Rush Limbaugh Quote of the Day

"Obama is doing to the US economy what Godzilla did to Tokyo -- stomping all over it."
01. September 2010

Mops on the Road (1)

Im hohen Alter wird man vergesslich; das ist bekannt. Darum ist mir auch gerade eben erst aufgefallen, dass ich es versäumt habe, meinen letzten Tatsachenbericht online zu setzen. Nun gut, falls Ihr ihn noch nicht bei kolumnen.de gelesen habt, hier ist er. Über Beileidskarten würde ich mich freuen.

Karriereknick

Mir klingen noch immer die Worte meines Chefs in den Ohren: “We can’t afford you anymore.” Dabei hatte er mich über seinen Schreibtisch hinweg sehr seltsam angesehen, und ich Idiot bildete mir in dem Moment noch ein, gleich käme ein breites Grinsen und der Ausruf: “Überraschung! Wir geben dir trotzdem eine Lohnerhöhung!” Zehn Minuten darauf befand ich mich auf dem Nachhauseweg. Arbeitslos.

Zwischen lang andauernden Panikattacken - heimlich in der Besenkammer - redete ich wiederholt beruhigend auf mich ein. Das ist nicht das Ende der Welt, Micha, Amerika ist selbst heute noch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Daran kann auch ein Obama nichts ändern. Zumindest nicht so schnell. Selbst mein Rippchen machte einen weitaus weniger besorgten Eindruck, als man es von einer typisch deutschen Ehefrau erwartet hätte. In ihrer unvergänglichen Liebe und Verbundenheit fand sie immer wieder aufbauende Worte für mich.

“Du bist so fleißig, Schatz, sicher findest du bald einen neuen Job. Musst du auch! Wie sollen wir sonst die Miete zahlen?” Und flugs wieder zurück in die Besenkammer!

Es folgten Wochen der Lethargie. Offiziell machte ich Urlaub, den ich mir redlich verdient hatte. Fünf Jahre hatte ich ohne Urlaub malocht. Entspannung sollte mir darum gegönnt sein. Die meiste Zeit verbrachte ich auf der Couch und starrte auf den Fernseher. Oder ich saß an meinem PC und starrte auf den Monitor. Es passierte nichts, doch solange ich starren konnte, war das Leben fast erträglich. Wulfgäng merkte schnell, dass etwas mit mir nicht stimmte. Sie hatte auch sogleich einen guten Vorschlag parat:

“You know, you should talk to Humphrey.”

“Wer ist Humphrey?”, fragte ich, wollte es aber eigentlich gar nicht wissen.

“My psychoanalyst. He lives next door.”

Jeder andere Mensch hätte nun gefragt, wieso seine sprechende Katze einen Psychater benötigte. Ich hingegen stieß sofort zur wichtigeren Frage vor:

“Aha, und was kostet dich bzw. mich der Spaß?”

“Nothing. Humphrey is a parrot. He doesn’t need much. Sometimes we talk from window to window. Very nice guy.”

Wulfgäng hatte also regelmäßige Sitzungen mit einem Papagei. Gott, mir ging es so beschissen!

Meinem Rippchen wurde es irgendwann zu bunt:

“Es ist April. Geh duschen, du Penner! Deinem Bart wächst ja schon ein Bart.”

“Lass mich bitte noch ein paar Monate hier sitzen, Schnuckie”, bat ich sie.

“Du hast genug gesessen. Schau mal in den Spiegel. Du siehst aus wie ein Mops!”

Okay, ich hatte etwas zugenommen, was sich bereits bei leichten Tätigkeiten bemerkbar machte. Während einer minimalen Hüftbewegung hatte ich meinen Gürtel gesprengt, Urinieren verursachte Atemnot und meinen Ehering musste ich in Sicherheit bringen, weil er beängstigende Risse aufwies. Aber musste man mich deshalb gleich Mops nennen? Wulfgäng ging sogar noch einen Schritt weiter. Den Ausdruck ‘fat man’ benutzte sie überhaupt nicht mehr. Stattdessen redete sie in Bezug auf mich nur noch von ‘it’. Innerlich war ich gekränkt, äußerlich starrte ich nur.

“Keine Sorge. Ich bin in Topform.”

“Such dir endlich einen Job!”

“Das ist nicht so einfach, Schnuckie.”

“Schön, dann ist es eben nicht so einfach. Such dir trotzdem einen Job! Uns geht das Geld aus.”

“Oh, this is just great!”, motzte Wulfgäng. “How are we gonna survive? Nobody is gonna hire it. It’s too fat!”

Schlapp schlurfte ich ins Schlafzimmer, wo ich mich auf den Bettrand setzte. Mein Rippchen folgte mir.

“Irgendwas muss hier passieren, Schatz. Du wirst immer unselbständiger.”

