Vom politisch unerwünschten Randthema ins Rampenlicht der Medienöffentlichkeit
Die Reaktionen auf die klaren Aussagen von Thilo Sarrazin zu Erfolgen und Problemen bei der Integration von Einwanderern in Berlin schienen zunächst nach dem eingespielten Muster zu verlaufen: Skandalisieren, Inhalte ignorieren und persönlich diffamieren. Doch es scheint nun möglich, dass doch eine sachliche und inhaltliche Debatte in Gang kommen könnte.
Zunächst gab es die üblichen Angriffe der üblichen ideologisch motivierten Lautschreier, die auf abweichende Meinungen nur durch persönliche Angriffe und selten argumentativ reagieren können oder wollen. Auch CDU-Politiker stimmten in die medial kommunizierte Verdammungsorgie mit ein, manche davon nicht opportunistisch aus wahltaktischen Grünen oder um “dazuzugehören, sondern aus ideologischen Gründen. Der Integrationsminister von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, verstand wieder einmal seinen Beruf falsch und versuchte, die Hinweise von Sarrazin auf Erfolge und Probleme der Integration in die böse und “indiskutable” Ecke zu stellen:„Sarrazin vergiftet das Integrationsklima und entmutigt Menschen statt vorhandene Defizite abzubauen.” Dass Sarrazin die erfolgreichen Integrationsbemühungen und die Leistungen der meisten Einwanderer-Nationen ausdrücklich gelobt hat, wird von Laschet bewusst verschwiegen. Laschet sagte auch, dass kein anderes Bundesland eine so schlechte Integrations- und Bildungspolitik mache, wie das rot-rot regierte Berlin. Dass Sarrazin genau diese teilweise gescheiterte Integrations- und Sozialpolitik in Berlin kritisiert, fällt Laschet entweder nicht auf, oder er verdreht bewusst die Tatsachen, auf dass sie wieder zu seiner Anklage passen.Tatsächlich seien „angesichts der jahrzehntelangen kollektiven Realitätverweigerung” die Erfolgsgeschichten der Integration „beeindruckend”. Sarrazin hat ganz deutlich diese vielen Erfolgsgeschichten herausgehoben und gewürdigt. Er hat nur gewagt, auch die Fehlentwicklungen und gravierenden Probleme bei der Integration zu thematisieren.
Dieses Ansprechen eines lange in der medialen Öffentlichkeit nur am Rande diskutierten Problems trifft auf die Zustimmung eines großen Teils der deutschen Bevölkerung.
Laut einer emnid-Umfrage halten 69% der Deutschen es für richtig, dass Sarrazin eine offene Diskussion zu den real bestehenden Problemen angestoßen hat. Wenn man nun die Diskussion wirklich kritisch aber sachlich und nicht skandalisierend führen würde, wäre dies auch ein Verdienst Sarrazins. Zwar wurde von weiten Teilen der Medien (leider) erwartungsgemäß die Aussagen Sarrazins nicht inhaltlich diskutiert, sondern vor allem die Person Sarrazins angegriffen und seine Aussagen verdreht, emotionalisiert und skandalisiert. Aber: Sarrazin weigerte sich trotz des medialen Trommelfeuers bisher beharrlich, wegen seiner ideologisch unerwünschten Aussagen zurückzutreten. Das könnte dafür sorgen, dass man sich langsam auch öffentlich mit den wirklichen Problemen Diese werden in der Regel durch Vertuschen und Ignoranz eher größer. Lösen kann man sie nicht durch medial-öffentliche Anklagen gegen den Boten, der auf diese Probleme hinweist. Weiterbringen wird vermutlich nur eine offene Diskussion ohne ideologische Scheuklappen sachlich, deutlich, und mit dem notwendigen Respekt vor allen beteiligten Seiten.
Es kommen tatsächlich auch mal inhaltliche Diskussionen in Gang. Beispiel: Unabhängiger Jude kontra jüdischem Polit-Funktionär
Zu einer drastischen Übertreibung griff der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer: “Ich habe den Eindruck, dass Sarrazin mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler große Ehre erweist“.Der als Selbstdenker bekannte Historiker Michael Wolffsohn sagte dagegen, er sehe sich durch Kramers Äußerungen als Jude nicht vertreten. ” Wenn der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland spricht, heißt es automatisch: „Der Zentralrat der Juden in Deutschland sagt“ – und damit sind es „die“ Juden. Gerade als deutscher Jude fühle ich mich durch Äußerungen dieser Art nicht vertreten. Gerade als Jude protestiere ich gegen die Gleichsetzung demokratischer, deutscher Politiker mit Hitler & Co. Wer Hitler & Co bei allem und jedem gegen alle und jeden inflationär gebraucht, verharmlost Hitler & Co! Will das ausgerechnet der Sprecher des deutschjüdischen Zentralrates?“ schrieb Wolffsohn in einem Beitrag im Tagesspiegel am Sonntag.
Autor: Francis | Abgelegt unter Gesunder Menschenverstand, Gesellschaft, Germanyland, EU
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