Rush Limbaugh Quote of the Day

"These Democrats are so arrogant and condescending, and they have all this power now so they're not even bothering to put masks on. So we're seeing what they really are, all of them. They're nuts. They're kooks, liars, freaks."
27. Juni 2009

Die Entrücktheit der Politk,

sieht man gerade eindrucksvoll bei Abgeordnetenwatch:

Generation C64

Alle fünf angezeigten Einträge mit den meisten Leserempfehlungen sind von Jörg Tauss, der (zumindest offiziell) wegen des Internetfilters aus der SPD ausgetreten ist. Ich habe selten mal eine Antwort mit mehr als 50, 60 Empfehlungen gesehen. Eine Antwort von ihm erreicht zum Zeitpunkt des Screemshots rund 3.500 Empfehlungen, aktuell sind es über 3.800! Wie weit damit die aktive Politik von den Interessen und dem Herz der Jugend entfernt ist zeigt sich dabei nur zu deutlich. Wie ich schon direkt nach dem Amoklauf von Winnenden gesagt hatte, sind viele Politiker von den technischen Entwicklungen der letzten 30 jahre offensichtlich völlig überfordert.
Das Internet sehen sie genau wie die Entwicklungen im Computerbereich als dunkel bemänteltes Geschöpf, dessen Gesicht im Schatten liegt. Zwar könnte es vielleicht ein netter Mensch sein, daher wird es nicht sofort generell verboten, aber wie in einem Roman sind solche Personen ohne erkennbares Gesicht ja doch meist nur Monster. Man sehe sich nur einmal die Ringgeister beim Herrn der Ringe oder die Myrddraal beim Rad der Zeit an. Daher wird alles aus diesem Bereich kommende generell erst einmal mit einem Vorverdacht belegt.

“Gewaltspiele sind sittenwidrig” sagt unser Innenminister. Ohne dass es haltbare wissenschaftliche Studien zur Aggressionserzeugung durch Spiele gibt wird die Schuld dort gesucht, denn irgend etwas muss man ja machen. Computerspiele kommen dabei nur ganz recht, immerhin sind sie etwas völlig Unbekanntes und die Spieler haben es bislang noch nicht geschafft sich zu vereinigen und eine wirksame Lobby aufzubauen, ganz im Gegensatz zu den Waffenbesitzern beispielsweise. Dass es alleine in Deutschland, dem zweitgrößten Spielemarkt der Welt, Millionen von Computerspielern gibt die nie auch nur einer Fliege etwas getan haben ist dabei irrelevant. Schließlich kann man sie ja den anderen Unwissenden viel leichter als etwas Schlechtes hinstellen als deutlich gefährlichere Dinge wie Autos oder Küchenmesser, die alleine durch unsachgemäßen Gebrauch jährlich Tausende töten . Denn welcher Politiker hat je selber ein “Killerspiel” gespielt? Bestenfalls gab es mal eine Vorführung bei der sich der Politiker dann selber versucht hat.  Wegen mangelnder Koordination der Bedienelemente konnte er dabei unmöglich in das Spielgefühl eintauchen. Auch kennen wir es alle, dass das Betrachten von Dingen mitunter stinklangweilig sein kann, macht man es selber und erlebt Teamgefühl, Konzentration, Anstrengung und Erfolgserlebnisse wie auch Niederlagen ist es etwas völlig anderes.

Ich habe im Rahmen meiner akademischen Ausbildung auch die Spieltheorie studiert. Dabei zeigt sich, dass “Kriegsspiele” schon immer existierten. Früher prügelten die Patriziersöhne mit Holzschwertern zur Übung auf einander ein während die Jüngeren mit Wachs-, Holz- oder Metallfiguren Strategie übten. Später wandelte es sich dann zu “Preuße und Franzose”, “Räuber und Gendarm”, “Cowboy und Indianer” oder ähnlichem. Immer dabei war ein “actionlastiger Teil”, der das “aufeinander einhauen” beinhielt, sei es nun mit Holzschwertern oder Knallplätzchenpistolen, sowie einen strategischen Teil, der aus einem alleine oder mit Freunden gespielten Aufstellen und Verschieben von Armeen bestand.

Wie schon die Entwicklung der Knallplätzchenpistole hierbei wohl einen Quantensprung bedeutete, ist auch der Computer in dieses uralte Kinderspiel einbezogen worden. Heute spielt man sein “Räuber und Gendarm” eben als “Terrorist vs. Counterterrorist” in Counterstrike und übt seine Strategie im Verschieben von Armeen bei Age of Empires oder Command & Conquer. Dies nicht einzusehen und Millionen und Abermillionen öffentlich zu Perversen und fast schon Kriminellen zu machen kann nicht spurlos von statten gehen. Diese Ignoranz ist neben der “wer ist am ähnlichsten” Politik mit Sicherheit auch ein Grund für das Verfallen der Volksparteien, die angesichts der Gesamtwählerzahlen bei Wahlen mit Einbeziehung der Nichtwähler kaum noch 10% schaffen. Die Generation C64 (in meinem Fall Generation C128D ;-) ) lässt sich das auf Dauer nicht mehr gefallen, die Gründung der Piratenpartei ist ein Ausdruck davon.