“Blödsinn!”, murmelte ich und hob die Arme, damit sie mir das Schlafanzugoberteil überziehen konnte. “Mir fehlt momentan nur die Energie. Aber ich verspreche dir, dass ich mich morgen nach Arbeit umsehen werde.”

Mein Versprechen schien ihre Stimmung zu mildern. Sanft drückte sie mich ins Bett und zog mir die Decke bis ans Kinn. Ein flüchtiger Kuss auf die Stirn, dann knipste sie das Licht aus und verschwand ins Wohnzimmer. Nun hätte ich richtig schön in die Dunkelheit starren könne, wäre da nicht Wulfgäng gewesen.

“Honestly, talk to Humphrey!” Dabei schnurrte sie und leckte an meinem Ohr herum.

“Ich glaube nicht, dass mir ein Papagei helfen kann.”

“Of course he can! He will help you reflect on yourself. I talk to him every time I have a problem. Just last night I told him that I was very worried about global warming.”

“Ach ja? Und was hat er dir geantwortet, der schlaue Vogel?”

“What do you think, you idiot? He’s a parrot. He repeated it!”

In jener Nacht schlief ich sehr unruhig. Ich traeumte von einer wilden Autoverfolgungsjagd. Wulfgäng und ich bretterten in einem Kleinwagen den Las Vegas Boulevard entlang. Humphrey steuerte einen riesigen Truck und war uns dicht auf den Fersen. Unentwegt schrie er: “Schnuckie! Schnuckie! Schnuckie!” Während Wulfgäng restlos verängstigt nach dem Sicherheitsgurt tastete, beobachtete ich fasziniert im Rückspiegel, wie Humphrey sich durch den dichten Verkehr kämpfte. Sein Truck schob mühelos alles an die Seite, was sich ihm in den Weg stellte.

“Erika!”, rief ich am nächsten Morgen zur Verwunderung meines Rippchens und sprang aus dem Bett. Natürlich hatte ich Eureka! rufen wollen, doch war mir das Wort nicht schnell genug eingefallen. Geschwind begab ich mich an meinen PC. Zwei Stunden lang googelte ich mich durchs Internet, bis ich alle wichtigen Informationen zusammen hatte. Dann unterrichtete ich mein Rippchen von meinem Vorhaben:

“Schnuckie, ich will Trucker werden!”

-Fortsetzung folgt-

Autor: Michael Meyn | Abgelegt unter Meyn's World
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22. Mai 2010

Wanna be my Friend?

Christ zu sein hat diverse Vergünstigungen. Es plagt einen nicht ständig das schlechte Gewissen, wenn man mal nicht ganz korrekt gehandelt hat, da man weiß: Die Sünde hat Gott längst verziehen. Selbstverständlich soll dies nicht zur totalen Anarchie führen, wo jeder nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Gott bewahre! Jedoch es ist sehr beruhigend, eine Vollkaskoversicherung für das Leben nach dem Tod zu haben. Dementsprechend entspannt langte ich nach Wulfgängs Gurgel und drückte erbarmungslos zu.

“Das war’s für dich. Sag brav ‘Auf Wiedersehen’.”

“Stop it!”, röchelte sie. “This is highly illegal!”

Ich nickte mörderisch grinsend: “Richtig. Und trotzdem komme ich in den Himmel!”

“Please, I’ll do anything you want! Just don’t kill me!”

Wulfgäng hatte es mal wieder zu weit getrieben. In ihrer Gier war sie über meinen Snack hergefallen. Gut und gerne zwanzig Käsewürfel - edelster Gouda - hatte sie binnen weniger Sekunden verdrückt. Man konnte das verfluchte Tier einfach nicht aus den Augen lassen.

“Was fällt dir ein, meinen Käse zu fressen?”, schrie ich sie an.

” I thought it was dessert…”

“Die gleiche Entschuldigung hast du damals auch gehabt, als du den kleinen Inder verschlungen hast.”

“He stood right next to my food. What was I supposed to think? Please, fat man, don’t kill me!”

Mein Rippchen gesellte sich zu uns. “Oh, wie süß! Spielt ihr schön?”

Schnell ließ ich von Wulfgängs Gurgel ab, nahm sie mir zur Brust und streichelte übertrieben auffällig ihr flauschiges Fell im Bauchbereich. “Ja, Schnuckie. Ich bin sooo froh, dass wir eine Katze haben!”

“Ich auch, Schatz. Ich auch.”

Später stellte ich unser Haustier zur Rede:

“Warum hasst du mich?”

“I don’t hate you. You just get on my nerves, that’s all.”

“Ich habe dir nie etwas getan. Kannst du mir nicht einfach aus dem Weg gehen?”

“I could. But it’s too much fun to drive you nuts.” Dann wechselte sie das Thema: “Hey, can you help me with my facebook page?”

“Nur unter einer Bedingung. Du lässt mich für den Rest des Abends in Ruhe.”

