Rush Limbaugh Quote of the Day

"I hope I didn't shock you, folks, by telling you that Iran may be working on a bomb, but the UN just announced that that's what they think might be going on."
06. September 2008

Ein wahrer Held

Hinter einem Müllcontainer duckend observierte er die kleine Siedlung. Im Verlauf des Tages hatte ihm die Sonne Nacken, Unterarme und Waden schwer verbrannt. Die Mauer hinter ihm spendete ausreichend Schatten, in dem der nach Atem ringende Mann dankbar länger verweilte als es die gefährliche Lage zuließ. Er musste sich beeilen, denn hinter jener Mauer waren seine Verfolger im Anmarsch. Noch ertönten ihre aufgebrachten Rufe und das Bellen der Spürhunde in weiter Ferne, doch das würde sich schnell ändern. Er hatte die Hoffnung, ihnen zu entkommen, schon längst aufgegeben. Trotzdem bestand noch der Hauch einer Chance, seinen Auftrag ausführen zu können. Die Aussicht auf Erfolg war ihm wichtiger als sein eigenes Leben. Er hatte nie daran gezweifelt, dass er sich im Ernstfall opfern würde, und nun - dem nahenden Tod in den gierigen Schlund blickend - war er sich so sicher wie nie zuvor: Es war ihm eine Ehre für sein Land zu sterben.

Der Körper des gehetzten Helden wurde von einem letzten Schub Restenergie durchflutet. Langsam richtete er sich auf und blickte um sich. Irgendwo hier in dieser Siedlung lebte sie: Die Kontaktperson, die es zu erreichen galt, ehe die hysterische Meute ihn bei lebendigem Leib zerfleischen würde. In seiner Handfläche waren die Adresse und Apartmentnummer eintätowiert. Selbstverständlich als Geheimcode, um die Kontaktperson nicht zu gefährden. Insgesamt gab es 444 Apartments in der Siedlung, doch der Mann kam nicht unvorbereitet. Auf einem Satellitenfoto hatte er sein Endziel rot eingekreist. Ein letztes Mal prägte er sich die Umgebung ein, griff nach seinem Feuerzeug und verbrannte mit zitternden Händen das Foto. Dann machte er sich entschlossen auf den Weg.

Nur noch wenige Schritte trennten ihn von seinem Ziel. Seine Augen brannten vom Schweiß. Vielleicht was es auch Blut. Er hatte sich beim Sprung über die Mauer im Stacheldraht verfangen und neben seiner Kleidung auch die Stirn aufgerissen. Schmerzen spürte er kaum. Wenn überhaupt, dann waren es Schmerzen des Glücks. Die Treppenstufen zum Apartment der Kontaktperson erklomm er in einem Zustand grenzenloser Euphorie. Er hatte es geschafft!

Noch ehe er an die Tür klopfen konnte, wurde sie bereits geöffnet.

“Can I help you?”

Verwirrt stellte der Mann seine Atmung ein und schloss die Augen. Leise zählte er bis drei. Fast widerwillig öffnete er die Augenlider und sah sich zu seiner Verblüffung noch immer der gleichen Situation gegenüber stehen.

“Can I help you?”, wiederholte Wulfgäng nun etwas ungeduldig, woraufhin der erschöpfte Mann kraftlos auf die Knie sank.

“Wer ist da?”, rief ich aus meiner Schreiberecke.

“Some guy”, antwortete unser Haustier. “He looks homeless. Can I keep him?”

Neugierig trat ich in den Flur und betrachtete das Häufchen Elend an der Türschwelle. Sofort fiel mir der Schriftzug auf seinem durchlöcherten T-Shirt auf: McCain/Palin ‘08. Das ist aber mutig, dachte ich und griff dem angeschlagenen Draufgänger unter die Arme.

“Mr. Meyn?”, fragte er unsicher.

“Yes.”

Erleichterung machte sich auf seinem Gesicht breit.

“I come in peace but I must hurry.”

Aus seiner Hosentasche holte er ein blutbeflecktes Dokument hervor. Ob er mir eine wichtige Frage stellen dürfe, wollte er wissen. Ich nickte. Keuchend gab er mir eine Auswahl von fünf Themen: Wirtschaft, Energiepreise, Nationale Sicherheit, Krankenversicherung und Umweltschutz.

