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27. Mai 2009

Kommentar “Zum evangelischen Kirchentag”

Der evangelische Kirchentag will ein “Forum Rechtsextremismus” einrichten, das sich vor allem auf die “Handreichung” der Evangelischen Kirche von Mitteldeutschland stützen will. Um gleich in medias res zu gelangen, gehe ich hier vom Lieblingstext dieser “Handreichung” aus, nämlich Gal.3,28: »Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann noch Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus

Betrachten wir die Worte genauer, so stellen wir fest, dass sie zunächst eine Beobachtung ausdrücken - “so ist es” - und erst sekundär eine Anweisung - “So ist es richtig”.  In den christlichen Gemeinden wird eben tatsächlich die bisherige geschlechtliche, ethnische oder sonstige Identität durch eine neue christliche Identität zurückgedrängt, und das nicht als blinde Unterwerfung unter ein gemeindliches Geschlechts- oder Ethnieverbot, sondern durch die natürliche “Anziehungs”-Kraft (Gal. 3,29) Christi, seiner Verheißungen und Weisungen.
Ob das damals irgend eine praktische Bedeutung für das Leben außerhalb des Gemeindegottesdienstes haben sollte, bleibt höchst umstritten. Im Licht der paulinischen Haustafeln, die weiterhin zwischen Mann und Frau unterscheiden, könnte man geradezu das Gegenteil behaupten.

Es ist nun zunächst einmal die Frage, wie die Ideen des Galaterbriefs, der für eine kleine Sektengemeinde in einem kulturell recht homogenen hellenistischen Umfeld geschrieben wurde, für die heutigen Großkirchen in der “globalisierten” Welt eigentlich umgesetzt werden sollen. In einer Stadt wie Köln z.B. haben wir eine finnische und eine koreanische protestantische Gemeinde. Es wird hier also offensichtlich nicht erwartet, dass die Finnen oder Koreaner ihre ethnische Identität an der Haustür abgeben, bevor sie zum kirchlichen Gottesdienst zugelassen werden. Ebenso gibt es ja in Städten wie London oder Paris - neuerdings etwa auch in Katar - deutsche evangelische Gemeinden. Nehmen wir einmal an, solche Gemeinden seien berechtigt, weil sich die Deutschen in London oder Paris sonst fremd und verloren fühlen würden. Gilt das aber nicht genauso für die Deutschen in Kreuzberg? Könnte nicht also mit dem gleichen Recht eine deutsche Gemeinde in Kreuzberg gebildet werden? Und gilt es nicht prospektiv in ganz Berlin? Immerhin ist der Zeitpunkt bereits ausgerechnet worden, zu dem wir Ethnodeutschen in der ganzen Bundesrepublik eine Minderheit sein werden.

Die wichtigere Frage ist aber, was Gal. 3,28 eigentlich für das Leben von Nichtchristen in einem säkularen Staat besagen soll. Hier könnte man zunächst einmal versucht sein, der “Handreichung” eine schwärmerische Position zu unterschieben: Der Staat soll als Ganzes christliche Gemeinde werden und dadurch ganz automatisch dieselbe Anziehungskraft entfalten, die im Galaterbrief die christliche Kleingemeinde hatte. Indem wir diese Position so deutlich ausformulieren, machen wir schon klar, dass die evangelische Kirche dies keineswegs vertritt.

Möglicherweise will die evangelische Kirche aber etwas anderes sagen. Nämlich dass der säkulare Staat über eigene Verheißungen und Weisungen eine eigene Anziehungskraft entfalten soll, die auf parallelem Wege ebenso wirkungsvoll zur Überwindung ethnischer Identitäten führt wie die christlichen Verheißungen und Weisungen.

