Über den Sinn und Unsinn von Labels für philosophische Strömungen kann man sich streiten. Ich fürchte man braucht sie, da sie helfen, gewisse Dinge einzuordnen und es viel Arbeit erspart, sich nicht von jedem Menschen seine Haltung in allen Details darlegen lassen zu müssen. Ein schlichtes “Ich bin Sozialdemokrat”, “Ich bin Kommunist”, “Ich bin Moslem” oder “Ich bin NeoCon” hilft da sehr.
Ein Problem mit der Kategorisierung hat man allerdings, wenn jeder für sich selbst definiert, was eine Kategorie bedeutet. Eine Selbstbezeichnung als “Moslem” hat heute doch oftmals kaum noch was mit dem Islam zu tun, obgleich klassische Moslems wie der türkische Möchtegern-Kalif (natürlich nicht Möchtegern-Ayatollah, siehe Kommentar) Erdogan die Behauptung, es gäbe einen moderaten Moslem, als Beleidigung auffassen. Ich halte sie nicht für eine Beleidigung sondern schlichtweg für Unfung. Ein Moslem (Übersetzung:„der sich (Gott) Unterwerfende“) hat sich per definitionem Gott zu unterwerfen. Was Gott will läßt sich nach islamischem Verständnis aus dem Koran und den Hadithen ableiden.
Moderate Unterwerfung mach in etwa soviel Sinn wie demokratischer Sozialismus, aber gerade dieses Beispiel zeigt nichts als, daß das krampfhafte Festhalten an Oxymoronen dem Weltbild zuliebe in Deutschland schon Tradition hat. Ein “moderater Moslem” ist kein Moslem im religiösen Sinne. Wenn man eine Kultur aus der Religion ableitet, so mögen seine Überzeugungen auf muslimischen Wurzeln gründen, aber er hat aufgehört, sich Gott zu unterwerfen und somit aufgehört, ein “Moslem” zu sein. Seine Überzeugungen sind traditionell bedingt und somit in gewissen Maßen veränderbar.
Legt man allerdings strenge Kritierien an den Begriff “Moslem” sieht man sich unvermittelt Vorwürfen des Fremdenhasses, der Xenophobie, also der Panik vor Fremdem, konfrontiert. Auch ein Label, daß wenig Wert hat, da es überhaupt nicht darum geht, ob einem die Ideologie des Islam fremd ist oder nicht, sondern einfach nur darum, ob die Beschäftigung mit dieser Ideologie zu einer positiven oder negativen Einstellung führt. Da der Begriff “Moslem” offensichtlich keinerlei feststehende Bedeutung mehr hat und bei einigen zu Beißreflexen führt, sollte man ihn vielleicht einfach nicht mehr benutzen, denn scheinbar steht er einer sachlichen Diskussion nur im Wege.
Wir könnten uns natürlich auch der völlig aus der Luft gegriffenen Neudefinitonen des “Moslem” und des “Islam” halten, die Osama bin Laden und Mullah Omar gar ausschließt, unterwerfen, aber ein besseres Beispiel für Orwell’schen Neusprech könnte ich mir gar nicht ausdenken. Insbesondere gibt es auch kein ein besseres Beispiel für Islamophobie, denn wer so ünterwürfig Sprache vergewaltigt, um andere zu besänftigen, muss panische Angst vor ihnen haben.
Natürlich kann man mir vorwerfen, daß meine Argumentation in sich nicht stimmig ist, an seiner Trennung von Moslem und Islamist festhalten und weiterhin jeden als Rassisten oder Nationalhedonisten abtun, der das gleiche meint, es aber anders ausdrückt. Ich habe kein Interesse daran, hier die Deutungshoheit anzustreben. Auch bei meiner ideologischen Selbstbezeichnung habe ich zunehmend Probleme, obgleich die Gruppe der NeoCons in Deutschland recht klein ist, da einige deutsche NeoCons Deutschland offenbar ausschließlich am Hindukusch verteidigen wollen. Wieder andere schließen eine Zusammenarbeit aus, weil Atheisten ja zwangsläufig entweder Nazis oder Kommunisten sein müssen, da ihre verblendete Atheistophobie, sie nicht erkennen läßt, daß nur ein Übereinstimmungsmerkmal mit anderen Ideologien, nicht automatisch eine gleiche Ideologie bedeutet. George W. Bush und Osama bin Laden glauben übrigens auch an einen Gott. Nicht denselben Gott, aber was spielt das nach diesem Denkschema für eine Rolle?
Die Freiheit der Afghanen, der Iraker, kurz gesagt aller Menschen, auch und insbesondere die Freiheit der “Moslems”, leiden sie doch mit am meisten unter Unterdrückung in der heutigen Zeit, liegt mir sehr am Herzen, aber Freiheit, Demokratie und Kapitalismus will ich gerne auch daheim verteidigt sehen. Iraq als Vorbild? Im Prinzip gerne, aber doch bitte nicht für Deutschland, sondern vielmehr für all die anderen Tyranneien dieser Welt. Wenn Sorge vor einer Islamisierung Deutschlands - nicht Überfremdung und erst recht nicht “Verrassung” - mich zu einem schlechten Menschen machen, dann sei’s drum. Wenn mein Atheismus mich als Verbündeten im Streben nach Freiheit ausschließt, dann kämpft euren Kampf doch allein. Gott sei mit euch. Ich brauche ihn nicht. Die Unterstützung freiheitsliebender Christen ist mir hingegen herzlich willkommen und ich weiß, daß sie unverzichtbar ist. Im Grunde wird auch genau dieses Bündnis auf diesem Blog seit Jahren gelebt.