In vielen muslimischen Ländern ist das Leben der Muslime massgeblich von der Trennung der Geschlechter bestimmt. Wo Männer und Frauen getrennt leben, bestimmt der Sex das Leben; er verlagert sich in den Kopf und bleibt dort ständig präsent. Wenn Gott geschlechtslose Wesen gewollt hätte um die Erde zu bevölkern, so hätte er diesen Planeten mit Engeln bestückt und die Menschen ins Paradies geschickt.
Khalid Hasan ’s kurze Geschichte (Tägliche Zeiten vom 17. Mai 2006) informiert uns über eine Google - Studie, die herausfand, dass vorwiegend muslimische Länder beim Aufruf von Sexwebseiten weltweit unter den Top Ten sind. Dass Pakistan auf Platz eins vor dem Iran auf Platz vier und Saudi-Arabien auf Platz sieben sei, ist nicht sehr überzeugend. Ich bin mir sicher, daß Saudi-Arabien und Iran an der Spitze gewesen wären, wenn ihre Bürger nicht die Bespitzelung durch ihre jeweiligen Staaten fürchteten.
Mit ihnen verglichen, ist Pakistan eine liberale Gesellschaft, wo das Internet weniger streng überwacht wird. Ähnlich wie Ägypten, das den zweiten, Marokko, das den fünften, und die Türkei, die den achten Platz einnimmt, und die vergleichsweise freie Gesellschaften sind. Die genannte Studie fand auch heraus, dass Indien auf Platz sechs, die Philippinen Platz neun und Polen Platz zehn und Vietnam Platz drei belegen.
Philippinen und Polen sind katholische Länder, und ihre Prüderie ist deshalb verständlich. Bei Vietnam spielen vielleicht noch die Spätfolgen einer kommunistisch geprägten asketischen Grundhaltung eine Rolle. Indien teilt mit Pakistan einen grossen Teil seiner Kultur, aber ist eine wesentlich offenere Gesellschaft und ist deshalb auf Platz sechs.
Der Grund, warum so viele muslimische Länder unter den Top Ten sind, ist, daß die Geschlechtertrennung von Muslimen strenger als in anderen Kulturen praktiziert wird. Wo Männer und Frauen getrennt leben, bestimmt der Sex das Leben; er verlagert sich in den Kopf und bleibt dort ständig präsent. Wenn Gott geschlechtslose Wesen gewollt hätte um die Erde zu bevölkern, so hätte er diesen Planeten mit Engeln bestückt und die Menschen ins Paradies geschickt.
Jedenfalls sollten die Google- Ergebnisse uns nicht zu der gängigen Schlussfolgerung gelangen lassen, dass die keusche islamische Kultur von Globalisation und Verwestlichung unterminiert werde, und man diese stattdessen wiederbeleben sollte. Ich denke die Saudis, Imam Khomeini und die Taliban versuchten das zu verwirklichen, aber es wäre besser, wir würden auf solchen reaktionären Lösungen verzichten. Das, was stattdessen gebraucht wird, ist ernsthafte Analyse und gesellschaftliche Veränderung.
In traditionellen Gesellschaften werden Männer als Teenager verheiratet. Die meisten von ihnen waren mit ihrem Familienleben zufrieden: Kinder und Arbeit hielten sie von Unheil fern. Nunmehr aber, verliert die Agrarwirtschaft weltweit zunehmend die Fähigkeit, einen solchen Lebensstil zu erhalten.
Millionen auf Millionen junger Männer werden aus ihrer einfachen Umgebung entwurzelt und sehen sich aus wirtschaftlicher Notlage heraus genötigt, ihre Zukunft in anonymen Großstädten zu suchen, meist gleichzeitig Hochburgen der Kriminalität. In ihrer sexuell aktivsten Zeit des Lebens, zwischen18 und 28, sind sie auf der Suche nach Arbeit und nach Sicherheit. Ihnen fehlen die Wärme und der Trost des Familienlebens.
Ich bin überzeugt, daß die Vormachtstellung des Westens in den Bereichen Wissenschaft, Kunst, Technologie und Philosophie wesentlich durch die sexuelle Befreiung verursacht wurde. Sexuelle Befreiung nicht im Sinne von Promiskuität oder verantwortungslosem oder von Liebe abgekoppeltem Sex, sondern einfach das Recht des Individuums, nicht von Sittenwächtern gehetzt und gegängelt zu werden in ihrer Freiheit, sich selbstständig einen Partner oder eine Partnerin zu wählen.
