21.
März
2008
Es ist 19 Uhr abends und das Klopapier ist alle. Die Liegenschaftsbeauftragte Frau Dr. Mayer-Schwürbler ist empört. Sie schreibt eine E-Mail an den Inneren Dienst:
Liebe Frau Rüttler, lieber Herr Schaboltzky,
ich hatte es bereits in der PG-Runde angesprochen, heute muss ich nun doch noch mal bitten dringend Abhilfe zu schaffen:
Toilette 3.234
seit ca. 11:00 kein Handtuch (Toilettenpapier wird als Handtuch benutzt),
19:00 kein Toilettenpapier
Das geht so nicht, bitte Ordnung auch in diesem Bereich muss sein.
Schönen Abend
U. Mayer-Schwürbler
Der Innere Dienst jedoch fühlt sich nicht zuständig und leitet die E-Mail weiter an den Abteilungsleiter Beschaffung, Herrn Moggelkurt, der die Oberaufsicht über die Putzfrauen hat. Doch der hat auch kein Klopapier mehr und kann überhaupt die ganze Aufregung nicht so recht verstehen. Deshalb antwortet er am anderen Tag:
Guten Morgen, Frau Dr. Mayer-Schwürbler,
die Arbeitskräfte der Reinigungsfirma gehen jeden Morgen durch die Toilettenräume, allerdings vor 11.00 Uhr. Dabei wird u.a. durch Sichtkontrolle nachgesehen, ob das Handtuch noch im Handtuchspender sichtbar ist. Sofern das nicht der Fall ist, wird eine neue Handtuchrolle eingelegt.
In jedem Toilettenraum sind mehrere Toilettenpapierrollen als Reserve hinterlegt. Dieser Vorrat wird auch täglich ergänzt. (Wenn der im Laufe eines Tages dann verschwindet, haben sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit Kolleginnen aus dem näheren Umfeld dieses Toilettenraumes bedient)
Die tägliche Nutzbarkeit der Toiletten ist damit generell gewährleistet.
Vielleicht sollten Sie an geeigneter Stelle einen Antrag stellen, dass die Handtuchspender gegen Behälter für Papierhandtücher ausgetauscht werden, diese sind leichter handhabbar.
M.f.G.
Moggelkurt
So geht das ABER NICHT! Frau Dr. Mayer-Schwürbler, deren Empörung kein bisschen nachgelassen hat, schickt eine E-Mail zur Information an ALLE:
So sieht das Ergebnis einer Bitte bei Herrn Moggelkurt aus.
Mit freundlichen Grüßen
Ulla Mayer-Schwürbler
Namen der Personen geändert
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Autor: Yaab | Abgelegt unter Die Anstalt, Humor
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09.
März
2008
Ein guter Freund von mir war früher mal in einem Amt beschäftigt. Als Pressesprecher. Da erfährt man so allerlei darüber, wie es in einem Amt so zugeht. Neulich saßen wir wieder bei einem Glas Wein zusammen und da erzählte er mir die Geschichte von den Glühbirnen, von deren Ein- und Ausdreher sowie von der Großen Reform.
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Autor: Yaab | Abgelegt unter Die Anstalt
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23.
Februar
2008
Die Anstalt - ein Kolportage-Roman
6. Lieferung

Der schlaue Plan des jungen glatzköpfigen Dr. Michaelis ging natürlich auch deswegen nicht auf, weil die EDV-Techniker sich schlankweg weigerten etwas anderes zu tun, als zu computern und wenn es nix mehr zum computern gab, dann machten sie lieber gar nichts und so kam es, dass der Ingenieur von den Erneuerbaren Energien seinen verdienten Ruhestand antrat, ohne dass ein flexibler Computerfachmann an seine Stelle trat. Mit der Zeit fielen in den drei Fachbereichen noch weitere Stellen weg, genauso wie es der junge glatzköpfige Dr. Michaelis vorhergesagt hatte, durch Altersabgänge, eigene Kündigungen oder Dienstunfähigkeit, aber diese Stellen konnten nicht neu besetzt werden, sondern mussten anstatt der nicht kündbaren EDV-Fritzen geopfert werden. Die blieben einfach im Rechenzentrum sitzen und hatten jetzt viel mehr Platz als früher, weil ja die ganzen Server, Konsolen und Kabel ausgeräumt worden waren. [weiterlesen …]
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Autor: Yaab | Abgelegt unter Die Anstalt
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16.
Februar
2008
Die Anstalt - ein Kolportage-Roman
5. Lieferung

