Es ist Krieg… - und die Bundeswehr geht nicht hin
SpOn:
Es war die größte und härteste Offensive in der deutschen Zone Afghanistans: Nahe des Bundeswehr-Camps bei Kunduz haben US-Elitetrupps mit afghanischen Soldaten eine Großoffensive gegen Taliban geführt. Fünf Tage und Nächte fielen Bomben, die Rede ist von 133 Toten. Die Deutschen wollten sich nicht beteiligen.
Gouverneur Omar ist euphorisch an diesem Samstag. In einem weiten, strahlend weißen Gewand sitzt er lässig auf einem der großen Sofas in seinem Gästehaus im nordafghanischen Kunduz. Sehr gerne will er von “einem großen Erfolg” berichten, sagt Omar, “vom ersten richtigen Schlag gegen die Taliban”. Endlich habe man dem Feind einmal gezeigt, wie ein Einsatz aussieht. “Wir haben die Taliban eingekesselt und dann fünf Tage bombardiert. Nur diese Sprache verstehen sie.“
Nein, die Taliban verstehen nur Schulenbau, Straßenbau, Verzicht auf Rotes Kreuz an Krankenwagen und Suche nach den Moderaten unter ihnen! Wissen das die Afghanen etwa nicht?
Elitekämpfer der US-Armee haben gemeinsam mit einheimischen Einheiten und massiver Luftunterstützung in der vergangenen Woche zugeschlagen - und afghanischen Angaben zufolge 133 Taliban getötet, 13 verletzt und 25 inhaftiert. Es war der bisher folgenschwerste Einsatz in dem Gebiet, das eigentlich Revier der Bundeswehr ist. Angeführt wurde sie von US-Kämpfern im Rahmen der “Operation Enduring Freedom” (OEF), also nicht unter dem Mandat der Schutztruppe Isaf. Ziel es war, hochrangige Taliban-Führer rund um den Ort Gul Tepa nordwestlich des deutschen Armeecamps bei Kunduz zu jagen.Gouverneur Omar lobt die Härte des Angriffs: “Das erste Mal in den vergangenen fünf Jahren haben wir richtig zugeschlagen”, sagt er und macht einen aus seiner Sicht entscheidenden Zusatz: “Das ging nur, weil uns die USA endlich beim Kampf gegen die Taliban geholfen haben.” Auch Oberst Abdul Wakil, Chef der afghanischen Einheit, lobt die Effizienz des US-Militärs. “Zum ersten Mal hatten wir Luftunterstützung - das hat den entscheidenden Unterschied gemacht”, sagt der Anführer der zweiten Brigade des 209. Chors der afghanischen Armee.
Tatsächlich könnte der brachiale Einsatz in der Region Kunduz einen Wendepunkt darstellen - auch für die deutschen Soldaten dort.
Die Bundeswehr, die in Kunduz ein Camp mit rund 675 Soldaten hat, kennt die Angaben über Tote und Verletzte. Allerdings kann sie sie weder bestätigen noch dementieren. Denn die Deutschen haben bei dem Einsatz nicht mitgemacht. Die USA hatten sie zwar vorab informiert - der deutsche General Jürgen Setzer, der das Regionalkommando Nord führt, lehnte jedoch eine Beteiligung ab.
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Dass die OEF-Einheiten des US-Militärs immer häufiger im Einsatzgebiet der Bundeswehr aktiv sind, ist kein Geheimnis. Gut ein Dutzend Mal wurde dies 2009 sogar öffentlich. Mehrfach kam es wegen unangekündigter und teils sehr harter Zugriffe oder gezielter Tötungen zu Reibereien zwischen deutschen und US-Militärs. Kleine Trupps der in Masar-e-Sharif stationierten US-Spezialeinheit 373, deren Existenz das Militär noch nicht einmal bestätigen würde, waren fast jede Nacht im Raum Kunduz aktiv. Einmal kam bei einem Raketenangriff ein unschuldiger Schäfer ums Leben, als die US-Soldaten den berüchtigten Mullah Abdul Salam jagten.