“Which of these issues is …” Er verlor kurzzeitig das Bewusstsein, fing sich aber wieder, nachdem ich ihm zweimal leicht ins Gesicht schlug. “Which of these issues is the most important to you?”

“National security”, entgegnete ich ohne zu zögern.

“Thank you, Sir. My work is done!”

Sein Mund verformte sich zu einem seligen Lächeln, während er auf dem Papier ein Kreuzchen machte. Plötzlich schnellte sein Kopf zur Seite.

“They are here. I must leave now!”

Er überreichte mir das Dokument mit der Bitte, es an die entsprechende Stelle weiter zu leiten. Normalerweise würde er das selbst tun, erklärte er, doch hatte er arge Zweifel diese Siedlung lebend zu verlassen.

“Farewell, friend!” Dann humpelte er die Treppe hinunter und verschwand wenig später im Gestrüpp unweit des Swimming Pools.

“Wer war denn das?”, fragte mein Rippchen, als ich mir in der Küche ein Glas Wein einschenkte.

“Einer dieser fleißigen Wahlhelfer. Netter Kerl.”

“Wollte er dich wieder von Obama überzeugen?”

“Nee, der war tatsächlich aus dem Lager von McCain.”

“Ach? Das ist aber mutig!”

“Das dachte ich auch sofort. Ein wahrer Held, wenn du mich fragst.”

“Too bad I couldn’t keep him”, schmollte Wulfgäng.

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17. Juni 2008

Abschied vom kleinen Inder

Und damit ist dann wirklich Schluss.

Oder…?

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26. Mai 2008

Die Sunchimes (2)

(Teil 1)

“Sex und Sandwich”, verriet eine Stimme im Radio den Zuhörern. “Mehr braucht es nicht, um einen Mann glücklich zu machen.” Dr. Laura Schlessinger, Amerikas Anlaufstelle Nummer eins in Sachen Moral und Ehefragen, hatte gesprochen und ich trat wütend aufs Gaspedal. Der Arbeitstag war lang und anstrengend gewesen und nun musste ich mir auf dem Heimweg auch noch anhören, wir Männer seien einfach gestrickte Wesen. Ich mag nicht von Frauen analysiert werden. Schon gar nicht, wenn sie recht haben.

Sex und Sandwich. Seit sich mein Rippchen von mir auf unbestimmte Zeit verabschiedet hatte, ging mir beides ab. Die Zubereitung eines echten, amerikanischen Sandwichs ist nämlich extrem aufwendig, und Sex mit mir selbst hatte einen eher befremdlichen Effekt, was aber auch daran lag, dass Wulfgäng ständig daneben hockte und mich begeistert anfeuerte. Herrje, ich vermisste mein Rippchen! [weiterlesen …]

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20. April 2008

Die Sunchimes (1)

Den ersten Mord beging sie vor knapp vier Jahren. Ihre Augen verrieten keine Spur von Zaghaftigkeit. Im Gegenteil. Entschlossen peilte sie das ahnungslose Opfer an, schlug mit einem dicken Knüppel so lange drauf ein, bis es sich nicht mehr wehren konnte und zu schwach für eine Flucht war. Ich hörte Knochen krachen und sah Blut in alle Richtungen spritzen. Der Todesstoß kam von oben, mit viel Schwung und einem übergeschnappten “Friss Dreck, du Kacker!” So kannte ich mein Rippchen gar nicht. Als Schaulustiger fühlte ich mich natürlich mitschuldig. Auch das Plündern des Leichnams schockierte mich, hält man sich die eher dürftige Beute von drei Kupfermünzen vor Augen.

Mein Rippchen ist Beatrix Sunchime, Magier des 80. Levels in der Welt von Everquest. Die Macher dieses Online-Spiels werben mit einem einzigen Slogan: “You’re in our World now!” Das zieht. Und zwar so sehr, dass es in Amerika bereits Ehepsychologen gibt, die sich genau auf dieses Thema spezialisiert haben. Kein anderes Spiel hat mehr Ehen zerstört als Everquest. [weiterlesen …]

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02. April 2008

Homepage, Schnuckie!