Während ihrer Zeit als Stabsärztin im Bundeswehrkrankenhaus zu Koblenz hatte Frau P, die damals selbstredend noch keine solche war, einmal auf dem Kreiswehrersatzamt für den Bezirk Montabaur ausgeholfen. Darüber war sie sehr froh gewesen, denn im Krankenhaus hatte sie auf der Gastroenterologischen Station gearbeitet und dort lagen die Darmkrebse und die chronisch Verdauungskranken, dort war die Stimmung schlecht und die Luft noch viel schlechter, denn etlichen der Patienten gingen ständig übelriechende Flatulenzen, also Darmgase, ab und andere, vor allem die mit dem Morbus Crohn hatten die Scheißerei und Stuhlabgang alle fünf Minuten. Im Kreiswehrersatzamt in Montabaur hatte sie natürlich auch Musterungen abnehmen müssen. Gemustert werden bei einer Musterung nicht nur Größe, Gewicht und Urin des Aspiranten, sondern auch dessen Arschloch, sowie Zustand und Verfassung des Genitales. Die Analinspektion dient dem Aufspüren eventuell vorhandener Hämorrhoiden, weil ein Soldat mit Blutstau im Hintern nicht so gut marschieren kann, ja, ist klar, aber warum wird das Gemächt der Buben besichtigt? Der Oberstabsarzt wusste es: Rekruten mit zu stark von der Norm abweichendem Genitale hätten in der Kaserne, auf der Stube, schwer unter den Hänseleien ihrer Kameraden zu leiden, wenn sie dieses, ihr nicht normgerechtes Geschlecht, beim Umziehen oder beim gemeinsamen Duschen, zwangsläufig präsentieren müssten. Darum würde man diese Personen von der Wehrpflicht befreien. Gut, das leuchtet ein – aber: was ist die Norm? Tja, dazu gibt es statistische Erhebungen, Zahlen- und Tabellenwerke, die hier Anwendung finden. Wir achten hauptsächlich darauf, dass bestimmte Größen und Längen nicht unter- oder überschritten werden. Also nicht nur ein zu kleiner Spatz, sondern auch ein zu großer Dubbas konnte von Nachteil sein, beziehungsweise von Vorteil, je nachdem, wie man die Sache ansah. [weiterlesen …]
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Autor: Yaab | Abgelegt unter Die Anstalt
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11.
Februar
2008
Die Anstalt - ein Kolportage-Roman
4. Lieferung

Wenn ein Kaninchen keinen Fluchtweg mehr sieht, redet es sich die Schlange hübsch. Frau P hätte gemäß ihrer Dienstverpflichtung den Vorgaben des Minsters sowieso folgen müssen, weil er ihr Vorgesetzter war und sie war noch nicht lange genug im Geschäft, um die uralten Beamtentricks zu kennen, die so gehen, dass man verbale Zusagen gibt, aber dann doch nix macht. Klappt so gut wie immer, weil das Ministerium seine Vorgaben sowieso laufend ändert oder nach den Wahlen neu besetzt wurde, was in der Regel dazu führte, dass sich die alten Vorgaben in Luft auflösten. Diesmal hätten diese Tricks wohl nicht gefruchtet, denn der Einsparwille kam von ganz von oben, vom Bundeskanzler himself nämlich und der war gerade frisch gewählt worden, also bestand hier keine Aussicht auf baldige Neubesetzung.
Außerdem war das Kaninchen in die Schlange verliebt. Und zwar ganz blödsinnig knallerbsig doll verliebt. Der Herr Minister Gerber und Frau P waren noch in der allerdümmsten Phase des Frühverliebtseins gefangen, wo eins das andere übertrumpfen will, wer wen mehr liebt und darüber streitet, wer mehr geben darf. Ihr zuliebe hätte er die Kanzlerpläne sabortiert und sie wollte ihm zuliebe das Ganze einfach durchziehen. So stritten sie sich. Sie gewann.
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Autor: Yaab | Abgelegt unter Die Anstalt
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08.
Februar
2008
Die Anstalt - ein Kolportage-Roman
3. Lieferung

Zwei Wochen später war der junge glatzköpfige Dr. Michaelis bei der Frau P und stellte ihr das Konzept von Boehse, Unrat und Schenkell vor. Es ist überarbeitet und abgesegnet vom Seniorchef Schenkell, firmenintern wegen seiner humorlosen Art auch als „Schenkell trocken“ bekannt.
„Wir sehen Einsparpotenziale im Inneren Dienst, vor allem aber in der EDV.“
„Und konkret?“
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Autor: Yaab | Abgelegt unter Die Anstalt
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04.
Februar
2008
Die Anstalt - ein Kolportage-Roman
2. Lieferung