Wulfgäng erhob eine Pfote zum Schwur. “I promise!”

Ein Friedensabkommen mit Luzifer wäre wahrscheinlich ebenso sinnlos gewesen, aber ich wollte es auf einen Versuch ankommen lassen. Der Christ in mir drängte auf Annäherung. In meiner Schreiberecke schaltete ich den PC an, während Wulfgäng auf den Schreibtisch hopste und sich erwartungsvoll vor dem Monitor aufbaute. Kurz darauf loggte ich mich auf ihrer Seite bei Facebook ein und fragte: “Wo liegt das Problem?”

“So much confusion. Not sure what to do.”

“Zum Beispiel?”

“Who are all those people here on the side?”

“Das sind Freundschaftsvorschläge. Freunde deiner Freunde.”

“I see. So who is that woman right there?”

“Nina Hagen.”

“She looks cool. Let’s make her a friend!”

“Lieber nicht. Das ist eine ganz verrückte Nudel.”

“Crazy noodle. LOL! How funny!”

“LOL sagt man nicht. LOL schreibt man.”

“What do you mean?”

“LOL ist Internetslang. Eine Abkürzung für ‘laughing out loud’.”

“Who cares? Let’s get back to Nina Hagen. I like her. Please tell her that I wanna be her friend.”

“Na gut. Wenn du unbedingt willst…”

Per Mausklick sendete ich eine Freundschaftsanfrage in Richtung Crazy Noodle. Sie würde eh nicht antworten, dachte ich mir. Wulfgäng studierte ihre Facebookseite; die Schnauze dicht am Monitor, wie ein kurzsichtiger Professor. Am oberen Rand hielt sie plötzlich inne.

“What’s this?”

“In den Kasten schreibst du Botschaften an die Welt. Alle deine Freunde können es dann lesen.”

“Fabulous! Let’s send a message right away!”

“Okay, was soll ich schreiben?”

Wulfgäng dachte kurz angestrengt nach. “I got it! Type this: ‘Michael Meyn has a small penis.’ LOL!”

“Soll ich dich wieder würgen?”

“Why? That’s important stuff. People need to know!”

“Sowas gehoert sich nicht.”

“But it’s true! I’ve seen your penis. Unfortunately…”

Ich ignorierte ihren dämlichen Vorschlag und widmete mich meinem neuen Snack: Pommes mit Ketchup.

“Alright, how about this: ‘I love chicken!’”

“Das willst du schreiben?”

“Yes, please.”

“Genau aus diesem Grunde meide ich Facebook. Kein Mensch interessiert sich für solch einen Mist.”

“That’s what you think. You have a boring life. But I have tons of things to talk about.”

“Meinetwegen…” Folgsam schrieb ich ‘I love chicken!’ in die Messagebox. “Nun wissen alle deine Freunde Bescheid.”

“Thanks. Do you think Nina Hagen will send me a chicken?”

“Es würde mich nicht wundern.”

“Because I’m special, right?”

“Ja, das bist du wirklich.”

“Thank you very much! You know, you’re not so bad for a fat man.”

“Danke! Und du bist auch nicht so schlecht.”

Mit ihrem Kopf stupste sie mich an.

“Friends?”

“Freunde!”

Wulfgäng war begeistert: “Yay! You’re my first friend with a small penis!”

Ehe ich protestieren konnte, tunkte sie ihre rechte Pfote in den Ketchup und machte eine kurze Notiz auf ein Stück Papier, welches sie mir mit ernster Miene zuschob. Neugierig schaute ich darauf. ‘LOL’ stand da geschrieben. Wulfgängs Bauch bebte. Innerlich lachte sie sich kaputt.

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27. März 2010

Wulfgäng und Facebook

Kürzlich las ich einen Artikel im Internet, in dem stand, dass Facebook inzwischen erfolgreicher als Google ist. Die Welt liebt ’social networking’. Mich persönlich interessiert das eigentlich nicht, aber es fiel mir eben wieder ein, als Wulfgäng quengelte: “I wanna be on Facebook!” Klar, Katzen können nicht sprechen, das weiß ich auch. Dennoch, unsere Katze spricht. Scheinbar nur zu mir, denn wenn ich meinem Rippchen von Wulfgängs Talenten erzähle, hält sie mich für verrückt. “Ich verstehe nicht, warum du dich immer so wichtig machen musst”, sagt sie dann. Als würde mich ein sprechendes Haustier zu einer wichtigen Person machen. Im Gegenteil, ich wäre viel ausgeglichener, würde Wulfgäng ihre verdammte Schnauze halten. Hinzu kommt, dass sie mich nicht ausstehen kann. Ständig beleidigt sie mich. Wenn wir uns im Hausflur begegnen, schüttelt sie den Kopf und beschimpft mich. ‘Loser’ und ‘fat man’ sind Teil ihrer täglichen Hasstiraden, die sie auf mich loslässt. Dabei bin ich es, der für Futter und Katzenstreu sorgt! Zumindest finanziell. Sie ist ein gänzlich undankbares Tier und ich hasse sie.