Aufmerksame Leser werden es vielleicht schon bemerkt haben: Michael Meyn hat jetzt seine eigene Homepage. Ja, genau.

Zur Feier des Jahres bat ich meine Arbeitskollegen, mein wunderschönes T-Shirt überzustreifen. Sie wollten nicht. Darum musste ich ungemütlich werden. Ich schrie sehr laut und viel, warf mit großen Schildern um mich und drohte allen, meinen alten Kumpel Adolf Hitler auf sie zu hetzen. Wirkt bei Amis immer. Zwar hielt sich die Begeisterung in Grenzen, doch gelang es mir immerhin, ein paar Fotos zu machen. Leider sind sie alle nichts geworden.

Robert, der sich hier ‘unverklemmt’ im Bild präsentiert, wurde von mir noch am selben Tag im Hinterhof erschossen und entsorgt, weil er ständig das hübsche Motiv verdeckte.

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Der kleine Mexikaner Javier (ich nenne ihn Harvey) sieht auf den ersten Blick recht drollig aus, aber in Wirklichkeit presste er ein genervtes “OYE COÑO” durch die knirschenden Zähne als ich ihn knipste. Auch er lebt heute nicht mehr. Zumindest nicht in Amerika.

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Einzig und allein Stephanie war mit Leib und Seele bei der Sache. Kaum hatte ich ihr erklärt, dass ich sie fotografieren wollte, flog auch schon ihre modische Garderobe durch die Firma. Nach dem anfänglichen Missverständnis zog sie sich das T-Shirt über, rannte mit nacktem Hintern nach draußen und posierte an einer Palme.

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“Take a picture of my tits!”, bettelte sie unaufhörlich. Das tat ich auch. Mit schlimmen Folgen:

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Nun gut, in Zukunft werde ich meine Werbeaktionen besser planen. Aber vielleicht sehen wir uns ja trotzdem mal da drüben. Oder hier. Hauptsache, wir sehen uns.

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02. März 2008

Happy Birthday, my Little Rib!

Wenn Du nachher von der Arbeit nach Hause kommst, also, nachdem Du das Abendessen gekocht, Abwasch und Reinemachen erledigt hast, werden wir so richtig heftig … feiern!

In Liebe

Dein Mops

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21. Januar 2008

Der dicke Blockierpfropf

Was mich in meiner Tätigkeit als Amateurschreiberling enorm behindert, sind Geistesblitze im falschen Augenblick. Ich habe immer genau dann die besten Ideen im Kopf, wenn Stift und Papier gerade nicht zur Hand sind. Meistens während der Arbeitszeit oder wenn ich bereits im Bett liege. Nichts ist schlimmer als ein genialer Einfall, der verloren geht. Bei meinem Gedächtnis geht so ziemlich alles verloren, was länger als zwanzig Minuten her ist und von mir nicht schriftlich festgehalten wurde. Ich habe es schon mit Eselsbrücken versucht, doch hinterher sitze ich ahnungslos am Schreibtisch und denke über rätselhafte Verschlüsselungen nach, wie: “Dirk Bachs linke Hand kauert verstört in der Essecke und ohrfeigt sich selbst.” Was will mir diese Eselsbrücke sagen?

Vergangene Nacht traf mich einer jener Geistesblitze. Ich erinnere mich noch, dass es richtig schön skurril war. Genau nach meinem Geschmack! Sogleich wollte ich aufspringen, um meine Gedanken auf meiner 160 Gigabite Festplatte zu speichern, wurde jedoch von meinem Rippchen wieder zurück ins Bett gezogen.

“Nicht jetzt, Schatz!”, bat sie mich eindringlich. Ich verstand sofort.

Durchschnittlich zweimal pro Woche, exakt um elf Minuten nach Mitternacht, fährt unsere Nachbarin, die dicke Penny, aus dem Bett hoch, steigt in ihre Plüschpantoffeln und backt Kekse. Im Tiefschlaf. Ja, sie schlafwandelt. Ich weiß das, weil sie die Backwaren in unserer Küche produziert. Dagegen ist im Grunde nichts einzuwenden (anschließend spült sie auch alles wieder sauber), aber etwas störend ist es schon. Die ganze Aktion dauert ungefähr zwei Stunden. Danach befördert Penny die Kekse in kleine Plastikbeutel, geht sich auf dem Balkon kurz eine rauchen und kehrt dann mit schlurfenden Schritten in die eigene Wohnung zurück.