Der Herr Minister hatte durchaus seine eigenen Vorstellungen, wie es mit der BAUEL weitergehen sollte, oder eigentlich: weniger er selbst hatte solche Pläne, sondern vielmehr die Regierung, der er angehörte, was aber mehr oder weniger auf das Gleiche hinausläuft; der Kampfruf hieß „Schlanker Staat, moderne effiziente Verwaltung“ und Geld sparen und wo konnte man das leichter bewerkstelligen als bei einem offensichtlich so unwichtigen Teil der öffentlichen Hand wie der Bundesanstalt für Umwelt, Energie und Landnutzung? Der Staat hatte, nicht sehr überraschend, wieder einmal kein Geld mehr, bei weiterer Verschuldung drohte der Rausschmiss aus Euroland, weil zum dritten Mal in Folge gegen die Kriterien von Maastricht verstoßen wurde und, wie immer, war selbstverständlich nur die Vorgängerregierung schuld an der Misere, aber jetzt sollte endlich einmal etwas getan werden und das hieß, Geld sparen, viel Geld sparen und das sollte zunächst am Beispiel der Anstalt exerziert werden. Um zu demonstrieren, dass dies möglich war, ohne Qualitätseinbußen der öffentlichen Verwaltung hinnehmen zu müssen, hatte sich der Minister Gerber der Dienste einer namhaften Firma für Unternehmensberatung gesichert: Boehse, Unrath und Schenkell - BUS - ansässig in Bad Homburg vor der Höhe und seit 1994 spezialisiert auf die Sanierung von maroden, insolventen oder bald insolvent werdenden Firmen, die kurz vor dem Kollaps standen, also bestens geeignet für den anstehenden Job, einen ganzen Staat, der sich in ähnlicher Lage befand, vor diesem Schicksal zu bewahren. Zugestandenermaßen habe man noch keine Erfahrungen - leider! - mit der Betreuung von Behörden sammeln können, man sehe dies aber durchaus nicht als Nachteil an, sondern, im Gegenteil, als eine Herausforderung, der sich zu stellen man mehr als gewillt sein, in der Überzeugung, auch in diesem Falle tragfähige Konzepte entwickeln zu können und deren erfolgreiche Umsetzung zu realisieren. Zwar hieße die Firma BUS (Dr. Michaelis sagte: „Bu-hus“), aber man sehe sich durchaus als Omni-BUS („Omni-bu-hus“), mit dem Potenzial auch die schwierigsten Fälle zu lösen. Der Minister soll recht beeindruckt gewesen sein, als er den jungen glatzköpfigen Dr. Michaelis derlei erläutern hörte. [weiterlesen …]
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Autor: Yaab | Abgelegt unter Die Anstalt
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01.
Februar
2008
Die Anstalt - ein Kolportage-Roman
1. Lieferung

Frau Doktor nimmt sich der Sache an
Ist still heute in der Anstalt, verdächtig still eigentlich, fast wartet man drauf, dass einer der Wasserköppe gleich seinen Anfall kriegt und rumtobt und schreit und brüllt. Weil ihm weiß-der-Geier-was nicht behagt. Irgendwas gibt’s ja immer, um sich aufzuregen. Bevor Frau Doktor zu uns kam und die Anstalt übernommen hat, war das an der Tagesordnung hier. Ääner vun deene Owwermaschores hott allsemol de Rappel krieht und rumgekrische. Iss abber besser jetzt. Vielleicht hat ja der Gerber Schuld dran, was der hier einführn will iss wien Elektroschocker in die Birne, eine Schocktherapie quasi, aber es hat geholfen, dass die Spinner hier erstma Ruhe gebbe. Eigentlich schizophren, weil der Gerber ursprünglich was ganz Anderes vorhatte, als hier Ruhe reinzubringe. Abber jetzt hamm erstma alle Ängst, richtisch Ängst, sogar die chronisch Manischen hat es jetzt gepackt und die halten endlich mal ess Maul. Bis der Gerber kam mit seine Forderunge, hatte mir ewisch kei Entlassunge mehr gehabt. Immer volles Haus, voll belegt. Das soll jetzt anders werden. Irgendwo haben ja alle einen Hau hier, jedenfalls sollen jetzt die ersten dieser Psychopathen rausgelassen werden und auf die Menschheit draußen los. Verrückt, was? Abber die wolle ja garnit raus, weil, ist doch klar, hier drinnen sind sie geschützt vor der bösen Welt da drauße, da drauße iss hart und kalt und wird immer härter, doch bei uns drinne war alles kuschelig und warm. Geborgenheit halt. [weiterlesen …]
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Autor: Yaab | Abgelegt unter Die Anstalt
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