“Schnuckie, Wulfgäng will ihre eigene Seite auf Facebook”, rief ich, woraufhin mein Rippchen meine Schreiberecke betrat und mich mitleidig anschaute.

“Schatz, das kann ich mir nicht vorstellen.”

“Sie hat’s mir aber gerade gesagt.” Wulfgäng saß auf meinem Schreibtisch und nickte: “That’s right!”

“Da! Hast du das gehört?”

“Nein, aber wenn du unbedingt eine Seite für unsere Katze einrichten willst, dann kannst du das machen, ohne Märchen zu erfinden.”

“Ich erfinde keine Märchen. Allerdings weiß ich nicht, ob es eine gute Idee ist, Wulfgäng bei Facebook anzumelden.”

Mein Rippchen klärte mich auf: “Viele Leute haben ihre Haustiere auf Facebook. Ich find’s eher albern, aber wenn du das unbedingt machen möchtest…”

“Es geht nicht um mich. Wulfgäng besteht drauf.”

“Ok. Und was willst du nun von mir? Fragst du mich um Erlaubnis?”

“Ich habe ein schlechtes Gefühl dabei. Sie wird den Computer beschlagnahmen und überall Stunk machen.”

Nun blickte mein Rippchen von weit oben auf mich herab. “Manchmal wünschte ich mir, uns würde ein Ozean trennen.” Dann drehte sie sich um und verließ das Zimmer. Wie gesagt, sie hält mich für verrückt.

“C’mon, fat man, sign me up!” Wulfgäng ließ nicht locker.

“Warum sprichst du eigentlich nicht Deutsch?”, fragte ich genervt.

“We’re in America. People speak English here.”

“Ich wette, du kannst kein Deutsch.”

“Of course I can speak German!”

“Beweise es.”

“Don’t want to.”

“Siehst du. Du kannst es nicht.”

“I can do anything!”

Wulfgäng spielte bockig und streckte sich über den gesamten Schreibtisch. Gerade wollte ich mich meiner neuen Kurzgeschichte widmen, da fing sie wieder an zu plaudern:

“Put me on Facebook!”

“Nein!”

“Why not?”

“Ich habe Wichtigeres zu tun.”

“You’re an ass!”

“Meinetwegen bin ich ein Arsch. Das ist mir egal.”

Wulfgäng sprang mir in den Schoß, stützte sich mit den Vorderpfoten auf meinen Brustkasten und führte ihre Schnauze ganz dicht an meine Nase. Langsam und im bedrohlichen Tonfall sagte sie: “I said: Put me on Facebook!”

Unbeeindruckt packte ich das Tier am Nacken und setzte es auf den Boden. Fauchend schob Wulfgäng ab. “You’re the worst fat man in the world!”, hörte ich sie rufen. Wahrscheinlich schmollte sie nun unterm Bett im Schlafzimmer. Keine zehn Minuten später kam sie schon wieder angekrochen und kreiste schnurrend um meine Beine.

“Das Boot.”

Was auch immer sie mir damit sagen wollte, ich hielt es für angebracht, sie zu ignorieren.

“Told ya I speak German”, erklärte sie stolz. “Ein Bier bitte.”

Ich seufzte. “Du wirst mich bis ans Ende aller Tage nerven, stimmt’s?”

“That is correct.”

Seit heute hat Wulfgäng ihre eigene Seite auf Facebook. Ich ahne Fürchterliches…

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06. September 2008

Ein wahrer Held

Hinter einem Müllcontainer duckend observierte er die kleine Siedlung. Im Verlauf des Tages hatte ihm die Sonne Nacken, Unterarme und Waden schwer verbrannt. Die Mauer hinter ihm spendete ausreichend Schatten, in dem der nach Atem ringende Mann dankbar länger verweilte als es die gefährliche Lage zuließ. Er musste sich beeilen, denn hinter jener Mauer waren seine Verfolger im Anmarsch. Noch ertönten ihre aufgebrachten Rufe und das Bellen der Spürhunde in weiter Ferne, doch das würde sich schnell ändern. Er hatte die Hoffnung, ihnen zu entkommen, schon längst aufgegeben. Trotzdem bestand noch der Hauch einer Chance, seinen Auftrag ausführen zu können. Die Aussicht auf Erfolg war ihm wichtiger als sein eigenes Leben. Er hatte nie daran gezweifelt, dass er sich im Ernstfall opfern würde, und nun - dem nahenden Tod in den gierigen Schlund blickend - war er sich so sicher wie nie zuvor: Es war ihm eine Ehre für sein Land zu sterben.