Doch der jetzige Einsatz mit 133 Toten und massiven Luftschlägen über fünf Tage hinweg sprengt die bisherigen Vorstellungen über die Aktionen des US-Militärs. Die Bundeswehr befand sich in der unwirklichen Lage, die massivsten Kämpfe seit Beginn ihres Einsatzes in der Region nur als Zuschauer beobachten zu können - obwohl sie in unmittelbarer Nähe des eigenen Camps stattfanden.
Wie die Deutschen mit dem offensiven Verhalten der US-Eliteeinheiten umgehen, ist ein heikles Thema, auch für den neuen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Die Bundeswehr muss einen Stimmungsschwenk in der Bevölkerung fürchten, wegen der vielen Opfer. Bisher sind es nur unbestätigte Hinweise - doch im Bundeswehr-Camp denken viele, dass der Einsatz kaum ohne tote Zivilisten abgegangen sein kann. Diese hätte am Ende Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal zu verantworten. Er ist auch der Chef der “Operation Enduring Freedom”.
Nichts gegen Unterstützung durch Verbündete. Wenn wir etwas nicht haben was benötigt ist, dann liefern es Verbündete, genau dafür hat man ja Bündnispartner. Wozu wir allerdings überhaupt noch Truppen da haben, wird mehr und mehr zur Farce.
Dass wir uns getreu dem Motto der ISAF - I Saw Americans Fight - aus den Kämpfen im Süden rausgehalten haben war ja noch irgendwie zu begründen, dass wir aber nun selbst in “unserem” Sektor das Kämpfen von den Amis machen lassen ist ein Witz. Schon vor Monaten haben mir Kameraden aus dem Einsatzgebiet berichtet, die Stimmung vor Ort sei erbost über die deutsche Politik.
Man schickt sie hin, sie dürfen aber nichts machen. Bislang war es sogar so, dass Taliban mit ihren Waffen herumspielen konnten ohne angegriffen werden zu dürfen, da sie ja noch nicht angegriffen haben. Nach einem Angriff auf der Flucht durften sie ebenfalls nicht mehr angegriffen werden.
Auch wenn sich das inzwischen etwas geändert hat, so ist wird der Einsatz mehr und mehr zur Farce. Wofür haben wir überhaupt noch Soldaten da, wenn wir das Kämpfen lieber von den Verbündeten machen lassen?
Aber gut, wir überlegen ja auch den Oberst anzuklagen, der an die 100 Feinde auf einmal durch einen Luftschlag hat erledigen lassen. Die deutschen Rules of Engagement hätten wohl ein vorheriges Gesprächsangebot verlangt…
Zum kotzen das Ganze, wenn wir unsere Verbündeten - aber auch unsere eigenen Soldaten - so verarschen, sollten wir die Truppen wirklich besser abziehen. Ihre Haut sinnlos zu Markte tragen brauchen sie nun wirklich nicht!
Dieser Beitrag wurde von Gegenstimme am Sonntag, 08. November 2009 um 19:01 Uhr veröffentlicht und unter Militär, Afghanistan, Mittlerer & Naher Osten, Aus dem Irrenhaus, Gesellschaft, USA abgelegt. | Sie können ihn per E-Mail versenden und ausdrucken. | Schreiben Sie einen Kommentar oder richten Sie einen Trackback auf Ihrer Website ein.












@der deutsche General Jürgen Setzer, der das Regionalkommando Nord führt, lehnte jedoch eine Beteiligung ab.
ein gewisser Oberst Klein könnte sicherlich erklären, warum. Solange die deutsche Justiz und Politik ihnen den Dolch in den Rücken hält,ist jeder Soldat gut beraten, sich von allem weitab zu halten.
Interessant ist auch, wie locker dieselben über den Tod von LKW-Fahrern und anderen Hilfskräften hinweggehen.
mfg zadgo
So ist es!
Man wähnt sich manchmal im Alptraum. Die Deutschen wollen den Krieg in Afghanistan nicht als Krieg akzeptieren, die Regierung tut so, als wenn das Entwicklungshilfeeinsätze wären, und die Entscheidungen und Aktivitäten der Bundewehrsoldaten werden nach deutschem Recht geahndet, als wenn es sich um eine Verfehlung oder ein Verbrechen in ‘ner Seitenstraße von Düsseldorf handelte.
