“Wir haben alle besiegt, bis auf diese Frauen”
Auszüge aus einem Interview mit dem Schriftsteller Said in der Frankfurter Rundschau. Fangen wir gleich mit der FR-Überschrift und somit der guten Nachricht an:
“Noch nie war der Islam im Iran so verpönt wie heute”
[…] Ich vergleiche den Dialog zwischen dem Westen und dem Islam mit dem eines Tauben mit einem Blinden. Der Taube ist der Westen, der Blinde ist der Islam, der zurzeit nur um sich schlägt. Ich frage mich, ob man mit den Maßstäben eines Tauben die Handlungen eines Blinden verstehen kann. Wir müssen die westlichen Maßstäbe hinterfragen, nur so haben wir eine Chance, die islamische Revolution zu begreifen. […]
Die ganze (iranische) Gesellschaft kämpft jetzt mit ihren Mitteln gegen das Regime. Ich weiß, dass man diesen Kampf in Europa übersieht. Aber bedenken Sie: Allein in Teheran gibt es mehr als 100 Galerien, und das in einem Regime, in dem die Bildende Kunst als Feind bezeichnet wird. Handke und Grass werden übersetzt, allein von Uwe Timm sind jüngst drei Bücher erschienen. Die Hoffnung der Gesellschaft, mit Kultur ein anderes Leben anzustreben, haben die Machthaber nicht besiegen können. […]
(…) die zweite große Hoffnung sind die Frauen. Schleier müssen sie tragen, Sandalen dürfen sie nicht tragen. Täglich werden junge und alte Frauen verhaftet, bis heute werden Frauen gesteinigt. Und doch sind die Frauen noch nicht besiegt. Selbst Rafsandschani hat als Präsident in einer Rede gesagt: “Wir haben alle besiegt, bis auf diese Frauen. Bleibt gefälligst zu Hause, gebt endlich Ruhe!” Schauen Sie, allein 60 Prozent der Studenten sind Frauen. Das heißt: Das Mullah-Regime hat genau das Gegenteil von dem bewirkt, was es erreichen wollte. Das immerhin gibt Hoffnung.
Aber das ist noch kein Indikator dafür, dass das Regime scheitert.
Aber es gibt Tendenzen, leider auch fatale. Noch nie wurde so viel Alkohol getrunken, noch nie waren so viele Jugendliche drogenabhängig. Nirgends im Nahen Osten sind die Moscheen so leer wie im Iran. Dieser Islam, der als Allheilmittel gepriesen worden ist, bekommt nicht einmal die Tomatenpreise in den Griff. Kurz gesagt: Diejenigen, die mit Parolen gegen die gottlose Dekadenz an die Macht gekommen sind, sorgen nun dafür, dass die Religion immer mehr Anhänger verliert. Ich wage zu behaupten, dass der Islam im Iran nie so verpönt war wie heute. […]
Fabriken mit mehr als 1000 Arbeitern gehören zu 51 Prozent dem (iranischen) Staat. Das heißt: Der Staat versucht, die Wirtschaft zu regulieren - allerdings ohne Erfolg. Unter Ahmadinedschad sind Obst und Gemüse um 50 Prozent teurer geworden. Die Mieten sind gestiegen, die Inflation ist verheerend. Ich weiß gar nicht, wie sich dieses Land ernährt. Teilweise erinnert mich die Wirtschaft an die der DDR. Das Gesetz der Rentabilität wird den Gesetzen des Machterhalts völlig untergeordnet. Wir wissen aus der Geschichte, dass das irgendwann nicht mehr funktioniert.
Und dann?
Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht mal, was passiert, wenn Ahmadinedschad nicht mehr wiedergewählt wird. Nichts Besseres, fürchte ich.
Dieser Beitrag wurde von Jürgen am Freitag, 27. Februar 2009 um 18:35 Uhr veröffentlicht und unter Mittlerer & Naher Osten, Wüste(n) Länder, Islamkritik abgelegt. | Sie können ihn per E-Mail versenden und ausdrucken. | Schreiben Sie einen Kommentar oder richten Sie einen Trackback auf Ihrer Website ein.












Ein Interview, das leider im deutschen Appaesementgemauschel untergehen wird.
Kennen Sie schon diesen Blog?
http://iranbato.wordpress.com/
“Unser Ziel ist es, über die politische und gesellschaftliche Lage im Iran zu informieren. Hierbei ist es uns ein besonderes Anliegen, die Nachrichten zu veröffentlichen, die den Medien der Welt keine Meldung wert sind, aber auch jene Nachrichten, die in der Berichterstattung fast untergehen, weil nur bestimmte Medien, die von kleineren Leserkreisen genutzt werden, informieren. Dadurch wollen wir mithelfen, die Verharmlosung des Mullahregimes in den Medien zurückzudrängen und auf die Situation der iranischen Opposition, die oft nicht erwähnt wird, aufmerksam machen.”
Interessant wird es erst einmal werden, wenn der arabischen Welt das Öl ausgeht. Dann kann der Islam mal sein wahres “Können” zeigen.
[…] haben alle besiegt, bis auf diese Frauen”, jammerte einmal der iranische Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsandschani, der im Gegensatz zum […]