Der Körper des gehetzten Helden wurde von einem letzten Schub Restenergie durchflutet. Langsam richtete er sich auf und blickte um sich. Irgendwo hier in dieser Siedlung lebte sie: Die Kontaktperson, die es zu erreichen galt, ehe die hysterische Meute ihn bei lebendigem Leib zerfleischen würde. In seiner Handfläche waren die Adresse und Apartmentnummer eintätowiert. Selbstverständlich als Geheimcode, um die Kontaktperson nicht zu gefährden. Insgesamt gab es 444 Apartments in der Siedlung, doch der Mann kam nicht unvorbereitet. Auf einem Satellitenfoto hatte er sein Endziel rot eingekreist. Ein letztes Mal prägte er sich die Umgebung ein, griff nach seinem Feuerzeug und verbrannte mit zitternden Händen das Foto. Dann machte er sich entschlossen auf den Weg.

Nur noch wenige Schritte trennten ihn von seinem Ziel. Seine Augen brannten vom Schweiß. Vielleicht was es auch Blut. Er hatte sich beim Sprung über die Mauer im Stacheldraht verfangen und neben seiner Kleidung auch die Stirn aufgerissen. Schmerzen spürte er kaum. Wenn überhaupt, dann waren es Schmerzen des Glücks. Die Treppenstufen zum Apartment der Kontaktperson erklomm er in einem Zustand grenzenloser Euphorie. Er hatte es geschafft!

Noch ehe er an die Tür klopfen konnte, wurde sie bereits geöffnet.

“Can I help you?”

Verwirrt stellte der Mann seine Atmung ein und schloss die Augen. Leise zählte er bis drei. Fast widerwillig öffnete er die Augenlider und sah sich zu seiner Verblüffung noch immer der gleichen Situation gegenüber stehen.

“Can I help you?”, wiederholte Wulfgäng nun etwas ungeduldig, woraufhin der erschöpfte Mann kraftlos auf die Knie sank.

“Wer ist da?”, rief ich aus meiner Schreiberecke.

“Some guy”, antwortete unser Haustier. “He looks homeless. Can I keep him?”

Neugierig trat ich in den Flur und betrachtete das Häufchen Elend an der Türschwelle. Sofort fiel mir der Schriftzug auf seinem durchlöcherten T-Shirt auf: McCain/Palin ‘08. Das ist aber mutig, dachte ich und griff dem angeschlagenen Draufgänger unter die Arme.

“Mr. Meyn?”, fragte er unsicher.

“Yes.”

Erleichterung machte sich auf seinem Gesicht breit.

“I come in peace but I must hurry.”

Aus seiner Hosentasche holte er ein blutbeflecktes Dokument hervor. Ob er mir eine wichtige Frage stellen dürfe, wollte er wissen. Ich nickte. Keuchend gab er mir eine Auswahl von fünf Themen: Wirtschaft, Energiepreise, Nationale Sicherheit, Krankenversicherung und Umweltschutz.

“Which of these issues is …” Er verlor kurzzeitig das Bewusstsein, fing sich aber wieder, nachdem ich ihm zweimal leicht ins Gesicht schlug. “Which of these issues is the most important to you?”

“National security”, entgegnete ich ohne zu zögern.

“Thank you, Sir. My work is done!”

Sein Mund verformte sich zu einem seligen Lächeln, während er auf dem Papier ein Kreuzchen machte. Plötzlich schnellte sein Kopf zur Seite.

“They are here. I must leave now!”

Er überreichte mir das Dokument mit der Bitte, es an die entsprechende Stelle weiter zu leiten. Normalerweise würde er das selbst tun, erklärte er, doch hatte er arge Zweifel diese Siedlung lebend zu verlassen.

“Farewell, friend!” Dann humpelte er die Treppe hinunter und verschwand wenig später im Gestrüpp unweit des Swimming Pools.

“Wer war denn das?”, fragte mein Rippchen, als ich mir in der Küche ein Glas Wein einschenkte.

“Einer dieser fleißigen Wahlhelfer. Netter Kerl.”

“Wollte er dich wieder von Obama überzeugen?”

“Nee, der war tatsächlich aus dem Lager von McCain.”

“Ach? Das ist aber mutig!”

“Das dachte ich auch sofort. Ein wahrer Held, wenn du mich fragst.”

“Too bad I couldn’t keep him”, schmollte Wulfgäng.

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17. Juni 2008

Abschied vom kleinen Inder

Und damit ist dann wirklich Schluss.

Oder…?

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26. Mai 2008

Die Sunchimes (2)

(Teil 1)

“Sex und Sandwich”, verriet eine Stimme im Radio den Zuhörern. “Mehr braucht es nicht, um einen Mann glücklich zu machen.” Dr. Laura Schlessinger, Amerikas Anlaufstelle Nummer eins in Sachen Moral und Ehefragen, hatte gesprochen und ich trat wütend aufs Gaspedal. Der Arbeitstag war lang und anstrengend gewesen und nun musste ich mir auf dem Heimweg auch noch anhören, wir Männer seien einfach gestrickte Wesen. Ich mag nicht von Frauen analysiert werden. Schon gar nicht, wenn sie recht haben.