In Stockholm können junge Mädchen zur Arbeit gehen oder mitten in der Nacht nach Hause kommen ohne vor Belästigung Angst haben zu müssen. Ich habe aber Zweifel, ob unsere Töchter oder unsere Schwestern alleine zum Basar in Lahore gehen könnten, ohne wenigstens lüsterner Anmache ausgesetzt zu werden, wenn nicht schlimmerem. Deshalb frage ich mich, welche Art Gesellschaft wohl moralisch überlegen ist. Ich interviewte Doktor Israr Ahmed einmal über die Geschlechtertrennung und seine Vorteile. Er erzählte mir, dass sie deshalb wichtig wäre, um die Potenz der Männer aufrecht zu erhalten, und sie daher in gemischten Gesellschaften sie ihre Männlichkeit verlieren würden!
Wenn wir unsere Sichtweise Sex betreffend humanisieren und modernisieren könnten, so könnten wir auch unsere Kreativität und unsere Energie umleiten und zu produktiven und kreativen Erfolgen verwenden. Dass wir das nicht tun, verursacht nur sexuelle Frustration und führt dazu, den Extremismus und den Terrorismus zu fördern. Ja, ich meine sogar, daß es eine sozio-sexuelle Ursache für den aktuellen Anstieg von Extremismus und Terrorismus in der muslimischen Welt gibt.
Wenn ich sage, daß es eine sozio-sexuelle Ursache für ein solches Verhalten gibt, muß ich zuerst erklären, warum die Polen, Filipinos, Inder und Vietnamesen sich nicht in die Luft sprengen, wie einige Muslime dies tun. Ein Grund ist, daß die sozio-sexuelle Ursache zwar ein notwendige, aber nicht ausreichende Basis für Extremismus ist, viel weniger noch für Terrorismus. Man braucht eine Ideologie und eine Bewegung oder eine Partei, die sexuelle Frustration in kollektive Verärgerung und in tödliche Macht verwandeln können.
Der verzweifelteste oder vielleicht auch der idealistischste junge Mann wird so eine leichte Beute für jene, die einen Groll gegen alles haben, was in der Welt passiert ist, seit Muslime aufhörten, sie zu beherrschen! Das Erste, das sie den verwundbaren jungen Männern beibringen, ist das Leben nicht zu genießen. Alles Künstlerische ist haram (verboten), Musik, Gemälde, Filme, Tanz, Fotografie, gemischte Marathonlaufe, ins Kino zu gehen usw..
Betrachten Sie jetzt die jungen Männer, die mit einem repressiven Kulturcodex gefüttert wurden, der dazu dient, sich für alles Spontane, Künstlerische und Natürliche schuldig zu fühlen. Sollten wir uns deshalb wundern, daß solche Männer Erfüllung im Extremismus finden und dass sie die Welt hassen, die sie durch Gehirnwäsche gelernt haben zu verabscheuen?
Die Aufgabe, die sich jedes Mal stellt, wenn man etwas verändern will, ist die Analyse. Was muss gemacht werden, um die Dinge zum Besseren zu wenden? Um mit uns anzufangen, wir müssen unseren jungen Leuten vertrauen. Wenn den Leuten vertraut wird, fangen sie an verantwortungsbewußt zu handeln. Die gegenwärtige Ära wird als das Informationzeitalter begriffen und wir liegen richtig damit. Wir haben genügend Bildungmaterial und wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verfügung, um zu verstehen, auf welche Weise Sex unser individuelles und gesellschaftliches Verhalten beeinflußt.
Unterdrückung ist kein Ergebnis gesunder und ausgeglichener Gesellschaften. Die Menschen tauchen dann einfach ab oder werden Heuchler. Deshalb sollten wir der Trennung von Männern und Frauen ein Ende bereiten. Sie ist unnatürlich. Die Lösung kann nicht sein, junge Leute dazu zu bringen, als Teenager zu heiraten, wie ihre Maulvis (Religionslehrer) es ihnen empfehlen, sondern sie sollen sich frei und ungezwungen treffen können und miteinander umgehen. Ich glaube, die allermeisten jungen Leute möchten gerne zusammensein, miteinander Händchenhalten und sich gemeinsam unterhalten. Angesichts der Tatsache, dass unsere Kultur äusserst konservativ ist, würden wohl die meisten dementsprechend ihre Freiheit auch innerhalb der Grenzen unseres Wertesystems ausleben.
Dies wäre möglich, wenn wir wirklich wollen, dass wir uns von unserer verqueren Heuchelei befreien, und wenn wir nicht möchten, dass unsere jungen Männer in Extremismus und Terrorismus geraten.
Der Autor ist ein Professor für Politologie an Stockholm Universität. Er ist der Autor von zwei Büchern. Seine E-mail-Adresse ist Ishtiaq.Ahmed@statsvet.su.se