Merkwürdigerweise behandelt dieselbe Justiz Taten der Muslime in Deutschland nicht so; denn Taten in deutschen Seitenstraßen werden von der Polizei besser nicht verfolgt, sie könnte den kürzeren ziehen, wenn die Repräsentanten der Religion des Friedens ungehalten werden.
Das alles ist nur noch krank, wir zerstören unsere westliche Gesellschaft selbst. Aber auch darin war ja die Justiz im Dritten Reich vorn.
Ja, völlig irre. Wir sollten uns entweder der Realität aussetzen oder die volle Konsequenz aus dem ganzen ziehen und die Bundeswehr abschaffen. Für ABM in Flecktarn kostet sie doch ein wenig viel.
Wie man sieht haben die Amis ihren Job gut gemacht!
Das war ein OEF- Einsatz. Dort DÜRFEN deutsche Truppen nicht (mehr) eingreifen ! Es gibt eine Trennung zwischen ISAF und OEF ! Die Formulierung auf SpON ist falsch!!
http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Enduring_Freedom
Mit solchen Zuständigkeitssophistereien kann man sich wunderbar rausreden, das ist wahr.
Tatsache ist jedoch, dass die Bundeswehrfürhung dabei versagt hat dafür zu sorgen, dass es überhaupt gar nicht erst soweit kommt.
Die OEF-Einheiten würden dort überhaupt nicht operieren, wenn die Bundeswehr ausreichend mit Material, Menschen und Befehlen ausgestattet wäre, um die Taliban offensiv zu bekämpfen. Ungeachtet ob OEF oder ISAF, die Bundeswehr wurde zur Teilnahme aufgefordert und hat - sicher nicht ohne Grund - abgelehnt.
@Schwertadel:
Na, dann erklär mal warum die offizielle Information von ISAF kommt. Und die Bilder dazu aus dem Flickr-Stream von ISAF.
Bilder hin oder her: das war ein OEF-Einsatz - das sind halt die FAKTEN.
(Nebenbei berichtet ISAF über alle möglichen Ereignisse da unten)
Und mangels Mandat DARF die Parlamentsarmee BW in AFG nicht mehr für OEF eingesetzt werden. Der SpON- Artikel ist somit falsch.
Da die Bundeswehrführung dem Primat der Politik untergeordnet ist, ist eben diese der Ansprechpartner für Kritik. Etwaige Entscheidungen für die Teilnahme an solchen geplanten Operationen trifft übrigens nicht der Oberst Dosenkohl, sondern vermutlich ein Planungsstab in D oder gar der Minister selbst.
Ob die Trennung ISAF-OEF künstlich ist oder nicht, ob die Operationsführung generell sinnvoll ist oder nicht, ob wir da raus oder richtig rein sollen - das hat damit nix zu tun.
Unter den gegebenen Umständen DARF die BW nicht bei einem OEF-Einsatz mitmachen.
Zum einen habe ich ausdrücklich betont dass die Politik das Problem ist, weil sie die BW weder mit ausreichend Material noch mit den notwendigen Befehlen versieht, zum anderen ist der OEF-Einsatz überhaupt nur nötig gewesen, weil die BW “ihren” Teil von Afghanistan eben nicht sauber gehalten hat. Dazu braucht sie zumindest aktuell nicht einmal ein neues Mandat, zusammen mit der ANA ist vor kurzem ja eine mehrtägige Offensive mit den deutschen Mardern gegen Taliban gelaufen.
Man hätte von Anfang an seine Pflicht machen müssen und die Taliban bekämpfen sollen. So jedoch war/ist es so, dass die Taliban außerhalb von Kandarhar bereits wieder Steuern einzogen und sogar offen Straßensperren erichtet haben, so weit haben sie den “deutschen Sektor” unter Kontrolle gebracht. Dieser Sektor war jedoch - zumindest theoretisch - mal unter unserer Kontrolle, also gab es hier unnötige Versäumnisse.
Einverstanden