Sex und Sandwich. Seit sich mein Rippchen von mir auf unbestimmte Zeit verabschiedet hatte, ging mir beides ab. Die Zubereitung eines echten, amerikanischen Sandwichs ist nämlich extrem aufwendig, und Sex mit mir selbst hatte einen eher befremdlichen Effekt, was aber auch daran lag, dass Wulfgäng ständig daneben hockte und mich begeistert anfeuerte. Herrje, ich vermisste mein Rippchen! [weiterlesen …]

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20. April 2008

Die Sunchimes (1)

Den ersten Mord beging sie vor knapp vier Jahren. Ihre Augen verrieten keine Spur von Zaghaftigkeit. Im Gegenteil. Entschlossen peilte sie das ahnungslose Opfer an, schlug mit einem dicken Knüppel so lange drauf ein, bis es sich nicht mehr wehren konnte und zu schwach für eine Flucht war. Ich hörte Knochen krachen und sah Blut in alle Richtungen spritzen. Der Todesstoß kam von oben, mit viel Schwung und einem übergeschnappten “Friss Dreck, du Kacker!” So kannte ich mein Rippchen gar nicht. Als Schaulustiger fühlte ich mich natürlich mitschuldig. Auch das Plündern des Leichnams schockierte mich, hält man sich die eher dürftige Beute von drei Kupfermünzen vor Augen.

Mein Rippchen ist Beatrix Sunchime, Magier des 80. Levels in der Welt von Everquest. Die Macher dieses Online-Spiels werben mit einem einzigen Slogan: “You’re in our World now!” Das zieht. Und zwar so sehr, dass es in Amerika bereits Ehepsychologen gibt, die sich genau auf dieses Thema spezialisiert haben. Kein anderes Spiel hat mehr Ehen zerstört als Everquest. [weiterlesen …]

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02. April 2008

Homepage, Schnuckie!

Aufmerksame Leser werden es vielleicht schon bemerkt haben: Michael Meyn hat jetzt seine eigene Homepage. Ja, genau.

Zur Feier des Jahres bat ich meine Arbeitskollegen, mein wunderschönes T-Shirt überzustreifen. Sie wollten nicht. Darum musste ich ungemütlich werden. Ich schrie sehr laut und viel, warf mit großen Schildern um mich und drohte allen, meinen alten Kumpel Adolf Hitler auf sie zu hetzen. Wirkt bei Amis immer. Zwar hielt sich die Begeisterung in Grenzen, doch gelang es mir immerhin, ein paar Fotos zu machen. Leider sind sie alle nichts geworden.

Robert, der sich hier ‘unverklemmt’ im Bild präsentiert, wurde von mir noch am selben Tag im Hinterhof erschossen und entsorgt, weil er ständig das hübsche Motiv verdeckte.

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Der kleine Mexikaner Javier (ich nenne ihn Harvey) sieht auf den ersten Blick recht drollig aus, aber in Wirklichkeit presste er ein genervtes “OYE COÑO” durch die knirschenden Zähne als ich ihn knipste. Auch er lebt heute nicht mehr. Zumindest nicht in Amerika.

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Einzig und allein Stephanie war mit Leib und Seele bei der Sache. Kaum hatte ich ihr erklärt, dass ich sie fotografieren wollte, flog auch schon ihre modische Garderobe durch die Firma. Nach dem anfänglichen Missverständnis zog sie sich das T-Shirt über, rannte mit nacktem Hintern nach draußen und posierte an einer Palme.

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“Take a picture of my tits!”, bettelte sie unaufhörlich. Das tat ich auch. Mit schlimmen Folgen:

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Nun gut, in Zukunft werde ich meine Werbeaktionen besser planen. Aber vielleicht sehen wir uns ja trotzdem mal da drüben. Oder hier. Hauptsache, wir sehen uns.

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02. März 2008

Happy Birthday, my Little Rib!

Wenn Du nachher von der Arbeit nach Hause kommst, also, nachdem Du das Abendessen gekocht, Abwasch und Reinemachen erledigt hast, werden wir so richtig heftig … feiern!