Bis der Spuk vorbei ist verharren wir regungslos im Bett. An Schlaf ist nicht zu denken, weil die dicke Penny den Teig nicht nur knetet, sondern auch wuchtig und dutzendfach auf die Arbeitsplatte knallt. “Das ist sehr wichtig”, behauptet mein Rippchen. “Sie versteht ihr Handwerk.” Verboten hat sie mir allerdings, mich in die Küche zu schleichen und ein paar Kekse zu klauen, denn unsere Nachbarin trägt zwar Plüschpantoffeln, aber sonst nichts. Außerdem könnte ich Penny versehentlich wecken und das hätte eventuell traumatisierende Folgen für sie.

“Mist! Das kommt mir jetzt aber sehr ungelegen.” Stirnrunzelnd lauschte ich dem überdurchschnittlich lauten Mixer, der uns signalisierte, dass Penny gerade schwer im Stress war. Mein Rippchen warf mir einen verständnisvollen Blick zu. “Hast wieder eine gute Idee für eine Geschichte, hm?”

“Ungemein gut! Meinst du nicht, ich könnte einen Sprint in meine Schreiberecke wagen?”

“Gott bewahre! Ich garantiere dir, sollte Penny aufwachen, schreit sie uns das ganze Haus zusammen. Willst du Ben erklären, warum sich seine Frau nackt in unserer Wohnung aufhält?”

“Nicht unbedingt.”

“Siehst du, bleib schön hier!”

Penny hatte mir schon so manche gute Kurzgeschichte versaut. ‘Queen Wulfgäng’ wäre die Krönung meiner bisherigen Schaffensphase gewesen, hätte das tüchtige Backweib die Nacht zuvor nicht bei uns verbracht. Diesmal war ich jedoch besonders stinkig, denn mein Geistesblitz erschien mir so grandios, dass mich der bloße Gedanke, ich könnte mich am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern, nahezu in Panik versetzte.

“Schnuckie, es ist der beste Einfall, den ich jemals hatte. Eine total durchgeknallte Handlung. Damit schaffe ich den Durchbruch!”

“Sag’s mir doch. Ich werde es mir für dich merken.”

“Jau, das kenne ich. Dann nörgelst du wieder an meiner Idee herum, bis ich keine Lust mehr auf sie habe.”

“Wieso? Ich nörgel nie!”

“Kannst du dich noch an die lustige Geschichte ‘Ein Pillemann kommt selten allein’ erinnern?”

“Nein.”

“Eben! Ich habe sie nie geschrieben. Wegen dir!”

“Wer liest auch schon gerne Geschichten über einen … naja, du weißt schon?”

“Pillemann! Es ist das lustigste Wort der Welt.”

“Hello?” Penny stand vor unserer Schlafzimmertür. “Do I hear voices?”

“Smells great, Penny!”, rief mein Rippchen im ruhigen Ton. “Keep baking those cookies, girl!”

“Alright.” Penny schlurfte zurück in die Küche.

“Ich würde nur gerne mal eine richtig verrückte Geschichte schreiben”, setzte ich meinen Unmut fort. “Es wäre eine gute Übung für mich.”

“Kannst du doch auch!”

“Nicht, wenn ich hier gefangen bin.”

Uns ging der Gesprächsstoff aus. Auch Wulfgäng wollte sich nicht in die Unterhaltung einklinken. Zu meiner großen Erleichterung, muss ich hier gestehen, denn mein Rippchen bestreitet bis heute die Sprachfähigkeiten unserer Katze. Schweigend lagen wir nebeneinander und warteten. Irgendwann hörten wir Penny zur Toilette gehen. Kurz darauf folgten Geräusche, die mich in meiner Vermutung bestätigten, dass die beleibte Schlafwandlerin nicht für kleine Mädchen, sondern für große Muttis musste.

