Ich kann nicht von ihm lassen, dem Schuhwerfer von Baghdad, wobei er selbst mir eigentlich nicht wirklich wichtig ist. Was mich viel mehr beschäftigt, ist seine Rezeption in der westlichen Welt. So hat es mich auch nicht überrascht, diese Schlagzeile zu lesen: “Iraqi shoe thrower gets hero’s welcome in Geneva“.
Gemäß dieses Artikels wurde er in Genf sogar herzlicher empfangen als im Irak selbst. Al-Zeidi bezeichnet sich als Opfer der Besatzung und seine europäischen Huldiger klatschen. Al-Zeidi fabuliert von einer Million Toten im Irak und Europas Intellektuelle himmeln ihn an. Was zeigt uns das? Hass auf den Westen, Ablehnung freiheitlicher Werte und abendländischer Kultur sind weder Bildungs- noch Armutsproblem. Des Schuhwerfers Speichellecker in Genf und anderen Teilen dieser Welt sind weder arm noch ungebildet. Sie mögen selten dämlich sein, aber auf dem Papier haben sie vermutlich hochwertige Bildung genossen. Al-Zeidi kann sich bei seiner Geschichte nur dann als ein Opfer der Besatzung bezeichnen, wenn er vorher Teil von Saddams Elite war. Al-Zeidi ist mit relativ kurzer Gefängnisstrafe davon gekommen, bei der er laut widersprüchlicher Angaben zwischen drei Tagen und drei Monaten gefoltert wurde, wobei wir es hier einmal mehr mit “Folter” zu tun haben, die offensichtlich keine bleibenden Schäden hinterlässt. Kurz nach seiner Verhaftung hieß es, ihm wurden die Arme gebrochen, was ihm allerdings kurz darauf nicht mehr anzusehen war. Saddams Schergen haben Arme nicht nur gebrochen, sondern gelegentlich sogar amputiert, sie haben Menschen lebendig gebraten und so unter Strom gesetzt, daß sie zu qualmen anfingen. Setzen wir die vergleichsweise pflegliche Behandlung und milde Strafe Al-Zeidis im neuen Irak also in Relation zu Saddams Regime, wo ein Vergehen wie das von Al-Zeidi, nämlich der tätliche Angriff auf einen befreundeten Staatsgast, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit dem Tode bestraft worden wäre, allerdings nicht ohne vorhergehende Folter, die den Namen verdient, so ist Al-Zeidi nicht Opfer sondern eindeutig Begünstigter der Besatzung. Eine Denkübung, der viele Intellektuelle dieses Kontinents zu folgen wohl nicht in der Lage sind. Sie beklatschen in Folge einen Sympathisanten des Schlächters von Baghdad.
Wahrscheinlich handeln sie in eigener Wahrnehmung völlig rational. Jedoch basiert ihr Weltbild auf absurden Zahlen. Eine Million Tote im Irak? Das Projekt Iraqi Body Count, das nicht sehr pro-amerikanisch ist, zählte knapp über 100.000 Tote. Wo kommt diese 1.000.000 her? Auf einer friedensbewegten Seite, die ich leider nicht wiederfinden kann, wurde die Methode einmal erläutert, was ich bei dem grenzdebilen Ansatz, der gewählt wurde, ausgesprochen mutig fand. Zu Grunde liegen die glaubhaft diskreditierten Zahlen der bekannten “Lancet Studie”, was man ja noch machen kann, denn immerhin war sie mit guter Reputation ausgestattet und ich prüfe auch nicht jede Studie, die ich zu Rate ziehe, aber der Folgeansatz war noch viel abenteuerlicher, denn die offensichtlich falschen Zahlen werden einfach linear weiter hochgerechnet, als ob es keinerlei Veränderung der Situation im Irak gegeben hätte, gibt oder geben wird.
Eingeladen war der Schuhwerfer im Übrigen vom Anwalt Mauro Poggia von der augenscheinlich rechtsgerichteten “Genfer Bürgerbewegung”, was nur einmal mehr zeigt, daß nicht jeder der sich rechts nennt, ein Verbündeter im Kampf um Freiheit ist. Auch Le Pen und Strache sind dabei genauso wenig Verbündete wie ein Jörg Haider es war. Ernsthaft freiheitliches Denken ist ein zartes Pflänzchen in Europa und neo-nationale Bewegungen nehmen ihm nur die Luft zum Atmen.