In Liebe

Dein Mops

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21. Januar 2008

Der dicke Blockierpfropf

Was mich in meiner Tätigkeit als Amateurschreiberling enorm behindert, sind Geistesblitze im falschen Augenblick. Ich habe immer genau dann die besten Ideen im Kopf, wenn Stift und Papier gerade nicht zur Hand sind. Meistens während der Arbeitszeit oder wenn ich bereits im Bett liege. Nichts ist schlimmer als ein genialer Einfall, der verloren geht. Bei meinem Gedächtnis geht so ziemlich alles verloren, was länger als zwanzig Minuten her ist und von mir nicht schriftlich festgehalten wurde. Ich habe es schon mit Eselsbrücken versucht, doch hinterher sitze ich ahnungslos am Schreibtisch und denke über rätselhafte Verschlüsselungen nach, wie: “Dirk Bachs linke Hand kauert verstört in der Essecke und ohrfeigt sich selbst.” Was will mir diese Eselsbrücke sagen?

Vergangene Nacht traf mich einer jener Geistesblitze. Ich erinnere mich noch, dass es richtig schön skurril war. Genau nach meinem Geschmack! Sogleich wollte ich aufspringen, um meine Gedanken auf meiner 160 Gigabite Festplatte zu speichern, wurde jedoch von meinem Rippchen wieder zurück ins Bett gezogen.

“Nicht jetzt, Schatz!”, bat sie mich eindringlich. Ich verstand sofort.

Durchschnittlich zweimal pro Woche, exakt um elf Minuten nach Mitternacht, fährt unsere Nachbarin, die dicke Penny, aus dem Bett hoch, steigt in ihre Plüschpantoffeln und backt Kekse. Im Tiefschlaf. Ja, sie schlafwandelt. Ich weiß das, weil sie die Backwaren in unserer Küche produziert. Dagegen ist im Grunde nichts einzuwenden (anschließend spült sie auch alles wieder sauber), aber etwas störend ist es schon. Die ganze Aktion dauert ungefähr zwei Stunden. Danach befördert Penny die Kekse in kleine Plastikbeutel, geht sich auf dem Balkon kurz eine rauchen und kehrt dann mit schlurfenden Schritten in die eigene Wohnung zurück.

Bis der Spuk vorbei ist verharren wir regungslos im Bett. An Schlaf ist nicht zu denken, weil die dicke Penny den Teig nicht nur knetet, sondern auch wuchtig und dutzendfach auf die Arbeitsplatte knallt. “Das ist sehr wichtig”, behauptet mein Rippchen. “Sie versteht ihr Handwerk.” Verboten hat sie mir allerdings, mich in die Küche zu schleichen und ein paar Kekse zu klauen, denn unsere Nachbarin trägt zwar Plüschpantoffeln, aber sonst nichts. Außerdem könnte ich Penny versehentlich wecken und das hätte eventuell traumatisierende Folgen für sie.

“Mist! Das kommt mir jetzt aber sehr ungelegen.” Stirnrunzelnd lauschte ich dem überdurchschnittlich lauten Mixer, der uns signalisierte, dass Penny gerade schwer im Stress war. Mein Rippchen warf mir einen verständnisvollen Blick zu. “Hast wieder eine gute Idee für eine Geschichte, hm?”

“Ungemein gut! Meinst du nicht, ich könnte einen Sprint in meine Schreiberecke wagen?”

“Gott bewahre! Ich garantiere dir, sollte Penny aufwachen, schreit sie uns das ganze Haus zusammen. Willst du Ben erklären, warum sich seine Frau nackt in unserer Wohnung aufhält?”

“Nicht unbedingt.”

“Siehst du, bleib schön hier!”

Penny hatte mir schon so manche gute Kurzgeschichte versaut. ‘Queen Wulfgäng’ wäre die Krönung meiner bisherigen Schaffensphase gewesen, hätte das tüchtige Backweib die Nacht zuvor nicht bei uns verbracht. Diesmal war ich jedoch besonders stinkig, denn mein Geistesblitz erschien mir so grandios, dass mich der bloße Gedanke, ich könnte mich am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern, nahezu in Panik versetzte.

“Schnuckie, es ist der beste Einfall, den ich jemals hatte. Eine total durchgeknallte Handlung. Damit schaffe ich den Durchbruch!”

“Sag’s mir doch. Ich werde es mir für dich merken.”

“Jau, das kenne ich. Dann nörgelst du wieder an meiner Idee herum, bis ich keine Lust mehr auf sie habe.”

“Wieso? Ich nörgel nie!”

“Kannst du dich noch an die lustige Geschichte ‘Ein Pillemann kommt selten allein’ erinnern?”

“Nein.”

“Eben! Ich habe sie nie geschrieben. Wegen dir!”

“Wer liest auch schon gerne Geschichten über einen … naja, du weißt schon?”

“Pillemann! Es ist das lustigste Wort der Welt.”

“Hello?” Penny stand vor unserer Schlafzimmertür. “Do I hear voices?”

“Smells great, Penny!”, rief mein Rippchen im ruhigen Ton. “Keep baking those cookies, girl!”

“Alright.” Penny schlurfte zurück in die Küche.

“Ich würde nur gerne mal eine richtig verrückte Geschichte schreiben”, setzte ich meinen Unmut fort. “Es wäre eine gute Übung für mich.”

