Das aktuelle Thema um die Speyrer Schüler, das unser Leser Ernie Souchak in seinem Kommentar ansprach, ist mir nicht neu. Dass zumindest ich dazu bisher nichts geschrieben hatte, liegt daran, dass ich den Protest der Schüler zwar wohl nachvollziehen kann — und im Großen und Ganzen geradezu bewundernswert finde –, mich aber als gläubiger Christ an wenigstens einem Punkt in der Protestnote störe, und zwar folgendem:
Bewahrung unseres Grundrechts auf negative Religionsfreiheit.
Oder, wie die Schüler es vorher ausdrückten:
Wir fordern, dass Staat und Religion getrennt bleiben.
Ja, das fordere ich schon auch. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. — Trotzdem gibt es für mich bei solchen Postulaten einen markanten Haken, und zwar den der eigenen (gemeint ist der deutschen — oder weiter gefasst: der westlichen) kultur- und religionshistorischen Herkunft. Wenn es nach solchen Statements ginge, dürften Lehrer (letztlich auch Schüler; siehe Gruselbritannien) auch keine Kreuze mehr um den Hals, keine Kippas auf dem Kopf tragen, müssten sämtliche “Kruzifixe” aus sämtlichen Kindergärten, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen verschwinden, und zwar auch aus solchen, die kirchlich geführt sind. — Ich beispielsweise war jahrelang an einer staatlich anerkannten und geförderten Schule samt Internat, die/das unter kirchlicher Trägerschaft stand. — Trennung von Staat und “Religion” (Kirche)?
Hat’s dem Staat, hat’s mir, hat’s der Gesellschaft geschadet, dass in meiner Schule jahrhundertelang bewährte Prinzipien hochgehalten wurden? Sicher, das waren/sind keine Prinzipien, mit denen sich heute eine für “progressiv” erachtende Ideologie schmücken wollte; aber es waren genau die Prinzipien, die ein funktionierendes gesellschaftliches Zusammenleben auch unterschiedlichster Naturen überhaupt ermöglich(t)en. Ich möchte an dieser Stelle nun nicht einzelne Prinzipien auflisten; jeder vernünftige Leser kann sich denken, welche dazugehören. Ich möchte nur betonen, dass diese Grundsätze wesentlich für eine solide und gesunde charakterliche Bildung eines Menschen sind, und die auch die für jedes in einer Entwicklungsphase stehendes Individuum so notwendigen Grenzen oder Begrenzungen aufzeigten und/oder verdeutlichten. DU bist nicht allein auf dieser Welt! Und DU bist nicht der/die/das Wichtigste auf dieser Welt! DU bist nichts ohne einem Gegenüber, einem — wenn man so will — “Gegen-Du”. Nicht “ich, mir, meiner, mich” ist der Pol, um den Welt sich dreht. Wahrlich nicht!
Und woher kamen diese Prinzipien? Aus dem Nichts? Aus nihilistischer Weltanschauung? Oder aus der griechischen Philosophie, dem Hinduismus, Buddhismus oder gar dem Islam? Ganz sicher nicht! Sie entstammten und entstammen noch heute den Werten und Maßstäben jüdisch-christlicher Überzeugung, aus der (im seichtesten Falle) jüdisch-christlichen Kultur, die unseren Kontinent seit Jahrhunderten geprägt hat und durch die es uns überhaupt erst möglich wurde, uns zu dem zu entwickeln, was wir heute leider nicht mehr sind: freie, verantwortungsbewusste, ehr- und achtungsvolle Menschen mit einem Herzen für den/die Anderen. Die Basis dafür war und ist der jüdische resp. christliche Glaube mit seinen Werten.
Dass weder stringenter Atheismus (vor allem der sozialistisch-kommunistische) noch asiatisches Kastentum (etc.) noch selbstherrlicher Islam in der Lage waren (geschweige denn sind), eine Hochkultur wie die unsere hervorzubringen, das zu leugnen oder nicht sehen zu wollen, können nur absolute Ignoranten und ver(w)irrte Geister. Wovon es heute mehr denn je gibt! — Was aber, um zurückzukommen auf die Grundlage unserer ursprünglichen freien Fortschrittskultur, in der Bibel — sowohl der jüdischen (AT) als auch der “christlichen” (NT) — schon vor Jahrhunderten, teilweise Jahrtausenden, angekündigt wurde. Sehen und erkennen wollen das heute allerdings die Wenigsten. (Womit sich der Kreis logischerweise wieder schließt.)
Aber jetzt bin ich abgedriftet … Was ich sagen wollte: Verbietest du allein aus Gründen einer unüberlegten Trennung von Staat und Religion das muslimische Kopftuch (oder die üblere Steigerung, die Burka), dann musst du — wenn du ein Verleugner deiner Wurzeln und der Überlegenheit deiner Kultur bist — auch Kreuz, Kippa und andere religiöse Zeichen in der unter staatlicher Aufsicht stehender Öffentlichkeit verbieten. Zwangsweise und ausnahmslos! Es sei denn — und davon sind unsere “Granden” derzeit meilenweit entfernt und werden es vermutlich noch solange sein, bis das autochthone Kulturvolk endlich aufsteht und gewaltig revoltiert –, dass allgemein anerkannt werden darf, das es sehr wohl Religionen und Kulturen gibt, die schon aus ihrer Substanz heraus destruktiv, antifreiheitlich und (jüdisch-christliche, ehrliche und aufrichtige Erkenntnis vorausgesetzt) feindlich und grundgefährlich für uns sind. Dass es Religionen (heute zumindest eine spezielle) und Kulturen gibt, die von vornherein darauf angelegt sind, andere (in dem Fall uns) zu beherrschen und zu unterdrücken. Gnadenlos und unbarmherzig, weil genau so deren Gott oder deren Vorstellung von einem Gott ist.
