen willens ist, für die Freiheit in der Welt einzutreten. Einen Präsidenten dagegen, der Schwäche zeigt und die ureigenen Werte zur Verhandlung stellt, der folglich berechenbar und keine Gefahr für ihre Macht und ihre Pläne ist, und den man im Ernstfall schnell mit Absichtserklärungen zufriedenstellen kann, müssen sie nicht hassen.
Insofern war die Unbeliebtheit von Präsident Bush bei den Schurkenregimen dieser Welt, und in der Folge eben zwangsläufig leider auch bei einem Großteil von deren Bevölkerung, stets ein positives Zeichen. Lieben könnten sie ihn aus den genannten Gründen ohnehin niemals. Dann ist es gut, wenigstens respektiert oder gar gefürchtet zu werden. Genau darauf dürften ja auch außenpolitische Erfolge seiner Amtszeit wie etwa der Abzug Syriens aus dem Libanon oder die Einstellung des Strebens von Libyen nach Massenvernichtungswaffen zurückzuführen sein.
Die amerikanischen Demokraten und ihre Freunde in den Massenmedien haben die vorgenannten Ursachen für die Unbeliebtheit von Präsident Bush aber leider, vermutlich absichtlich, falsch interpretiert. Sie scheinen inzwischen, ebenso wie es hierzulande dem Mainstream entspricht, die Meinung einer imaginären “Weltgemeinschaft” für den wichtigsten Maßstab zu halten, wichtiger als das Festhalten an eigenen Werten. Dabei sollte für jemanden, dessen moralischer Kompaß noch funktioniert, klar sein, daß eine Sache nicht dadurch falsch wird, daß Millionen Menschen dagegen sind; genauso wenig, wie eine Sache dadurch richtig wird, daß Millionen dafür sind.
Aber natürlich war es offenbar auch für den normalen amerikanischen Wähler irgendwann schwer, die Frage zu beantworten, ob man selbst oder all die vielen Menschen auf der Welt recht haben, die das eigene Land und seine Werte so zu hassen scheinen und es für alles Übel auf der Welt verantwortlich machen. (Sie stehen damit übrigens nebenbei bemerkt vor einer Frage, die sich Konservative in Deutschland inzwischen ganz ähnlich stellen mögen: Haben vielleicht doch alle anderen Recht, und wir sind nur zu dumm, um es zu erkennen?) Für die Antwort darauf ist der genannte moralische Kompaß natürlich unverzichtbar - und die Zerstörung genau dessen ist ja leider unter anderem Folge des politisch korrekten Mehltaus, der sich über alle westlich-freiheitlichen Gesellschaften zu legen scheint.
Präsident Bush kann jedenfalls von sich behaupten, daß sein eigener moralischer Kompaß bis zum Schluß seiner Amtszeit intakt blieb. Ohne nun illusorisch davon auszugehen, die ganze Welt in kurzer Zeit verbessern zu können oder gar zu müssen, hat er an Werten wie Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung, der universellen Geltung der Menschenrechte, der Wertschätzung der Familie und des eigenen Landes, und nicht zuletzt der Überlegenheit der Marktwirtschaft als einzigem erwiesenen Garant für dauerhaften und universellen Wohlstand festgehalten. Und wenn die selbsternannten europäischen “Eliten” uns noch hundert Mal einreden wollen, wie falsch diese Werte sind: Sie sind es nicht. Und jeder amerikanische Politiker, geschweige denn Präsident, der sich von dem hiesigen Geschwätz beeinflussen läßt und von diesen Grundlagen abrückt, ist schwach und dumm, und ein Verräter an den mühsam und blutig erkämpften Werten der westlich und - nicht zu vergessen - zu einem guten Teil amerikanisch geprägten Zivilisation, und wird bei den nächsten Wahlen hoffentlich die Quittung dafür bekommen. (Dasselbe gilt im Grundsatz natürlich auch für europäische Politiker, aber da ist man ja schon nichts anderes mehr gewohnt, und die Wähler erwarten es offenbar auch nicht mehr anders.)