Sollten die Volksparteien irgendwann wieder einmal ein ernsthaftes Interesse daran haben, das “Volk” wirklich zu vertreten müssen sie lernen, dass nicht alles Neue schlecht ist, nicht alles wovon sie nichts verstehen böse ist und dass manche der Wünsche aus dem Volk ernstgenommen werden müssen. So lange jedoch Computerspieler halbe Verbrecher, Engagierte gegen Internetzensur Perverse und Gegner einer Überfremdung und Islamisierung Rassisten sind, werden es radikale Randparteien, Jugendparteien wie die Piratenpartei sowie die gewaltige Partei der Nichtwähler sein, die die Mehrzahl der Stimmen von jungen Menschen auf sich vereinen.

Dieser Beitrag wurde von Huwi am Samstag, 27. Juni 2009 um 23:36 Uhr veröffentlicht und unter Dies & Das, Kommentare, Gesellschaft, Politik allg., Germanyland abgelegt. | Sie können ihn per E-Mail versenden und ausdrucken. | Schreiben Sie einen Kommentar oder richten Sie einen Trackback auf Ihrer Website ein.

Bisher gibt es 11 Kommentare zu “Die Entrücktheit der Politk,”

  1. 1 Stratomunchkin (Sonntag, 28. Juni 2009; 00:11): 

    Danke, Huwi, danke!

    Werde den, falls erlaubt, bei Zeiten mal übersetzen und in mein kleines Blog einstellen.

    Und schön, dass noch jemand “Rad der Zeit” kennt.

  2. 2 Huwi (Sonntag, 28. Juni 2009; 06:48): 

    Hallo Stratomuchkin.
    Ja, es gibt noch Andere, die sich mit 3000 verschiedenen Charaktären und Bänden in denen fast nichts passiert herumquälen ;-) Den Artikel darfst Du gerne übersetzen, dazu bitte einfach Hierher verlinken.

  3. 3 Stratomunchkin (Sonntag, 28. Juni 2009; 10:43): 

    Danke, Huwi. Lese mir übrigens grade die so gut bewertete Antwort auf “Abgeordentenwatch” durch. Die werde ich wohl auch übernehmen, damit die nicht in den Untiefen des Webs verloren geht…

    Und ja, “Rad der Zeit” wird nach dem 4. Buch (english) einfach nur langweilig.

  4. 4 Huwi (Sonntag, 28. Juni 2009; 13:36): 

    Ja, aber man hängt halt irgendwie drin und will dann doch mal wissen wie’s weitergeht. Dummerweise hat das Robert Jordan auch gemerkt und logischerweise gedacht: “5 weitere Bücher bedeutet auch noch fünfmal Einnahmen…”

  5. 5 Stratomunchkin (Sonntag, 28. Juni 2009; 14:10): 

    Ja, und dann war er auf einmal tot. ;)

  6. 6 Huwi (Sonntag, 28. Juni 2009; 14:16): 

    aargh!
    Das habe ich ja noch gar nicht mitbekommen! Scheiße! Ich habe gerade vor wenigen Wochen mal wieder geschaut ob inzwischen ein neues Buch raus ist…

  7. 7 Huwi (Sonntag, 28. Juni 2009; 14:18): 

    Na wollen wir mal hoffen, dass das hier dann halbwegs was wird. Vielleicht kann der Ersatzautor ja auch besser schreiben als Jordan selbst - allzu schwer wäre es ja nicht ;-)

  8. 8 Jack Anderson (Sonntag, 28. Juni 2009; 17:28): 

    Sehr guter Artikel Huwi. Ich bin nahezu begeistert. Man sagt ja immer, dass die Dummen nie aussterben, aber mit Sicherheit sterben bald die Ahnungslosen (zumindest was den beschriebenen Teil angeht). Obwohl - dann wären da noch die Ignoranten…

  9. 9 Huwi (Sonntag, 28. Juni 2009; 20:33): 

    Danke Jack.
    Ein Lob von Dir an mich heißt etwas ;-)

  10. 10 Jack Anderson (Sonntag, 28. Juni 2009; 23:11): 

    Och, bin ja kein Unmensch *lacht*

    Ich hatte ja geschrieben, dass mein Ausstieg nicht im Zorn war. Es war lediglich eine ungesunde Kombination aus Zeitmangel, neuen Blogprojekten, aber auch Meinungskonflikten…das heißt aber nicht, dass ich Euch alle zum Teufel wünsche^^

  11. 11 Ich bin schuld. « Zivilschein (Montag, 29. Juni 2009; 05:03): 

    […] wurden damit so bitter enttäuscht, dass sie sich nun massenhaft von der “Volkspartei” abwenden. Selbst ihr eigener Online-Beirat hat aus Protest seine Arbeit […]

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