Hier wird nun die Relation von Mittel und Zweck vertauscht. Im Galaterbrief ist die neue christliche Identität der Zweck, ob und wieweit die alte ethnische Identität dafür aufgegeben werden muss, ist eine Frage des Mittels. Bei den Verfassern der “Handreichung” wird die Aufgabe der alten ethnischen Identität jedoch Selbstzweck; es ist ihnen dabei gleichgültig, ob diese alte Identität durch eine christliche oder durch eine postnational-säkularstaatliche Identität ersetzt wird (wenn man überhaupt noch einen Unterschied zwischen diesen beiden Identitäten zugesteht).

Über welche eigenen Verheißungen und Weisungen soll der säkulare Staat nun also seine para-christliche Anziehungskraft entfalten? Üblicherweise wird an dieser Stelle die Verfassung ins Spiel gebracht
.
Betrachten wir aber die Verfassung nach ihrem ursprünglichen Wortsinn, dann wird klar, dass die Verfassungsväter keineswegs die Absicht hatten, die deutsche Ethnie abzuschaffen, sondern dass sie umgekehrt die deutsche Ethnie stärken wollten, indem sie ihr eine staatliche Organisationsform gaben: Die Bundesrepublik ist der Staat “des deutschen Volkes”, die Zugehörigkeit zu diesem Volk wird im Regelfall durch das ius sanguinis hergestellt. So ist es auch die ganze “Bonner Republik” hindurch verstanden worden, und deshalb konnte und musste die Stellung der nichtdeutschen Ethnien (Dänen, Sorben) Gegenstand staatlicher Sonderregelungen sein.

In der Berliner Republik wird also die Verfassung umgedeutet. Hier macht sich nun ein wesentlicher Unterschied zwischen christlicher Gemeinde und säkularem Staat deutlich. Der Christ kann wie der Psalmist (Ps. 119) zu seinem Gott sagen: “Dein Wort steht fest“, weil er weiß, dass sein Gott lebt, dass er seine Verheißungen erfüllen wird und damit alle Umdeutungsversuche der Theologen zuschande machen wird. Aber die säkulare Verfassung wird durch keinen Gott aufrecht erhalten und ist gegen die Umdeutung durch Politiker und Juristen nicht im mindesten geschützt. Und wenn die Politiker und Juristen es vorziehen, das Verfassungswort umzudeuten, dann gilt hier eben nicht: “Dein Wort steht fest.” Dann werden eben die Verheißungen (Rechtszusagen) der Verfassung - das Recht der Deutschen, eine eigene Volksgruppe zu bilden, die Rechte auf freie Vereinigung, freie Versammlung, freie Rede - nicht eingehalten. Und wegen dieser Unverlässlichkeit können die Verheißungen einer Verfassung niemals die gleiche Anziehungswirkung haben wie die christlichen Verheißungen, jedenfalls nicht auf den verständigen (politisch unverbildeten) Menschen. Will die evangelische Kirche hier wirklich etwas anderes einfordern, will sie wirklich für das staatliche Wort den gleichen Rang einfordern wie für das Evangelium, und scheut sie nicht den Vorwurf der Blasphemie?

Es ist immerhin denkbar, dass die evangelische Kirche so weit nicht hat gehen wollen. Vieleicht traut sie dem Staat eine solche para-christliche Anziehungskraft doch nicht zu. Aber dann bleibt ihr nur noch eine Position offen. Nämlich die folgende: Wenn die Bürger sich weder durch kirchliche noch durch staatliche Propaganda zum Aufgeben ihrer ethnischen Identität überreden lassen, dann soll der Staat sie durch plumpen Druck, Einschüchterung, psychologische Kriegsführung gegen die eigenen Bürger, Geld- und Haftstrafen dazu zwingen. Wir wären dann wieder beim Puritanerstaat des 17. Jahrhunderts mit seinem Tugendterror angekommen.

 

Gastbeitrag von M.