Dass ich Anhänger einer solchen religiösen, ideologischen oder philosophischen Idee nicht gleichsetzen kann z.B. mit einer unterrichtenden Nonne, einem kreuzbehangenen Englisch-, einem kippatragenden Mathelehrer oder einem sich freudig und erwartungsvoll integrierten Rektor aus dem Kultur-Hinduismus, sollte eigentlich selbstverständlich und offensichtlich sein. Es geht nicht um die generelle Abschaffung der “Religion” im Saate oder Staatsdienst, sondern 1.) um die Erkenntnis, dass es gewisse Religionen und/oder Kulturen gibt, die grundsätzlich und wesenhaft Feinde unserer jüdisch-christlichen Freiheitsgesellschaft (”unseres Staates”) sind, und dass 2.) solche Feinde hier nichts zu suchen haben dürfen. Es ist aber eben auch nicht der blanke Atheismus, der Freiheit gewährt und garantiert! Ein atheistischer (also vollständig religiös befreiter oder sich befreit denkender) Staat ist, das lehrt uns die Historie, genauso ein Feind der Freiheit, Individualität, Entwicklung etc.! Man denke nur an Nord-Korea, die DDR, Kuba — und prüfe einmal ernsthaft, was heutzutage Parteien wie “Die Linke” tatsächlich erreichen wollen. –
Aus genannten Gründen kann ich auch den sog. “Zentralrat der Exmuslime” nicht unterstützen, selbst wenn sich dessen Anliegen in weiten Bereichen mit meiner Meinung decken. Selbes gilt übrigens für so prominente Namen wie Ralph Giordano oder Ayan Hirsi Ali, und im Grunde auch für Henryk M. Broder. Klar, es gibt vieles, was ich bei deren Äusserungen nur unterstreichen kann — aber dennoch gilt trotz teilweiser grundlegender Übereinstimmung: Meines Feindes Feind ist noch lange nicht mein Freund! Explizit dann nicht, wenn gewisse (vielleicht nur einzelne, aber gravierende) Ansichten und Meinungen solcher Personen letzten Endes meinen Grundüberzeugungen, meiner Weltanschauung, meinem Glauben diametral entgegenstehen, und sie so in gewisser Weise sogar mir gegenüber feindlich gesonnen sind (oder sein müssen).
Der Islam ist die größte Bedrohung und der übelste Feind für unsere freiheitlichen westlichen Gesellschaften, keine Frage. Auch wenn beileibe sehr vieles in unseren Gesellschaften gerade aus christlicher Sicht abartig und verwerfenswert ist! — Dennoch lebe ich lieber in unserer fehler- und mangelhaften Welt, als in einem sklavischen System, das von einer antichristlichen und antisemitischen Religion beherrscht ist, die weder Glaubens- noch Meinungs- noch individuelle Entwicklungsfreiheit noch Eigenverantwortung noch Achtung vor anderen noch Menschenwürde noch Barmherzigkeit oder Gnade noch Liebe (im Höhepunkt Feindesliebe) kennt, sondern im Gegenteil von universaler Unterdrückung, Unfreiheit und Hass geprägt ist. Aus jüdisch-christlicher Sicht eben ein — im wahrsten Sinne des Wortes — dämonisches System. — Aber: ich treibe den Teufel ganz bestimmt nicht mit dem Beelzebub aus, in der trügerischen Hoffnung, dass mich die Traufe vom Regen erlösen könnte! Wahrlich nicht. –
Ich weiß nicht, ob wirklich deutlich wurde, was ich ausdrücken wollte … Hab’s einfach von der Leber weg geschrieben. Wer meine Intention verstehen will, der wird sie auch verstehen. Alle andern mögen eben die Anzahl der Sterne entsprechend niedrig setzen oder in Kommentaren oder ihren Blogs dementsprechend reagieren. Mir wurscht.
Zum Schluss dennoch der Protest-Brief der Speyrer Schüler an die Landesregierung von Rheinland-Pfalz. Wirklich bewundernswert ist, dass sich junge Menschen auch heute nicht durch staatlich-schulische Propaganda und Indoktrination verarschen lassen! Ich freue mich — trotz meiner Bedenken –, dass junge Leute heute noch fähig sind, kritisch zu denken und zu handeln und sich nicht alles bieten lassen!
An die Landesregierung Rheinland-Pfalz
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir möchten Sie im folgenden Sachverhalt um Unterstützung ersuchen. An unserem Kolleg ist während des laufenden Schuljahrs eine Lehrerin versetzt worden, die aus religiösen Gründen auf das Tragen des Kopftuchs besteht. Wir lehnen das Verhalten der Lehrerin aufgrund der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2003 ab. In dem Urteil wird ausdrücklich auch auf die Wahrung der negativen Religionsfreiheit Bezug genommen und die Landesregierungen dazu aufgefordert, entsprechende klärende Gesetze zu erlassen.
Unser Ersuchen lautet daher wie folgt:
- Bewahrung unseres Grundrechts auf negative Religionsfreiheit.
- Eine landesrechtliche Umsetzung der Vorgaben des BVerfG.
- Entfernung der betreffenden Lehrerin von der Schule, sofern diese nichtbereit ist, auf das Kopftuch zu verzichten.
- Gewährleistung eines Schutzes vor Mobbing, Bedrohungen und anderen Repressalien.
- Klärung des Sachverhalts, warum die Polizei hinsichtlich gegenüber uns ausgesprochener Drohungen, keine Strafanzeige trotz entsprechender Aufforderung aufnimmt.
Die betroffene Schülergruppe des Speyer-Kolleg