“Wie nennt man eigentlich diesen Saugpfropf?”, unterbrach mein Rippchen die Stille im Schlafzimmer.

“Was für ein Saugpfropf?”

“Na, du weißt schon. Dieser lange Stiel mit dem Saugdingen vorne dran. Wir benutzen ihn, wenn das Klo verstopft ist.”

“Plunger.”

“Und auf deutsch?”

“Keine Ahnung. Sowas haben die in Germanyland gar nicht.”

“Na klar! Dort gibt’s doch auch dicke Pennys.”

“Die Deutschen haben Ketten und Riegel an der Haustür. Die brauchen keinen Plunger.”

“Bestimmt hat es einen typisch deutschen Namen. So richtig schön präzise, weißt du? Abwasserrohrantiblockierpfropf. Würde mich nicht wundern. Obwohl, ist Antiblockierpfropf nicht ein Oxymoron?”

“Was weißt du schon über Oxymoronies? Schnuckie, ich platze gleich. Ich will an meinen PC!”

“Warte mal. Ich glaube, das Wort Saugpfropf gibt es gar nicht. Saugglocke, das ist es! Wir haben es also mit einer Abwasserrohrantiblockiersaugglocke zu tun. Völlig bescheuert. Wie hieß es noch gleich auf englisch?”

“Plunger.”

“Oder vielleicht Saugstöpsel?”

“Wenn ich wenigstens eine Zigarette hätte …” Beim Rauchen hatte ich schon immer meine Gedanken besser beisammen halten können.

“Im Schlafzimmer wird nicht geraucht!”, erinnerte mich mein Rippchen streng. In jener Nacht war sie wieder mal gnadenlos. Meckernd drehte ich mich auf die Seite.

“Falls du dich in zehn Jahren wundern solltest, warum wir immer noch nicht in unserem Traumhaus wohnen, dies ist die Nacht, in der uns alles zunichte gemacht wurde.”

“Sei doch nicht so theatralisch!”

“Ein Backblech voller Kekse hat unsere Zukunft zerstört. Vergiss das nie! Der daraus resultierende finanzielle Schaden lässt sich nur grob schätzen. Ich tippe auf mehrere Milionen.”

“Sicher …”

“Den Goldenen Schlüssel von Oberhausen hätte man mir überreicht. Ist dir klar, welche Türen er uns hätte öffnen können? Nun werden uns diese Türen für immer verschlossen bleiben.”

“Hm …”

“Thanks, Penny!”

“You’re welcome, pumpkin”, hörte ich Penny in der Küche sagen.

“Hörst du das? Nun nennt sie mich auch noch Kürbis. Spielt sie damit auf meinen dicken Bauch an? Die muss sich gerade melden! Läge Penny am Strand, würde sich Greenpeace sofort auf sie stürzen und versuchen, sie zurück ins Meer zu schieben. Bei Erfolg stünde Holland natürlich sofort unter Wasser.”

“Spar dir deine uralten Witze”, murmelte mein Rippchen, kurz davor einzunicken. “Es ist ein Kosename, Schatz. Sie nennt jeden in ihrer Familie pumpkin. Ich schlafe jetzt, ok?”

“Ja, schlafe du nur. Kannst mir eh nicht helfen. Bis morgen dann.”

Ungeduldig wartete ich, bis sie eingeschlafen war. Auf Zehenspitzen schlich ich mich in den Flur. Penny summte alte Gospelhits und setzte die Spülmaschine in Gang. Das laute Dröhnen ermöglichte mir, mein Schreibzimmer unbemerkt zu erreichen. Zitternd und mit hektisch pumpendem Herzen schloss ich die Tür hinter mir. Geschafft! Dann stolperte ich über Wulfgäng, die mir unauffällig gefolgt war und nun giftig fauchte. Schimpfend verschwand sie im Wandschrank. Ich selbst krachte gegen den Schreibtisch. Aus der Küche eilten gedämpfte Schritte in Plüschpantoffeln herbei.

Es war die Nacht, in der uns alles zunichte gemacht wurde …

Autor: Michael Meyn | Abgelegt unter Meyn's World
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