“Kannst du doch auch!”

“Nicht, wenn ich hier gefangen bin.”

Uns ging der Gesprächsstoff aus. Auch Wulfgäng wollte sich nicht in die Unterhaltung einklinken. Zu meiner großen Erleichterung, muss ich hier gestehen, denn mein Rippchen bestreitet bis heute die Sprachfähigkeiten unserer Katze. Schweigend lagen wir nebeneinander und warteten. Irgendwann hörten wir Penny zur Toilette gehen. Kurz darauf folgten Geräusche, die mich in meiner Vermutung bestätigten, dass die beleibte Schlafwandlerin nicht für kleine Mädchen, sondern für große Muttis musste.

“Wie nennt man eigentlich diesen Saugpfropf?”, unterbrach mein Rippchen die Stille im Schlafzimmer.

“Was für ein Saugpfropf?”

“Na, du weißt schon. Dieser lange Stiel mit dem Saugdingen vorne dran. Wir benutzen ihn, wenn das Klo verstopft ist.”

“Plunger.”

“Und auf deutsch?”

“Keine Ahnung. Sowas haben die in Germanyland gar nicht.”

“Na klar! Dort gibt’s doch auch dicke Pennys.”

“Die Deutschen haben Ketten und Riegel an der Haustür. Die brauchen keinen Plunger.”

“Bestimmt hat es einen typisch deutschen Namen. So richtig schön präzise, weißt du? Abwasserrohrantiblockierpfropf. Würde mich nicht wundern. Obwohl, ist Antiblockierpfropf nicht ein Oxymoron?”

“Was weißt du schon über Oxymoronies? Schnuckie, ich platze gleich. Ich will an meinen PC!”

“Warte mal. Ich glaube, das Wort Saugpfropf gibt es gar nicht. Saugglocke, das ist es! Wir haben es also mit einer Abwasserrohrantiblockiersaugglocke zu tun. Völlig bescheuert. Wie hieß es noch gleich auf englisch?”

“Plunger.”

“Oder vielleicht Saugstöpsel?”

“Wenn ich wenigstens eine Zigarette hätte …” Beim Rauchen hatte ich schon immer meine Gedanken besser beisammen halten können.

“Im Schlafzimmer wird nicht geraucht!”, erinnerte mich mein Rippchen streng. In jener Nacht war sie wieder mal gnadenlos. Meckernd drehte ich mich auf die Seite.

“Falls du dich in zehn Jahren wundern solltest, warum wir immer noch nicht in unserem Traumhaus wohnen, dies ist die Nacht, in der uns alles zunichte gemacht wurde.”

“Sei doch nicht so theatralisch!”

“Ein Backblech voller Kekse hat unsere Zukunft zerstört. Vergiss das nie! Der daraus resultierende finanzielle Schaden lässt sich nur grob schätzen. Ich tippe auf mehrere Milionen.”

“Sicher …”

“Den Goldenen Schlüssel von Oberhausen hätte man mir überreicht. Ist dir klar, welche Türen er uns hätte öffnen können? Nun werden uns diese Türen für immer verschlossen bleiben.”

“Hm …”

“Thanks, Penny!”

“You’re welcome, pumpkin”, hörte ich Penny in der Küche sagen.

“Hörst du das? Nun nennt sie mich auch noch Kürbis. Spielt sie damit auf meinen dicken Bauch an? Die muss sich gerade melden! Läge Penny am Strand, würde sich Greenpeace sofort auf sie stürzen und versuchen, sie zurück ins Meer zu schieben. Bei Erfolg stünde Holland natürlich sofort unter Wasser.”

“Spar dir deine uralten Witze”, murmelte mein Rippchen, kurz davor einzunicken. “Es ist ein Kosename, Schatz. Sie nennt jeden in ihrer Familie pumpkin. Ich schlafe jetzt, ok?”

“Ja, schlafe du nur. Kannst mir eh nicht helfen. Bis morgen dann.”

Ungeduldig wartete ich, bis sie eingeschlafen war. Auf Zehenspitzen schlich ich mich in den Flur. Penny summte alte Gospelhits und setzte die Spülmaschine in Gang. Das laute Dröhnen ermöglichte mir, mein Schreibzimmer unbemerkt zu erreichen. Zitternd und mit hektisch pumpendem Herzen schloss ich die Tür hinter mir. Geschafft! Dann stolperte ich über Wulfgäng, die mir unauffällig gefolgt war und nun giftig fauchte. Schimpfend verschwand sie im Wandschrank. Ich selbst krachte gegen den Schreibtisch. Aus der Küche eilten gedämpfte Schritte in Plüschpantoffeln herbei.

Es war die Nacht, in der uns alles zunichte gemacht wurde …

Autor: Michael Meyn | Abgelegt unter Meyn's World
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