Dieser Beitrag wurde von Heinz am Mittwoch, 27. Mai 2009 um 12:54 Uhr veröffentlicht und unter Gesellschaft, Christen & Kirche, Germanyland abgelegt. | Sie können ihn per E-Mail versenden und ausdrucken. | Schreiben Sie einen Kommentar oder richten Sie einen Trackback auf Ihrer Website ein.

Bisher gibt es 3 Kommentare zu “Kommentar “Zum evangelischen Kirchentag””

  1. 1 Heinerich (Donnerstag, 28. Mai 2009; 07:19): 

    Klasse Analyse - die letztendlich auch zeigt, dass Protestanten und Evangelische Christen eben NICHT Kirche sind.
    ;-)

  2. 2 tape (Donnerstag, 28. Mai 2009; 12:40): 

    Ohne Wertung, nur zur Info, zitiert von:
    http://www.kirchentag.de

    http://www.kirchentag.de/das-ist-kirchentag/ziele/7-irrtuemer.html#c1207

    Sieben populäre Irrtümer über den Kirchentag

    1. Der Kirchentag ist eine offizielle Veranstaltung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

    Dieser Irrtum ist sehr verständlich, weil der Deutsche Evangelische Kirchentag die größte und meistbeachtete Veranstaltung des deutschen Protestantismus geworden ist. Trotzdem: Seine Organisation, seine Gremien und sein Programm sind von der EKD und den evangelischen Landeskirchen unabhängig.

    Das Programm wird von der Präsidialversammlung und von einem Präsidium verantwortet. Diese Gremien sind vorzugsweise aus evangelischen Laien zusammengesetzt, denen aber auch Theologen angehören. Die Mitglieder werden jeweils ad personam für sechs Jahre aus gesellschaftlichen Gruppen, Landeskirchen und kirchlichen Verbänden gewählt oder berufen.

    Es sollen Personen aus verschiedenen politischen und kirchlichen Richtungen, mit unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen und experimentierfreudigen Vorschlägen vertreten sein. Finanziert werden die Kirchentage durch die Teilnehmerbeiträge, Zuschüsse der öffentlichen Hand, von den gastgebenden Landeskirchen und durch Spenden.

  3. 3 Antipfa » Gegenstimme (Donnerstag, 04. Juni 2009; 11:43): 

    […] Dass die Kirchen sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert haben, als es darum ging den Naziterror im Dritten Reich zu verhindern, ist keine Neuigkeit. Es gelang Hitler viele Christen hinter sich zu bringen, obwohl sein mittelfristiges Ziel auch die Vernichtung des Christentums, das er zutiefst verachtete, war.  Auch, dass sich Geschichte wiederholt, haben wir gelernt. Dass sie sich in der Regel nicht 1:1 wiederholt, sondern manchmal unter anderen Vorzeichen, ist vielen zu hoch und so fangen sie an, es heute besser machen zu wollen als ihre Väter und Großväter, indem sie den Kampf gegen die aufnehmen, denen ihre Väter erlagen: Die Nazis. Das Problem ist nur, dass die Nazis seit vielen Jahrzehnten besiegt sind. Da der heutige “Antifaschist” sich den Kampf gegen Nazis in seiner Fantasie aber so glorreich, heldenhaft, sinnstiftend und schön ausgemalt hat, kann er eine Welt ohne Nazis nicht mehr ertragen. Der einzige Weg wieder glücklich zu werden ist, sich massenhaft Ersatznazis herbeizufantasieren und mit diesen so zu verfahren, wie man sich gewünscht hätte, dass unsere Väter es vor 75 Jahren mit den Nazis getan hätten. Natürlich dürfen diese Ersatznazis nicht so gefährlich sein, wie die von damals, man will schließlich garantiert als siegreicher Held aus diesem Kampf hervorgehen! Da bieten sich doch die Christen an, was aber genau wie damals, einige iskariotisch veranlagte “Jünger” in den Kirchen nicht davon abhält, mit ihren Feinden zu kooperieren und sich im sogenannten “Kampf gegen Rechts” einzuschleimen. […]

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